AgrarwendeFleisch für die Welt? Wir haben es satt!

Der Protest gegen die Agrarpolitik der Bundesregierung wächst. 50 000 Menschen sind am 17. Januar in Berlin auf die Straße gegangen. Sie fordern eine Agrarwende und den Stopp von Tierfabriken, Gentechnik und TTIP.

Die grüne Bundestagsfraktion hat sich nicht nur mit vielen Abgeordneten am Demonstrationszug beteiligt, sondern im Anschluss unter der Frage „Fleisch für die Welt? Sackgasse Agrarexporte“ die Debatte weitergeführt.

Längst ist der Heißhunger auf Fleisch hierzulande rückläufig: In Deutschland essen die Bürgerinnen und Bürger heute weitaus weniger als noch vor einigen Jahren. Dennoch ist der Expansionskurs der Massentierhaltung ungebremst. Die Agrarindustrie und die Bundesregierung wollen mit billig produziertem Fleisch um jeden Preis neue Märkte erobern. Sie nehmen dafür unter anderem Tierleid, schockierende Arbeitsbedingungen in den Schlachthöfen und das Sterben der bäuerlichen Landwirtschaft in Kauf.

Fleischexporte: Wenige Gewinner, viele Verlierer

Dass die meisten Bauern und Bäuerinnen nicht zu den Gewinnern dieser Entwicklung gehören, haben Maria Heubuch MdEP, Johanna Böse-Hartje (Bund deutscher Milchviehhalter) und Michael Windfuhr (Deutsches Institut für Menschenrechte) unterstrichen. Sowohl beim Fleisch als auch bei der Milch stellt nicht zuletzt die Exportorientierung die Produzenten vor die Wahl, entweder zu wachsen oder zu weichen. Umso wichtiger ist eine Umverteilung der Agrarsubventionen, um eine kleinstrukturierte Landwirtschaft und unabhängige Bäuerinnen und Bauern zu unterstützen, so Maria Heubuch. Doch nicht nur hier ist ein politisches Umsteuern nötig und möglich. Wie Michael Windfuhr deutlich gemacht hat, hinterlässt der Import von Futtermitteln für unsere Fleischproduktion gravierende soziale und ökologische Spuren vor allem in Südamerika. In seinen Augen können Nachhaltigkeitsfaktoren in der Prüfkette für Importzulassungen ein Instrument sein, um die Situation für die Menschen vor Ort zu verbessern. Der Import von Futtermitteln verschärft aber auch die Konkurrenz um Anbauflächen in den Erzeugerländern und damit die Hungerproblematik.

Mit Gentechnik gegen den Hunger in der Welt?

Cornelia Füllkrug-Weitzel von Brot für die Welt kann sich der These nicht anschließen, dass Gentechnik für eine zukünftige weltweite Ernährung unentbehrlich ist. Die Partner ihrer Organisation setzen auf einen gänzlich anderen Ansatz. Durch angepasste umweltschonende Anbaumethoden, die Bewahrung der Saatgutvielfalt und die Durchsetzung von Landrechten helfen sie kleinbäuerlichen Familien einen sicheren Zugang zu gesunden Nahrungsmitteln zu erreichen. Ernährung muss vielfältig, gesund, bezahlbar und möglichst krisenfest sein. Die kleinbäuerliche Landwirtschaft kann dies im Gegensatz zur industriellen Landwirtschaft gewährleisten, bekräftigte die Expertin.

Harald Ebner, unser Sprecher für Gentechnik und Bioökonomie, weist darauf hin, dass Erträge in Westeuropa ohne Gentechnik in den letzten zwei Jahrzehnten stärker gewachsen sind als in den USA mit Gentechnik. Moderner Ökolandbau hat dagegen gerade in Entwicklungsländern großes Ertragssteigerungspotenzial bewiesen und kann auch in Industrieländern ähnliche Erträge wie die konventionelle Landwirtschaft erbringen, so Ebner. Er kritisiert, dass TTIP und CETA eine verbesserte Gentechnik-Kennzeichnung fast unmöglich machen. Auch generell bergen beide Freihandelsabkommen Gefahren für die weitgehende Gentechnikfreiheit Europas.

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