GlyphosatBehörde schreibt bei Monsanto ab

Ein Trecker sprüht eine Flüssigkeit auf ein Stoppelfeld
Die verantwortliche deutsche Behörde hat von Monsanto abgeschrieben, als es um die gesundheitlichen Risiken von Glyphosat ging - und damit das letzte Vertrauen in die Glaubwürdigkeit und Unabhängigkeit ihrer Bewertung verspielt.

Die eigentlich für den Schutz der VerbraucherInnen verantwortliche deutsche Behörde Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hat seitenweise von Monsanto und den anderen Herstellern des Pestizidwirkstoffs Glyphosat abgeschrieben, als es um die gesundheitlichen Risiken ging - und damit das letzte Vertrauen in die Glaubwürdigkeit und Unabhängigkeit ihrer Bewertung verspielt. So kann es nicht mehr weitergehen mit der Glyphosat-Genehmigung. Die neuesten Erkenntnisse sollten die EU-Kommission endlich dazu bewegen, das Verfahren neu aufzurollen und die anstehende Wiedergenehmigung auf Eis zu legen.

Unabhängige Studien fast ausnahmslos als „irrelevant“ abgewertet

Ein Vergleich zwischen dem Text des Antragsdossiers, das die Glyphosate Task Force unter Leitung von Monsanto beim BfR eingereicht hat, und dem Text des BfR-Bewertungsberichts (Renewal Assessment Report, RAR) zeigt: Die Abwertung fast aller ohne Industriegelder erstellten, veröffentlichten Studien als nicht relevant oder nicht verlässlich wurde 1:1 von der Industrie übernommen. Dabei kommen viele dieser Studien zu dem Schluss, dass Anlass zur Besorgnis besteht und Glyphosat möglicherweise gar nicht so harmlos ist wie uns die Hersteller seit Jahren glauben lassen wollen.

Bundesministerium deckt Fehlverhalten

Seit 2015 haben grüne Abgeordnete die Bundesregierung bzw. das Landwirtschaftsministerium wiederholt gefragt, wer den toxikologischen Teil des Bewertungsberichts verfasst habe und welche Maßstäbe dabei herangezogen wurden. Die Antwort: Die Bewertung stamme „aus der Feder von Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des BfR“. Doch die Fakten sprechen eine andere Sprache. Wie ist es möglich, dass die Behörde scheinbar komplett mit den von der Glyphosate Task Force vorgeschlagenen Abwertungen der publizierten Studien übereinstimmte? Hätte es nicht wenigstens gelegentlich abweichende Sichtweisen bei den Behördenmitarbeitern geben müssen? Und hätten nicht der Präsident des BfR, Prof. Andreas Hensel, und Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt als sein Dienstherr entsprechenden Zweifeln an der Arbeit des BfR zu Glyphosat schon längst entschieden nachgehen müssen? Und warum stecken Union und SPD seit zwei Jahren den Kopf in den Sand?

Europäische Kommission muss die Notbremse ziehen

Ein Kontrollmechanismus hat jedenfalls versagt: Die Europäische Lebensmittelsicherheitsbehörde (EFSA) unter Beteiligung der EU-Mitgliedsstaaten hat die deutsche Bewertung blind übernommen. Jetzt ist es an der Europäischen Kommission, die Notbremse zu ziehen. Auf dieser Grundlage kann keine Wiedergenehmigung für zehn Jahre, wie sie bald zur Abstimmung kommen soll, beschlossen werden. Stattdessen muss das Bewertungsverfahren neu aufgerollt werden. Und die Parlamente in Berlin und Brüssel sollten ihre Kontrollfunktion ernst nehmen und darauf drängen, dass lückenlos aufgeklärt wird, wie es zu diesen und anderen Unstimmigkeiten bei der Glyphosatbewertung kommen konnte. Der vorsorgende Gesundheitsschutz muss Vorrang vor ökonomischen Interessen haben. Dafür steht der europäische Gesundheitskommissar Vytenis Andriukaitis in der Pflicht. Es ist allerdings noch erheblicher Druck auf die kommende Bundesregierung nötig, damt sie ihn dabei in Zukunft unterstützt, hat doch Kanzlerin Angela Merkel erst kürzlich ihre Unterstützung für Glyphosat erklärt.

Mehr zu unserem Kampf gegen Glyphosat: www.gruene-bundestag.de/glyphosat

 

 

Hier können Sie sich selbst ein Bild machen: Auszüge aus dem Glyphosat-Bewertungsbericht als PDF

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