AbgasskandalAuch BMW hat offenbar Abgaswerte manipuliert

Das Logo des Autokonzerns BMW. Die drei Buchstaben B M W und darunter ein blau-weißer Kreis.
Nach Volkswagen und Daimler deutet nun eine Untersuchung der Deutschen Umwelthilfe (DUH) und des ZDF darauf hin, dass auch der bayerische Automobilhersteller BMW Abschalteinrichtungen in seinen Dieselautos verbaut hat.

Nach Volkswagen und Daimler deutet nun eine Untersuchung der Deutschen Umwelthilfe (DUH) und des ZDF darauf hin, dass auch der bayerische Automobilhersteller BMW Abschalteinrichtungen in seinen Dieselautos verbaut hat. Auch der dritte große Automobilkonzern manipuliert offenbar auf dem Rollenprüfstand und unter offiziellen Testbedingungen die Abgaswerte seiner Fahrzeuge, was konzernseitig jahrelang bestritten wurde.

DUH und ZDF haben den BMW Touring 320 Diesel überprüft, der pikanterweise erst 2016 – und damit Monate nach Bekanntwerden des Dieselskandals – erstmals als Neuwagen zugelassen wurde. Bei den Messungen lagen die Emissionen von Stickoxiden auf der Straße bis zu sieben Mal so hoch wie im Labor gemäß dem Neuen Europäischen Fahrzyklus (NEFZ). Das liegt laut DUH an der Motorsteuerung: Die Software reduziert die Abgasrückführung bereits ab einer Drehzahl von 2000 Umdrehungen pro Minute und schaltet sie offenbar ab 3500 Umdrehungen komplett ab. Entsprechend gehen die NOx-Werte steil nach oben. Eine generelle Aktivierung von Abschalteinrichtungen ist nach den Bestimmungen der entsprechenden EU-Verordnung eindeutig unzulässig.

Dirty Diesel verschmutzen die Städte

Auch „deutsche Ingenieurskunst“ ist in hohem Maße mit dafür verantwortlich, dass in zahlreichen deutschen und europäischen Städten die zulässigen Grenzwerte für Stickoxide gerissen werden. Die Freude am Fahren vergeht, wenn sie vor allem schmutzige Luft hinterlässt und Jahr für Jahr über 10.000 Menschen an ihren Auswirkungen früher sterben müssen. In zahlreichen Städten drohen pauschale Fahrverbote für Dieselautos, wenn diese Fahrzeuge nicht sauber werden.

Bundesregierung muss endlich auf Touren kommen

Die Untersuchungen von DUH und ZDF werfen zum wiederholten Male ein zweifelhaftes Licht auf die Bundesregierung. Was hat die von Ex-Verkehrsminister Alexander Dobrindt bestellte Untersuchungskommission eigentlich geprüft und welche Kriterien hat sie angelegt, um illegale Abschalteinrichtungen zu identifizieren? Bis heute weigert sich die Automobilindustrie mit Unterstützung von Kanzlerin Merkel und Außenminister Gabriel, die Hersteller zu einem technischen Nachrüstprogramm zu verpflichten und Autobesitzer zu entschädigen. Gesetzliche Bestimmungen zum Gesundheitsschutz werden faktisch seit Jahren umgangen, als handelte es sich lediglich um freundliche Empfehlungen. Die Bemühungen der Kanzlerin, nun mithilfe von Sonderprogrammen für neue Busse und Taxis die Stickoxidbelastungen einzudämmen, sind zum Scheitern verurteilt, solange Daimler, BMW und Co. bis heute Euro-6-Dreckschleudern auf den Markt werfen. Der Skandal hält an – und nimmt absehbar kein Ende.

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