Arbeitsmarktpolitik für Flüchtlinge Integration und Förderung von Anfang an

Juba Medane aus Algerien lernt am 24.11.2015 in Köln (Nordrhein-Westfalen) im Bildungszentrum Butzweilerhof das Maurerhandwerk.
Juba Medane aus Algerien lernt am 24.11.2015 in Köln (Nordrhein-Westfalen) im Bildungszentrum Butzweilerhof das Maurerhandwerk.

Viele Geflüchtete bleiben viel zu lange nach ihrer Ankunft ohne Beschäftigung. Nur Menschen aus Syrien, dem Irak, dem Iran und Eritrea können schon während des Asylverfahrens an Sprachkursen und arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen teilnehmen. Alle anderen bleiben ohne Förderung, egal wie qualifiziert und motiviert sie sind und obwohl auch viele von ihnen bei uns bleiben werden. Oft dürfen sie nicht einmal den Alltag in ihren Unterkünften mitgestalten und organisieren. Die Folge sind bei nicht wenigen Frust, Spannungen und Demotivation.

Dieses von der Bundesregierung selbst verursachte Problem beklagt auch Arbeitsministerin Andrea Nahles und forderte 100.000 zusätzliche Ein-Euro-Jobs für Flüchtlinge ab 2017. An der akuten Misere ändert das aber gar nichts. Asylbewerberinnen, die schon jetzt in den Unterkünften herumsitzen müssen, bleibt der Zugang zu Beschäftigung und Förderung versperrt.

Integration heißt Zugänge zum Arbeitsmarkt öffnen

Außerdem setzt Frau Nahles mit den zwangsläufig arbeitsmarktfernen Ein-Euro-Jobs auf das falsche Instrument. Wer die Integration von Flüchtlingen voranbringen will, muss von Anfang an Zugänge zum Arbeitsmarkt eröffnen, Arbeitssuchende unterstützen und sie so schnell wie möglich in den Kontakt mit Unternehmen bringen.

Deshalb wollen wir Grünen im Bundestag unverzüglich 100.000 Plätze in einer flexiblen und betriebsnahen Einstiegsqualifizierung schaffen. Die Einstiegsqualifizierung kann je nach Bedarf mit Sprachkursen, sozialpädagogischer Betreuung, Beratungs- und Qualifizierungsangeboten kombiniert werden. Wenn Zeugnisse und Nachweise fehlen, können auch berufspraktische Kompetenzen festgestellt werden. Durch dieses Baukastensystem ohne starre Altersgrenzen kann jeder Geflüchtete passgenau auf dem Weg in Arbeit oder Ausbildung unterstützt werden.

Bürokratische Hürden beseitigen

Flüchtlingen muss so schnell wie möglich der Weg in die Unternehmen offenstehen. Dort lernen sie den deutschen Arbeitsalltag, Gepflogenheiten und Berufe kennen und können Kontakte zu potenziellen Arbeitgebern knüpfen sowie Kolleginnen und Kollegen kennenlernen. Asylsuchende – egal aus welchem Land - dürfen nicht länger von frühzeitigen Hilfsangeboten ausgeschlossen werden. Rechtliche Hürden und Beschränkungen des Arbeitsmarkzugangs wollen wir konsequent streichen.

Dafür muss die bürokratische Vorrangprüfung komplett abgeschafft werden und das Arbeitsverbot während der ersten drei Monate des Asylverfahrens entfallen. Damit eine Berufsausbildung nicht länger an einer unsicheren Bleibeperspektive scheitert, müssen alle Asylsuchenden und Geduldeten von Beginn an eine Aufenthaltserlaubnis für die gesamte Dauer der Ausbildung und anschließender Beschäftigung erhalten.

Außerdem sollen Flüchtlinge die Chance bekommen, ihre Situation in den Unterkünften aktiv mitzugestalten und ihre Fähigkeiten in die Gemeinschaft einzubringen. Viele Asylbewerber haben Qualifikationen etwa als Elektriker, Köche oder Maurer, die in den Unterkünften genutzt werden können. Aber auch für alle anderen gibt es durchaus geeignete Aufgaben.

Antrag: Arbeitsmarktpolitik für Flüchtlinge – Praxisnahe Förderung von Anfang an

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2 Kommentare
an die Redaktion
h.g. 17.03.2016

Meine unlängst gestellte Frage, warum im Sachverzeichnis dieser HP, zwar richtigerweise der
Rechtextremismus ein Thema ist, nicht aber Linksextremismus, sowie Islamismus/Salafismus.
Statt einer fundierten Antwort, nur ein dürftiges Statement, welches sich nur auf den Rechtsextremismus bezog, nicht aber die vorgenannte Extremismus Varianten. Trotz wiederholter Fragestellung, keinen Redaktionsbeitrag, den man als Antwort bezeichnen könnte. Statt dessen wurde zum bewährten Mittel der Zensur gegriffen und kurzerhand die relevanten Seiten entfernt.
Wie war das noch mit: “Wir sind die Mitmachpartei?“ Ich schlage als alternative Namensgebung:“Wir sind das Streichorchester“, vor.

an die Redaktion.
h.g. 23.03.2016

Anlässlich der schrecklichen Ereignisse von Brüssel, Paris und anderswo, frage ich mich, warum der Islamismus immer noch kein Thema im Sachverzeichnis dieser HP ist. Dass der, zweifelsfrei zu verurteilende Rechtsextremismus, aktuell gefährlicher als der islamistische Terror sein soll, so wie Ihr es mir jüngst weismachen wolltet, ist geradezu lächerlich. Der, radikale, sowie auch politische Islam ist eine Gefährdung für den Weltfrieden. Wer immerzu von Weltoffenheit, bunt und Toleranz redet, aber die konkrete Gefährdung, zu Gunsten der eigenen Ideologie, zu relativieren versucht, macht sich schuldig am Untergang unserer Demokratie. Wer beantwortet nun meine Frage?

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