ITB und die Malediven Where beauty hides the brute

Strand auf den Malediven
Das Paradies täuscht.

Die Malediven sind in diesem Jahr offizielles Partnerland der Internationalen Tourismus-Börse (ITB) in Berlin. Im Vorfeld der ITB empfing Omid Nouripour hochrangige Oppositionspolitiker der MDP (Maldivian Democratic Party). Auf einer gemeinsamen Pressekonferenz sprach er mit Ahmed Naseem, dem ehemaligen Außenminister und Omar Abdul Razzak, ehemaligem Staatsminister und derzeit Parlamentsabgeordneter, über die Menschenrechtslage auf den Inseln, die sich zunehmend verschlechtert.

Malediven, das klingt nach Urlaubsparadies, und nicht nach einem autokratischen Regime, das kritische Stimmen mit Folter unterdrückt. Die Gäste berichteten von Einschränkungen und Inhaftierungen der Opposition, Polizeigewalt und Straffreiheit, der Beschränkung von Frauenrechten, Wiedereinführung der Todesstrafe und der wachsenden Zahl von maledivischen Islamisten. „Hier geht es nicht um einen Boykottaufruf gegen die Malediven, auch wenn die Wahl zum offiziellen Partnerland der ITB fragwürdig bleibt“, so Nouripour. Dennoch muss es möglich sein, eine besorgniserregende Menschenrechtslage auch im Rahmen der ITB in den Blickpunkt der Öffentlichkeit zu rücken. Auch der ehemalige Außenminister Naseem sprach sich nicht generell gegen den Tourismus auf den Malediven aus, aber „die Deutschen sollen wissen, welches Land sie bereisen.“

Das viel beworbene Partnerland der ITB hält einen traurigen Rekord: Mit 250 bis 300 IS-Kämpfer im Irak und in Syrien bei nur 350 000.Einwohnern stellen die Malediven im Verhältnis zur Bevölkerung die höchste Anzahl an IS-Kämpfern weltweit. Die Regierung lasse das einfach geschehen, ohne zu kontrollieren, wer das Land verlässt und wieder zurückkommt, so Naseem. In der Hauptstadt Malé werden IS-Flaggen offen zur Schau gestellt.

Naseem betonte, dass es jetzt darum geht auf EU-Ebene gezielte Sanktionen gegen einzelne Regierungsmitglieder, wie bespielweise Reiseverbote voranzubringen. Er forderte Deutschland auf, mit seinen europäischen Partnern so viel Druck wie möglich auf die Regierung von Präsident Abdulla Yameen aufzubauen, die Lage der Menschen zu verbessern und den Weg zurück zur Demokratie möglich zu machen. Omid Nouripour forderte kritische Stellungnahmen und eine ehrliche Auseinandersetzung mit der politischen Lage der Malediven. Die ITB dürfe nicht nur eine heile Welt am Strand darstellen, während die Grundrechte der Bürgerinnen und Bürger mit Füßen getreten werden.

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