Weltverbrauchertag 2016 Symposium „Nachhaltiger Konsum"

Immer mehr Verbraucher wollen ökologische und faire Produkte. Sie möchten wissen, was in ihrem Essen drin ist, wie ihre Kleidung produziert wurde und wie sie im Alltag ohne großen Aufwand verantwortungsvoll konsumieren können. Nach wie vor gibt es aber große Barrieren für einen nachhaltigen Konsum im Alltag.

Beim Symposium „Nachhaltiger Konsum – Für bessere Standards und leichte Entscheidungen“ am 11. März 2016 diskutierten Nicole Maisch, Sprecherin für Verbraucherpolitik und Renate Künast, Vorsitzende des Ausschusses für Recht und Verbraucherschutz, mit Expertinnen und Experten und einem großen Publikum, wie nachhaltiger Konsum im Alltag einfacher werden kann.

Nach der Eröffnungs- und Begrüßungsrede vom Fraktionsvorsitzenden Anton Hofreiter gab Prof. Dr. Ulf Schrader von der Technischen Universität Berlin einen Überblick über die zentralen Stellschrauben zur Förderung nachhaltigen Konsums. So bräuchten die Verbraucherinnen in vielen Bereichen mehr nachhaltige Angebote. Gleichzeitig müssten aber auch die nicht-nachhaltigen Optionen eingeschränkt werden. Er betonte, dass die Klimaziele und die globalen Nachhaltigkeitsziele nur erreicht werden können, wenn die Preise ehrlicher sind und auch solche Kosten, beispielsweise für Umweltschäden, berücksichtigen, die bisher nicht in die Preisbildung mit einfließen.

Die Vielfalt der Maßnahmen und Instrumente zur Förderung nachhaltigen Konsums wurde auch im ersten Panel mit Renate Künast, Cornelia Heydenreich von Germanwatch und Stefan Genth vom Handelsverband Deutschland weiter vertieft. Die Umsetzung der europäischen Corporate Social Responsibility-Richtlinie, nach der große Unternehmen in Zukunft über die ökologischen und sozialen Aspekte ihrer Produktion berichten müssen, wurde von Cornelia Heydenreich als ein Schritt in die richtige Richtung genannt. Außerdem sprachen sich alle Diskutanten dafür aus, aussagekräftige und glaubwürdige Label zu stärken. Besonders leidenschaftlich wurde die Diskussion beim Thema freiwilliges Engagement von Unternehmen. Während Stefan Genth das Textilbündnis, den freiwilligen Zusammenschluss deutscher Textilunternehmen für Verbesserungen in der Lieferkette, lobte, machte Renate Künast deutlich, dass ihr die Erfolge des Bündnisses sowie die CSR-Richtlinie längst nicht weit genug gingen. Sie forderte Offenlegungs- und Sorgfaltspflichten entlang der gesamten Produktions- und Lieferkette der Unternehmen für den EU-Binnenmarkt.

Im zweiten Panel diskutierte Nicole Maisch die Chancen und Risiken des Sharings zusammen mit Günes Seyfarth von der Internetplattform mamikreisel.de, Dr. Gerd Scholl vom Institut für ökologische Wirtschaftsförderung und Frank Bowinkelmann von der Initiative foodsharing. Gerd Scholl betonte, dass Verbraucherinnen und Verbraucher vor allem aus pragmatischen und weniger aus ökologischen Gründen Kleidung gebraucht kaufen oder ihre Wohnung vermieten. Nicole Maisch machte deutlich, dass diese neuen Initiativen und Geschäftsmodelle weder einen Freifahrtschein zur Aushöhlung von Verbraucher-, Datenschutz- und Arbeitnehmerrechten bekommen noch „tot reguliert“ werden dürften. Beim Foodsharing waren sich Frank Bowinkelmann und Nicole Maisch einig, dass es im Idealfall überflüssig würde, wenn es die notwendigen systemischen Änderungen in der Lebensmittelproduktion und -verschwendung gebe, für die sich die Grünen im Bundestag einsetzen.

Was sind nun die Aufgaben für die Politik? Darum ging es im Abschlusspodium mit Nicole Maisch, Renate Künast, Dr. Johannes Merck von der Otto Group und Klaus Müller vom Verbraucherzentrale Bundesverband. Klaus Müller betonte, für die Verbraucherinnen und Verbraucher müsse es leicht sein, nachhaltige Produkte zu kaufen. Dafür sei es nötig, die Produkte raus aus der Nische und in den Massenmarkt zu bekommen. Dr. Johannes Merck ergänzte, dass horizontale Bündnisse wie das Textilbündnis helfen könnten, die gesamte Branche und nicht nur Pioniere zu mehr Nachhaltigkeit in der gesamten Kette zu bewegen. Als wichtige generelle Maßnahmen wurde die Weiterentwicklung der ökologischen Steuerreform genannt, bessere Verbraucherinformation sowie der Ausbau von Transparenz- und Sorgfaltspflichten in der Lieferkette. Aber auch konkrete Vorschläge beispielsweise gegen den frühzeitigen und geplanten Verschleiß von Waschmaschinen oder Handys wurden diskutiert. Hier könnten die Einführung einer Haltbarkeitskennzeichnung und ein besseres Gewährleistungsrecht helfen.

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