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SchweinezuchtBetäubungslose Ferkelkastration muss enden

Schweine auf der Grünen Woche
20 Millionen männliche Ferkel werden jährlich in Deutschland betäubungslos kastriert. Unkastrierte Eber schmecken vielen Fleischessern nicht. Wir fordern, dass das Entfernen der Hoden mit weniger schmerzvollen Alternativen durchgeführt werden muss.

50 interessierte Menschen sind unserer Einladung gefolgt, in einem Fachgespräch mit externen ExpertInnen über das Thema "Betäubungslose Ferkelkastration – Wie wir den Ausstieg schaffen" zu diskutieren. Zu Beginn führte Friedrich Ostendorff, Sprecher für Agrarpolitik und seit einem halben Jahrhundert Bauer, in die Sachlage ein.

Ab dem 1.1.2019 soll es endlich soweit sein: Das millionenfache Leid, das männliche Ferkel durch die betäubungslose Kastration erleben müssen, soll endlich verboten werden. Doch jetzt  scheint es, dass sich die Große Koalition den Kräften beugt, die dies verhindern wollen. Eine Verschiebung der Frist und eine Änderung des Tierschutzgesetzes stehen zur Debatte. Bei der Abwägung von Interessen droht der Tierschutz einmal mehr der Wirtschaftlichkeit zu unterliegen.

Professor Dr. Jens Bülte (Universität Mannheim) diskutierte in seinem Vortrag die verfassungsrechtlichen Fragen, ob der Gesetzgeber die betäubungslose Kastration von Ferkeln verbieten darf oder sogar muss. Er schloss mit seinem Fazit, dass aus juristischer Einschätzung verfassungsrechtliche Gründe für die Unvermeidbarkeit der betäubungslosen Kastration nicht ersichtlich sind. Somit sei die von der Großen Koalition geplante Fristverschiebung verfassungswidrig.

Alternativen zur betäubungslosen  Ferkelkastration

Professor Dr. Karl-Heinz Waldmann (Tierärztliche Hochschule Hannover und Bundestierärztekammer) nahm mit seiner Expertise als Tierarzt die veterinärmedizinische Bewertung der Alternativverfahren zur Vermeidung der betäubungslosen Ferkelkastration vor. Aus seiner Sicht sei der Ebermast - mit oder ohne Impfung gegen den Ebergeruch mit Improvac® - der Vorzug zu geben. Studien, die eine fehlende Verbraucherakzeptanz nachweisen, seien ihm nicht bekannt. Im Falle einer Kastration sei es notwendig, die Schmerzausschaltung zu gewährleisten. Dies sei beim Einsatz von Isofluran gegeben, wobei noch Optimierungsbedarf hinsichtlich Anwendung und Dosierung bestünde. Eine Schmerzausschaltung bei der von Branchenakteuren geforderten Lokalanästhesie sei nicht nachgewiesen.

Fristverlängerung ist unvereinbar mit dem Staatsziel Tierschutz

Frau Dr. Stefanie Zimmermann vom Deutschen Tierschutzbund betonte in ihren Ausführungen, dass bereits 2008 ein baldmöglichster Ausstieg aus der Kastration angekündigt wurde. Und seit 2013 sei der Ausstieg zum Ende 2018 im Tierschutzgesetz festgelegt. Die mögliche Verlängerung der Ausnahmefrist stehe im Widerspruch zum Staatsziel Tierschutz und sei nicht akzeptabel. Frau Dr. Zimmermann betonte, dass für den flächendeckenden Ausstieg intensive Unterstützung von Handel, Vermarktung, landwirtschaftlichen Verbänden und Politik erforderlich sei.

Mehr Tierwohl steigert den Preis

Der Vorsitzende der Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands, Herr Dierkes, gab zu bedenken, dass bei einem Verbot der betäubungslosen Ferkelkastration der Import enorm ansteigen würde. Damit sei die Existenz vieler Betriebe gefährdet und ein Strukturwandel ungeahnten Ausmaßes stünde bevor. Er schloss mit der Mahnung, dass die Forderungen nach mehr Tierwohl auch ökonomisch in den Erzeugerpreisen abgebildet werden müssten.

Nach den vier Inputreferaten wurde die Diskussion für das Publikum geöffnet. Sowohl VerbraucherInnen als auch TierärztInnen und WissenschaftlerInnen kamen zu Wort und spiegelten die Gemengelage der öffentlichen Debatte wieder. Abschließend betonte Friedrich Ostendorff, dass trotz der Präferenz für die Ebermast ein geringer Teil der Ferkel weiterhin kastriert werden würde. Um praktikable und tierschutzgerechte Methoden in die Ställe zu bringen und somit den Erhalt der Betriebe zu sichern, sei energisches politisches Handeln notwendig. 

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