SchwerpunktthemaAgrarwende - Warum wir sie brauchen

Seite 2: Darf gutes Essen vom Geldbeutel abhängen?

Viele Menschen sehen sich als Verbraucherinnen und Verbraucher mit dem Rücken zur Wand. Zum Beispiel bei antibiotikaresistenten Keimen im Essen. Was sind die grünen Forderungen dazu?

Ostendorff: Wer die Wirksamkeit von Antibiotika dadurch gefährdet, dass er sie zur Ertragssteigerung in der Massentierhaltung missbraucht, handelt in höchstem Maße unverantwortlich. Diese Leute bedrohen Gesundheit und Leben von Menschen. Mir fehlt jedes Verständnis dafür, dass Bauernverband und Union sich weiterhin hinter diese Methoden stellen und Kritiker und Journalisten beschimpfen.

Der Antibiotika-Missbrauch in der Massentierhaltung muss umgehend gestoppt werden. Daneben haben wir Maßnahmen gegen den Ausbau von Tierfabriken vorgelegt, etwa über Änderungen im Baurecht und bei der Investitionsförderung. Das alles liegt fertig auf dem Tisch. Die Regierung müsste es nur umsetzen.

Darf gutes Essen vom Geldbeutel abhängen?

Hofreiter: Nein. Gutes Essen muss für alle möglich sein, egal wie viel man verdient. Minister Gabriel hat kürzlich in einem Interview gesagt, er kaufe für seine Familie kein Fleisch aus Massentierhaltung. Doch seine SPD unternimmt rein gar nichts gegen die zunehmende Industrialisierung der Tierhaltung. Ich finde das arrogant. Er kann sich ja problemlos eine Bio-Gans leisten.

Ich bin davon überzeugt, dass wer Fleisch mag, gerne anständiges Fleisch isst. Und ich glaube auch, dass sie den Landwirt, der diese Tiere aufzieht, vernünftig dafür entlohnen wollen. Doch zurzeit findet ein unsäglicher Preiskampf auf dem Rücken der Bäuerinnen und Bauern statt. Das kann nicht sein.

Wie schaffen wir es, dass gute Ernährung in Deutschland schon in der Kita beginnt?

Maisch: Das unsinnige Kooperationsverbot im Bildungsbereich macht es dem Bund nicht leicht, direkt in Schulverpflegung zu investieren, aber mit etwas Phantasie geht es trotzdem. Bei den Unmengen an Subventionen, die aus unterschiedlichen Töpfen in den Agrarsektor fließen, muss ein gesundes, bezahlbares Essen für jedes Kindergarten- und Schulkind drin sein.

Wir wollen einen Förderschwerpunkt Schulverpflegung in dem Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums und der Gemeinschaftsaufgabe Agrar- und Küstenschutz (GAK) verankern. Ziel ist es, die Entwicklung regionaler Verarbeitungs-, Vermarktungs- und Belieferungsstrukturen voranzubringen.

Ganz wichtig ist auch, die Schulvernetzungsstellen weiter zu finanzieren und die Schulen und Kommunen beim Aufbau der Gemeinschaftsverpflegung zu beraten.

Es heißt: Wer nicht genießt, wird ungenießbar. Wie halten Sie es persönlich damit – Sekt oder Selters?

Hofreiter: Wie man sieht, bin ich Genussmensch. Ich mache liebend gern Pralinen selber. Und wenn ich am Wochenende Zeit habe, koche ich mit meiner Freundin zusammen, zum Beispiel einen besonderen Braten mit selbstgemachten Serviettenknödeln.

Maisch: Bei uns zu Hause bin ich fürs Essen verantwortlich und das mache ich gerne. Zeit für Schnickschnack und komplizierte Gerichte habe ich mit zwei Kindern natürlich nicht, aber ich bin eine Meisterin im „Verstecken“ von Gemüse. Das kommt bei mir sogar in den Geburtstagskuchen.

Ostendorff: Was soll ich als Bauer aus Westfalen sagen? Ich liebe nun einmal unsere Kartoffeln. Ich habe ja sogar mal ein Kartoffel-Kochbuch geschrieben. Das war noch zu Zeiten, als man so was im Eigenverlag machte. Das Buch kann man zwar nicht mehr kaufen, aber es steht auf meiner Homepage und da sind tolle Rezepte drin. Alles, was man dazu braucht, wächst und gedeiht bei uns auf dem Hof. Das ist das Schöne am Bauersein.

Erschienen in: profil:GRÜN, Ausgabe März 2015

Mehr zum Thema Agrar

Dieser Artikel ist älter als zwei Monate, deshalb werden keine Kommentare mehr angenommen.

4394838