Fachgespräch: Tiergerechtere HaltungAußenklimaställe in der Genehmigungsfalle

Links Schweine mit Ringelschwanz in artgerechter Haltung. Rechts kupierte Schwänze im konventionellen Mastbetrieb.
Mit Stroh, Auslauf, Frischluft, genug Platz bleiben die Tiere gesünder. Viele Landwirte, die ihre Ställe tiergerecht umbauen und ihren Tieren damit Auslauf ermöglichen wollen, erhalten derzeit keine Genehmigung. Zwangsbelüftete Tierhaltungsanlagen werden hingegen meistens genehmigt. In einem Fachgespräch diskutierte die grüne Bundestagsfraktion mit ExpertInnen erste Lösungsansätze.

Seite 2: Neue Lösungen werden gesucht

Dass es anders geht, zeigte Landwirt Elmar Schulze Heil. Er stellte sein Bauvorhaben für einen Außenklimastall dar. Aus der konventionellen Schweinehaltung kommend, habe er sich aufgrund der gesellschaftlichen Debatte auf die Suche nach Alternativen gemacht. In seinem Zwei-Zonen-Klimastall mit freier Lüftung sind die Schweine den jahreszeitlichen Witterungsbedingungen ausgesetzt, würden aber nicht häufiger krank und gesunden schneller. Schulze Heil hob hervor, dass die Investitionen in einen Außenklimastall sich nicht von denen eines Warmstalls unterscheiden (beim Außenklimastall gleichen sich relativ niedrigere Anschaffungskosten und zusätzlicher Flächenbedarf aus). Gleiches gelte für die Rentabilität beider Haltungssysteme. Bezüglich der Emissionswirkung stellt er fest, dass die relevanten Lagertemperaturen der Gülle fünf Grad geringer sind als bei seinen Warmställen und dadurch die Emissionen reduziert würden.

Rudolf Wiedmann, Schweineexperte und Pig-Port-Erfinder, stellte sein Haltungssystem „Pig-Port 5“ vor. Bisherige Haltungssysteme sind seiner Meinung nach absolut unzureichend, da sie beispielsweise die Verhaltensweisen von Schweinen einschränken und zu viele Schadgase in den Ställen Tier und Mensch beeinträchtigen. Es müsse unbedingt aus Sicht des Tieres gedacht und geplant werden. Kontakt zur Außenwelt, Platz, viel Beschäftigungsmaterial wie zum Beispiel Stroh seien einige wichtige Faktoren, die ein Haltungssystem bereitstellen muss. Allerdings gibt es immer wieder Probleme bei der Genehmigung der Auslaufställe. Hauptsächlich geht es um Emissionen: Die Auslaufflächen seiner Pig-Ports würden in der Emissionsbemessung von den Behörden beispielsweise wie „offene Güllegruben“ behandelt. Mangels validierter Berechnungsmethoden und Emissionsfaktoren würden die Behörden diesen Weg wählen, um im Falle von Klagen auf der sicheren Seite zu sein.

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