Finanzieller Verbraucherschutz Upgrade notwendig?

Screenshots verschiedener Vergleichsportale für Finanzen
Vergleichsportale für Finanzen - mehr Transparenz und Übersichtlichkeit wäre wünschenswert

Was sind die zentralen Entwicklungen und Herausforderungen von Finanzdienstleistungen im Netz? Darüber diskutierten am 22. Februar Nicole Maisch, Sprecherin für Verbraucherpolitik, und Gerhard Schick, Sprecher für Finanzpolitik, mit Fachleuten im Fachgespräch „Upgrade notwendig? Finanzieller Verbraucherschutz in einer digitalisierten Welt“.

Den Einführungsvortrag hielt Prof. Dr. Andreas Oehler, Finanz- und Verbraucherschutzexperte der Universität Bamberg und Mitglied im Sachverständigenrat für Verbraucherfragen. Er machte deutlich, dass das Netz per se weder gut noch schlecht sei und es deshalb umso mehr auf die richtige Ausgestaltung ankäme. Positiv sah er, dass Informationen und Beratung im Netz auf die persönliche Situation jedes Einzelnen zugeschnitten werden könnten. Das mache es für die Verbraucherinnen und Verbraucher interessant, die für sie passenden Finanzprodukte selbst zu finden. Der Nachteil: Im Netz übernehmen Verbraucherinnen und Verbraucher häufig Aufgaben, die früher ein Dienstleister für sie erledigt hat. Dadurch verschiebt sich aber auch das Risiko, Geld falsch anzulegen, auf sie, so Oehler. Ungenutztes Potenzial sieht er beim Vergleich von Finanz- und Versicherungsprodukten. Ein einfacher Vergleich einer Lebensversicherung mit einem Indexfonds ist auch im Netz bisher nicht möglich, obwohl solche Vergleiche für Verbraucherinnen und Verbraucher hilfreich wären und technisch machbar. Defizite gibt es so Oehler auch bei der ökonomischen Bewertung von Daten. Verbraucherinnen und Verbraucher können den Wert ihrer persönlichen Daten nicht ausreichend bemessen. Er schlug daher ein „Preisschild“ vor, das deutlich macht, wofür die Daten genutzt werden und wie viel sie wert sind.

Anschließend diskutierten Prof. Dr. Andreas Oehler, Stephan Kühnlenz (Stiftung Warentest), Thomas Bieler (ING-DiBa) und David Zahn (versorgungskampagne.de) gemeinsam mit den Abgeordneten, in welchen Bereichen der finanzielle Verbraucherschutz dringend ein Upgrade braucht.

Mehr Transparenz bei Vergleichsportalen nötig

Handlungsbedarf sahen alle Experten bei den Vergleichsportalen, die für viele bei der Wahl eines Anbieters ausschlaggebend sind. Das Netz bietet hier große Chancen für mehr Transparenz und Übersichtlichkeit, die bisher jedoch nicht ausreichend genutzt werden. Vergleichsportale, da waren sich alle einig, mangelt es häufig an Transparenz. Ihre Ergebnisse sind zu oft interessengeleitet. Prof. Dr. Oehler forderte hier eine glasklare Normierung und Standardisierung, welche und wie Informationen bereitzustellen sind. Auch Stephan Kühnlenz bestätigte: Der Verbraucher muss wissen, wer hinter einem Portal steckt und wie ein Portal sein Geld verdient.

Am Beispiel des Vergleichsportals Vorsorgekampagne, das provisionsfreie Altersvorsorgeprodukte anbietet, erklärte Gründer David Zahn ein weiteres, großes Potenzial des Internets: Digitale Angebote könnten wesentlich preisgünstiger sein als solche, die auf herkömmlichen Vertriebswegen angeboten werden. Doch viele Anbieter von Versicherungsprodukten sperren sich gegen solche Alternativen. Das Provisionsgeschäft ist schlicht zu lukrativ. Entsprechend sind verborgene Provisionen und undurchsichtige Preismodelle auch im Internet ein Problem.

Die grüne Bundestagsfraktion wird die Vorschläge aus dem Fachgespräch aufgreifen. Denn der Schutz der Verbraucherinnen und Verbraucher muss mit den Entwicklungen der digitalen Welt Schritt halten.

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