Carsharing Dobrindt teilt keine Autos

Kleinwagen an einer Ladestation

Der Dieselskandal markiert einen Wendepunkt. Autos werden strengen Abgasvorschriften unterliegen und Umweltzonen ausgeweitet. Doch die größte Veränderung für die Automobilindustrie kommt von ganz woanders. Wir fragen uns zunehmend: Brauche ich für meine Mobilität eigentlich noch ein eigenes Auto?

Carsharing bewegt

Tatsächlich erleben wir eine neue Bewegung. Immer mehr Menschen nutzen das Rad, steigen in Bus und Bahn – und immer öfter entscheiden sie sich für Carsharing. Aus guten Gründen: Wer nur ab und zu ein Auto braucht, spart mit Carsharing Fixkosten und kann bei Bedarf auf ein Fahrzeug zurückgreifen. Autokauf und Bindung an ein bestimmtes Modell fallen weg. Um Wartung und Reparatur kümmern sich andere. Das Carsharing-Angebot nimmt seit Jahren zu. Weil weniger Autos und Parkplätze benötigt werden, wenn sich Menschen Autos teilen, sind Städte starke Befürworter.

Rechtssicherheit schaffen

Doch die Erfolgsgeschichte wird gebremst. Drei Verkehrsminister – die Herren Tiefensee, Ramsauer und Dobrindt – haben versäumt, eine rechtliche Grundlage zu schaffen, auf der Kommunen Carsharing-Parkplätze rechtssicher ausweisen können.

Keine Kleinigkeit. Carsharing-Anbieter, Kommunen und Kunden sind auf die Verlässlichkeit des Angebots angewiesen – und damit auf sichere Standorte. Wo Carsharing derzeit existiert, müssen Kommunen improvisieren. Dass ausgerechnet Verkehrsminister Dobrindt juristische Bedenken vorschiebt, ist bemerkenswert: Über alle verfassungsrechtlichen Einwände hinweg will er seine Ausländer-Maut durchboxen.

Moderne Mobilität braucht neue Rahmenbedingungen

Die rechtlichen Vorbehalte gegen Carsharing sind konstruiert und nicht mehr zeitgemäß. Das bestätigen mehrere Gutachter. Auch gesonderte Parkplätze für Carsharing-Unternehmen sind zulässig. Denn Carsharing leistet einen Beitrag zum Umweltschutz, entlastet Innenstädte von Autodichte und Parkplatzsuchverkehr und sichert bezahlbare Mobilität. Richtig ist es, Privilegien für Carsharing-Autos an Umweltstandards zu koppeln. So könnte Carsharing etwa bei der Verbreitung von Elektroautos eine positive Rolle spielen.

Die Automobilindustrie fährt mit

Flexible Mobilität hat Zukunft – deswegen setzen auch Konzerne wie Daimler und BMW erfolgreich auf Carsharing. Car2go und Drive now verpassen dem Auto ein neues urbanes Image. Beim sogenannten free floating werden Fahrzeuge innerhalb begrenzter Geschäftsgebiete per App reserviert, entliehen und woanders wieder abgestellt. Autoteilen war nie spontaner. BMW sucht offensiv die Zusammenarbeit mit Kommunen, um Stadtquartiere lebenswerter zu machen. Spannend. Wo Carsharing funktioniert und Parkraum frei wird, haben Fahrradfahrer und Fußgänger mehr Platz, können Bäume gepflanzt und das Klima in der Stadt verbessert werden.

Stationsbasiertes Carsharing braucht sichere Stellplätze

Es ist ein großer Schritt nach vorne, wenn der Automobilwirtschaft privilegierte Parkplätze für Carsharing kein Dorn im Auge mehr sind. Gerade für das klassische Carsharing ist das entscheidend. Die sogenannten stationsbasierten Carsharing-Anbieter stellen im Gegensatz zu car2go und drive now nicht in wenigen Metropolen sondern in über 500 Städten und Gemeinden Fahrzeuge bereit. Der Kunde entleiht ein Auto an festen Stationen, um gezielt Autofahrten von A nach B zu unternehmen, und bringt es anschließend zur Station zurück. Gerade für den Erfolg dieses Geschäftsmodells ist es entscheidend, dass reservierte Stellplätze zuverlässig zur Verfügung stehen.

Grüne fordern Carsharing-Gesetz

Genau hier ist die Bundesregierung gefragt. Damit Kommunen Stellplätze auch einzelnen Unternehmen zuordnen können, braucht es eine klare rechtliche Regelung. Diese fordern auch die Bundesländer seit Jahren ein. Wir Grüne erinnern mit unserem Antrag Minister Dobrindt daran, seine Ankündigungen endlich umzusetzen. Wer vernetzte Mobilität fördern will, braucht nicht mit großem Tamtam digitale Testfelder an Autobahnen zu errichten. Es reicht zunächst einmal der naheliegende Schritt: Ein Carsharing-Gesetz für Mobilitätsstationen im öffentlichen Straßenraum.

Mehr zum Thema Verkehr

1 Kommentar
Blöde Frage...
Gast 14.03.2016

Brauche ich für meine Mobilität eigentlich noch ein eigenes Auto?

Ja und außerdem ist das meine Privatangelegenheit.
Ich brauche außerdem meine Heimat noch. Ich habe keine Lust die zu teilen wie die Grünen es gerne hätten. Die würden am liebsten Heimatsharing und Leasing-Heimat einführen. Nicht mit mir.

Dieser Artikel ist älter als zwei Monate, deshalb werden keine Kommentare mehr angenommen.

4398495