Biodiversität, NaturschutzAgrarwüste statt Artenvielfalt

Monokultur auf einem Feld

Ausgerechnet am Internationalen Tag der biologischen Vielfalt werden im Bundestag Entscheidungen über die Zukunft unserer Agrarlandschaft gefällt, die das Überleben vieler Arten massiv gefährden werden. Schon jetzt hinterlässt die industrielle Landwirtschaft großflächige Agrarwüsten, die durch die Abwesenheit von einer lebendigen Pflanzen- und Tierwelt geprägt sind. Die Entscheidung jetzt ist eine weitere verpasste Chance, endlich die Weichen für eine zukunftsfähige und blühende Agrarlandschaft zu stellen, die wir dringend brauchen.

Bundesregierung torpediert Ökologisierung der Landwirtschaft

Zur Abstimmung im Bundestag stand der Gesetzentwurf zur nationalen Umsetzung der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) 2014-2020, das sogenannte Direktzahlungsdurchführungsgesetz. Noch vor den Verhandlungen zur GAP auf EU-Ebene gab es einen breiten Konsens, die europäische Agrarpolitik weg zu führen vom Gießkannenprinzip, hin zu einer Ökologisierung und Förderung von Umweltleistungen. Öffentliche Gelder sollten auch nur für öffentliche Leistungen zur Verfügung stehen. Trotz erheblicher Widerstände gegen diese Neuausrichtung war es auf EU-Ebene gelungen, einige Weichenstellungen für die Bindung dieser Zahlungen an übergesetzliche Umweltstandards (Greening) auf den Weg zu bringen. Die Bundesregierung hatte es aber geschafft, diese gute Idee in den Verhandlungen zu verwässern. Den Todesstoß versetzt sie ihr nun mit dem Umsetzungsgesetz, das jetzt im Bundestag verabschiedet wird. Die damit beschlossenen Greening-Maßnahmen werden keine wirksamen Anreize für die notwendige Verstärkung und Verbesserung der Umweltleistungen der landwirtschaftlichen Betriebe setzen. Mit den vorgelegten Regelungen zur Ausgestaltung der ökologischen Vorrangflächen und des Grünlandumbruchs wird die Zielsetzung des Greenings, mehr Biodiversität in der Agrarlandschaft zu erreichen, komplett konterkariert. Das Greening wird damit zum reinen Greenwashing und die Artenvielfalt kommt unter die Räder.

„Ökologische Vorrangflächen“? Fehlanzeige!

So ist zum Beispiel die Anwendungsmöglichkeit von Pflanzenschutzmitteln in Leguminosen auf ökologischen Vorrangflächen erlaubt. Damit wird das schlimmste Szenario möglich: der Anbau von Gen-Soja auf ökologischen Vorrangflächen, die mit Totalherbiziden wie „Round-up“ von Monsanto von jedem kleinsten grünen Beikrautpflänzchen freigehalten werden. Da noch von „ökologischen Vorrangflächen“ zu reden ist blanker Hohn.

Auch das Dauergrünland, also Wiesen und Weiden, können außerhalb von FFH-Gebieten (geschützte Gebiete nach der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie der EU) weiterhin in Ackerland umgebrochen werden - selbst Grünland in Gebieten, die nach der EU-Vogelschutzrichtlinie ausgewiesen sind. Das widerspricht sowohl dem Klimaschutz als auch Natur- und Umweltschutz, Hochwasserschutz und auch der tiergerechten Haltung der Milchkühe (Weidehaltung). Das EU-Recht hätte dagegen Regelungen ermöglicht, die den Erhalt der Direktzahlungen daran binden, dass der Anteil an Dauergrünland nicht weiter abnimmt und Wiesen und Weiden erhalten bleiben. Um einen dauerhaft günstigen Erhaltungszustand der FFH-Lebensraumtypen sowie der Tier- und Pflanzenarten zu erreichen, ist ein strikter Grünlandschutz wichtig. Der Bericht zur Lage der Natur, der erst kürzlich vom Bundesumweltministerium veröffentlicht wurde, zeigte eindringlich, wie schlecht es um das Grünland steht. Anstatt es nun angemessen durch ein Umbruchverbot zu schützen, werden dort bald Maisäcker entstehen dürfen.

Ein wirklich trauriger Internationaler Tag der biologischen Vielfalt.

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1 Kommentar
Biologische Vielfalt
Fischer 30.05.2014

Ich binin jeden Fallfür Biologische Vielfalt,denn das habe ich als Gärtner auch in der DDR gelernt. Monokulturen führen nur zu einem größeren Einsatz der Chemikalien und die Schädlinge gewöhnen sich an sie.
Deshalb kann ich es auch nicht verstehen wenn im Biosphärenreservat Mittlere Elbe private Waldbesitzer einfach Pappeln abholzen und Monokulturen haben.

U. Fischer

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