MilchBundesregierung lässt Milchbauern im Stich

Milchprodukte
Das Bundeskartellamt hat sich bereits eingeschaltet, denn es gibt eine kritische Milchmarktkonzentration. Die Ergebnisse unserer Studie erklären die strukturellen Probleme auf dem Milchmarkt.

Seit 2006 hat jeder dritte Milchviehbetrieb das Melken eingestellt. Dies führt zu immer weniger aber größeren Betrieben mit immer mehr Tieren und drastischen Folgen für Umwelt, Tiere und Menschen im ländlichen Raum. Der Milchmarkt ist von schweren Ungleichgewichten gekennzeichnet - mit fatalen Folgen für unsere Landwirtschaft.

Kartellrechtliche Bedenken zur Milchmarktkonzentration

Bereits 2012 hatte das Bundeskartellamt als Reaktion auf die Milchkrise von 2008/2009 die Konzentration auf dem Milchmarkt und das Ungleichgewicht zwischen Milchbauern und Molkereien kritisiert und schwere kartellrechtliche Bedenken geäußert.

Wegfall der Milchquote

Mit der Milchquote ist 2015 ein zentrales Steuerungsinstrument weggefallen. Die Milchbauern sind nun dem bedingungslosen Markt und der Übermacht der Molkereiunternehmen ausgeliefert. Für eine Regulierung von Angebot und Nachfrage in Krisenzeiten fehlen ein ordnungsrechtlicher Rahmen und passende Instrumente. In der Folge der letzten Milchkrise von 2015/2016 mussten deshalb 7295 Milchbetriebe aufgeben.

Kartellamt gegen große Molkereien

Das Bundeskartellamt führt derzeit ein Musterverfahren gegen die größte Molkerei in Deutschland Deutsches Milchkontor eG (DMK) und fordert im Sachstandsbericht (März 2017) die Neugestaltung der Lieferbeziehungen und kurze Kündigungsfristen für Produzenten, eine Lockerung der Kopplung von Lieferbeziehung und Genossenschaftsmitgliedschaft und eine Festlegung der Preise vor Lieferung und die Vereinbarung fester Liefermengen.

Studie zu Problemen auf dem Milchmarkt

Die von uns in Auftrag gegebene Studie analysiert die strukturellen Probleme auf dem Milchmarkt und die von der Bundesregierung im Milchbericht 2017 vorgeschlagenen Maßnahmen und untersucht:

  • das Marktgeschehen in der vergangenen Erzeuger-Preis-Krise
  • Möglichkeiten einer verbesserten Wertschöpfung als Krisenvorsorge und zur Preisstabilisierung
  • Gestaltung der Lieferbeziehungen und Vertragsgestaltung zwischen Erzeugern und Verarbeitern
  • die Möglichkeit der Einrichtung einer Branchenorganisation mit dem Ziel der Stärkung der Erzeuger auf dem Markt und in der Wertschöpfungskette

Studien-Ergebnisse

  • Die fehlende Mengenanpassung sorgte für eine Billig-Produktschwemme. Der Export von Billig-Produkten führte zu einem Verdrängungswettbewerb und zum Abfall der Milchpreise.
  • Die von der Bundesregierung empfohlene Exportförderung ist nicht zielführend sondern verstärkt das Preisdilemma auf den Milchmärkten.
  • Die von der Bundesregierung präferierte Brancheninitiative führt nicht zu einer Stärkung der Milcherzeuger.

Grüne Forderungen:

  • Stärkung der Erzeuger durch eine Entkoppelung der Lieferbedingungen von der Mitgliedschaft in Genossenschaftsmolkereien, Abschaffung der nachträglichen Preisfestsetzung und des Referenzpreismodells
  • Eine Branchenorganisation muss Milcherzeuger repräsentieren und stärken nicht die Molkereien
  • Einführung eines wirklichen Krisenmanagementmechanismus und einer Mengenregulierung bei Marktkrisen auf europäische Ebene.
  • Abkehr von der Exportausrichtung und Ausrichtung auf Qualitätsproduktion durch Förderung von artgerechter Weidehaltung und mehr Regionalität.

Mehr zum Thema Agrar

Kommentieren

max. 700 Zeichen

4404362