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KrankheitserregerGeflügelfleisch stark verkeimt

Gefährliches Geflügel: Hauptquelle für Infektionen mit Campylobacter.

Mehr als die Hälfte von Frischfleisch-Geflügelfleischproben aus dem Lebensmitteleinzelhandel ist mit dem Durchfallerreger Campylobacter verunreinigt, bei Proben am Schlachthof sind es sogar drei von vier. Das ergab eine Antwort des Bundeslandwirtschaftministeriums auf eine von uns gestellte schriftliche Frage.

Bundesregierung hat Warnungen lange ignoriert

Bereits 2011 hat die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) vor einem Anstieg von Campylobacterinfektionen in der EU gewarnt und Vorschläge gemacht, wie die Gesundheitsrisiken für die BürgerInnen in der EU deutlich gesenkt werden können.

Trotz aller Warnungen hat die Bundesregierung das Thema ausgesessen: Sowohl die Verkeimungsraten bei Geflügelfleisch als auch die Infektionszahlen in der Bevölkerung stiegen seither stark an. Die Campylobacter-Funde auf Proben vom Schlachthof haben sich seit 2011 fast verdoppelt, der Anstieg bei Frischfleischproben aus dem Lebensmitteleinzelhandel betrug 20 Prozent.

Campylobacter ist der bakterielle Erreger Nr.1

Die Infektion mit dem Durchfallerreger Campylobacter ist mittlerweile die häufigste bakterielle meldepflichtige Krankheit in Deutschland. Es infizieren sich mehr Menschen mit Campylobacter als mit Salmonellen. Das Robert Koch-Institut (RKI) schätzt, dass sich jährlich hunderttausende Menschen mit der Krankheit infizieren. Hauptquelle für eine Infektion mit diesem Erreger ist laut Wissenschaftlern der Verzehr von Geflügelfleisch.

Die bestehenden rechtlichen Vorgaben reichen bei weitem nicht aus, um BürgerInnen vor diesem Gesundheitsrisiko zu schützen. Aktuell dürfen Schlachthöfe in der EU noch bis zu 40 Prozent stark verkeimtes Fleisch produzieren, bevor sie ihre Hygiene verbessern müssen, ab 2025 nur noch 20
Prozent.

Schlacht- und Agrar-Lobby muss sauberer werden

Statt ihre schützende Hand über die Schlacht- und Agrarlobby zu legen, muss die Bundesregierung für mehr Hygiene auf den Schlachthöfen sorgen. Dazu gehört, dass sich die Bundesregierung in Brüssel dafür einsetzt, dass die Grenzwerte für Keimbelastung deutlich nachgebessert und bestehende Grenzwerte eingehalten werden.

Nur so können wir die Gesundheit der Bürgerinnen und Bürger ausreichend schützen. Es ist höchste Zeit für eine Agrarpolitik, die nicht das Wohlergehen der Agrar-Lobby, sondern das Wohlergehen von Mensch und Tier ins Auge fasst.

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