Welternährung Drohende Hungersnot durch El Niño abwenden

Ein Mädchen trägt Wassereimer durch die Trockenheit in Mandadaly im Norden Myanmars
Fachleute warnen vor weltweit dramatischen Folgen des immer stärker werdenden El-Nino-Wetterphänomens.

Bei der Vielzahl an Krisen, die sich um uns herum abspielen, wird übersehen, dass durch Wetterextreme die Existenz von 50 Millionen Menschen alleine in Afrika gefährdet ist. Das periodisch auftretende Klimaphänomen El Niño ist dieses Jahr besonders stark und führt einerseits zu anhaltenden Dürren und anderen Orts zu starken Überschwemmungen.

Globale Folgen

Erster Indikator für einen El Niño ist eine dauerhaft erhöhte Wassertemperatur im östlichen Pazifik. Bereits Ende vergangenen Jahres verzeichnete der zentrale Pazifik 3,1 Grad Celsius über dem langjährigen Durchschnitt. Damit ist dieser El Niño sehr viel stärker als üblich. Die Erderwärmung könnte künftig zu noch häufigeren, stärkeren und länger andauernden El-Niño-Phasen führen. Das zeigt wie wichtig es ist, die Klimakatastrophe aufzuhalten. Denn El Niño heißt: Beim Klimaschutz geht es um das Leben und die Existenz von Millionen von Menschen. Warnungen vor El Niño bedeuten, Hunger und Leid mit Ansage.

Das südliche Afrika erlebt die trockenste Periode seit Jahrzehnten. Im östlichen Afrika zerstörten Wassermassen in Kenia und Teilen Somalias ganze Landstriche und zwingen Menschen ihre Heimat zu verlassen. Gleichzeitig trocknen Somalia und Äthiopien im Norden aus. Die landwirtschaftlichen Erträge sind um 50 bis 90 Prozent gesunken– mancherorts ist an Ernte gar nicht mehr zu denken. Verzweifelt versuchen Menschen ihre Tiere zu verkaufen, um ein letztes bisschen Einkommen zur Verfügung zu haben. Doch die Preise sind im Keller. Wer will schon Vieh besitzen, wenn Wasser und Futter immer knapper werden? Die Wasserknappheit verschlechtert auch die hygienischen Verhältnisse. Unterdessen steigen die Preise von Grundnahrungsmitteln. Mais kostet in Malawi 73 Prozent mehr als der Normalpreis. Im ohnehin bürgerkriegsgebeutelten Südsudan verschärft El Niño die katastrophale Ernährungssituation. Noch wird der Begriff Hungersnot zwar vermieden. Derzeit deutet jedoch viel darauf hin, dass die Menschen in weiten Teilen des östlichen und südlichen Afrikas Gefahr laufen geradewegs darauf zuzusteuern.

Auch anderswo auf der Welt spielt das Wetter, bedingt durch El Niño, verrückt. So herrscht in Südostasien und Australien außergewöhnliche Trockenheit. Die Bilder von den brennenden Regenwäldern Indonesiens gingen um die Welt. Vor der Westküste des amerikanischen Kontinents kommt es zu starken Niederschlägen und Überschwemmungen. Anfang Januar standen Teile von Los Angeles unter Wasser – obwohl Kalifornien seit Jahren unter einer lähmenden Dürre leidet. In Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay sprach man von den schwersten Überschwemmungen seit Jahrzehnten.

Vorsorge treffen

Die nächsten Monate sind von entscheidender Bedeutung um die Katastrophe und die Folgen einzudämmen. Bis sich die Teller wieder füllen ist die internationale Staatengemeinschaft gefordert. Die Ernteeinbußen der vergangenen Monate waren enorm. Die Lagerbestände sind aufgezehrt. Südafrika beispielsweise ist vom Maisexporteur zum Importeur geworden. Die Wasserknappheit verschlechtert auch die hygienischen Verhältnisse was sich besonders stark auf Schwache wie Kinder, Alte oder Kranke auswirkt.

Das Welternährungsprogramms (WFP) stuft bereits jetzt 14 Millionen Menschen als ernährungsunsicher ein. Werden keine und nur unzureichende Maßnahmen ergriffen um das größte Leid zu lindern und die nächste Anbausaison zu einem Erfolg gedeihen zu lassen, könnte sich diese Zahl bald vervielfachen. Es besteht die ernste Sorge, dass die Syrienkrise die Hungerkrise in Afrika verdrängt.

Grundsätzlich bleibt das zentrale Problem bei derartigen Krisen die Tatsache, dass die Hilfsorganisationen chronisch unterfinanziert sind. Diese Mittelknappheit führt zu weitaus höheren Folgekosten, die sich zum Beispiel aus dem Lufttransport von Hilfsgütern ergeben. Immer wieder appellieren Hilfsorganisationen an die Weltgemeinschaft für Abhilfe zu sorgen. Bisher leider mit magerem Ergebnis. Nur ein Bruchteil des von den Vereinten Nationen bezifferten benötigten Betrags von fünf Milliarden US-Dollar ist bislang finanziert. Das Entwicklungsministerium stellt für Maßnahmen im Zuge von El Niño bislang rund 80 Millionen Euro zu Verfügung. Das Auswärtige Amt steuert gut 5 Millionen Euro bei. Damit ist der Anfang gemacht, die Bundesregierung sollte aber mindestens ihren fairen Anteil am Bedarf der VN zur Bewältigung der Krise bereitstellen und daher die Zusagen weiter erhöhen.

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