AgrarwendeFleisch für die Welt? Wir haben es satt!

Seite 2: TTIP: Türöffner für die Absenkung von Standards

Große Impulse für die Landwirtschaft in Deutschland durch TTIP und CETA erwarten weder Bärbel Höhn noch Landvolkpräsident Werner Hilse oder Dr. Willi Schulz-Greve von der EU-Kommission. Werner Hilse schätzt, dass am ehesten die Agrartechnik profitieren kann. Dabei betont er den Einsatz seines Verbandes für den Erhalt der europäischen Standards. Dass diese mit TTIP zu halten sind, bezweifelt allerdings Bärbel Höhn. „Wir öffnen Tür und Tor für Klagen gegen unsere Verbraucher- und Umweltstandards“, so ihre Analyse zu den in den Abkommen enthaltenen Schiedsgerichten.

Dass Abkommen ohne diese Gerichte vorstellbar sind, räumt Dr. Willi Schulz-Greve als Vertreter der Generaldirektion Landwirtschaft der EU-Kommission ein. Er hält jedoch fest, dass das Mandat anders erteilt worden ist und es eine politische Entscheidung wäre, dies zu ändern. Ein Ziel zeichnet Martin Häusling aus dem Europaparlament: ein faires Abkommen, ohne Schiedsgerichte und ohne eine regulatorische Zusammenarbeit, die die Setzung von Schutzstandards aus den Parlamenten in Hinterzimmer verlagert. Dies gelte es im nächsten Jahr gemeinsam mit der Zivilgesellschaft voran zu bringen.

Massentierhaltung: skandalös, würdelos und menschenverachtend

In der Massentierhaltung fehlen auch ohne TTIP wichtige Standards zum Schutz von ArbeiterInnen und Tieren. Trotz Einführung des Mindestlohns sind die Arbeitsbedingungen in der Fleischbrache weiterhin skandalös, berichtet Matthias Brümmer (Gewerkschaft Nahrung- Genuss- Gaststätten). Nach wie vor arbeiten die mehrheitlich aus osteuropäischen Ländern entsandten Beschäftigten unter menschenunwürdigen Bedingungen. Damit zukünftig gute Entlohnungs- und Arbeitsbedingungen in der Fleischbranche herrschen und die Beschäftigten respektvoll und wertschätzend behandelt werden, forderte Matthias Brümmer unter anderem umfassende Kontrollen.

Die Dokumentarfilmerin Jutta Pinzler („Nie wieder Fleisch“) verdeutlicht anhand einzelner Ausschnitte die Folgen der Massentierhaltung: Rinder in Frankreich, die bei der Schlachtung lebendig ausgenommen wurden, oder würdelose Zustände in deutschen Putenhaltungen.

Mehr zum Thema Agrar

Dieser Artikel ist älter als zwei Monate, deshalb werden keine Kommentare mehr angenommen.

4394316