Antibiotika in der TierhaltungFahrlässige Praxis

Intensivtierhaltung von Schweinen auf kleinstem Raum

Die aktuelle Vergleichsstudie der Europäischen Arzneimittelagentur EMA (externer Link) macht deutlich: Im Umgang mit Antibiotika gibt es in Deutschland im Tierbereich noch viel zu tun. Deutschland ist Spitzenreiter beim absoluten Antibiotikaverbrauch in der Tierhaltung und heruntergerechnet auf die Tierpopulation in der Großverbrauchergruppe mit Zypern, Ungarn, Spanien und Italien. In der Behandlung von Tieren werden hierzulande knapp doppelt so viele Antibiotika eingesetzt wie in der Behandlung von Menschen.

Übermäßiger Antibiotikaeinsatz gefährdet unsere Gesundheit

Der übermäßige und ungezielte Einsatz von Antibiotika birgt große Gefahren, denn er fördert die Entwicklung von (multi-)resistenten Erregern. Diese müssen nach Meinung der Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) und der Weltgesundheitsorganisation (WHO) jedoch unbedingt eingedämmt werden. Denn je mehr (multi-)resistente Erreger entstehen, desto schwieriger wird es, die durch sie ausgelösten Infektionen zu behandeln. Immer mehr Behandlungsoptionen verschwinden. Jedes Jahr sterben in Europa mindestens 25.000 Menschen aufgrund von Antibiotikaresistenzen. Besonders sorgfältig muss mit den sogenannten Reserveantibiotika umgegangen werden, da sie in Krankenhäusern oftmals die letzte Möglichkeit darstellen, hartnäckige Infektionen zu bekämpfen. Doch der Verbrauch genau dieser Antibiotikagruppe stieg in Deutschland in den vergangenen Jahren massiv an: Die Abgabe von Fluorchinolonen und Cephalosporinen der dritten und vierten Generation steigerte sich um 50 beziehungsweise 15 Prozent von 2011 auf 2013.

Antibiotika verantwortungsvoll einsetzen

Dieses Problem wollen wir anpacken. In unserem Antrag Wirksamkeit von Antibiotika erhalten - Einsatz in der Tierhaltung auf vernünftiges Maß reduzieren fordern wir die Bundesregierung auf, die Preisgestaltung bei Antibiotika vernünftiger zu gestalten. Im Moment bestehen durch ein Rabattierungssystem ökonomische Anreize für Tierärztinnen und Tierärzte, möglichst große Mengen dieser Medikamente zu verkaufen oder zu kaufen.

Wir wollen, dass die Tierärztinnen und Tierärzte für ihr medizinisches Wissen bezahlt werden, und nicht für das Ausfüllen von Abgabebelegen. Den Einsatz von besonders wichtigen Antibiotika, die in der Humanmedizin oftmals zu den letzten Behandlungsmöglichkeiten zählen, möchten wir bei Tieren nur noch in klar erkennbaren Ausnahmefällen zulassen. Nur so können diese Notfallantibiotika ihre Wirkung weiter aufrechterhalten.

Dass Antibiotika in so einem enormen Umfang in der Tierhaltung eingesetzt wird, ist auch in der Art und Weise der Haltung begründet: Tiere, die nie mit Umweltreizen konfrontiert sind, die in hermetisch abgeriegelten Ställen völlig überzüchtet zu unnatürlichen Leistungen gedrängt werden und die in drangvoller Enge keine Möglichkeit haben, anderen Tieren auszuweichen, sind dauergestresst und zu keiner natürlichen Immunabwehr fähig. Daher müssen als grundlegende Voraussetzung die Haltungsbedingungen geändert werden. Artgerecht gehaltene Tiere brauchen nicht massenhaft Antibiotika, um das Schlachtalter überhaupt zu erreichen.

Der massenhafte Einsatz von Antibiotika ist ein gesellschaftliches Problem, daher müssen endlich alle Handlungsmöglichkeiten ausgeschöpft werden um den Einsatz zu reduzieren und resistente Keime einzudämmen.

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