InterviewGrüne Woche mit Anton Hofreiter

Für Anton Hofreiter bedeutet die Internationale Grüne Woche in Berlin ein Wochenende voller Termine. Am Samstag Demo, Agrarkonferenz und –empfang der Bundestagsfraktion, Sonntag Messebesuch. Start war am Freitagabend die Schnippeldisko. Dort zerkleinerte der Fraktionsvorsitzende Gemüse, aus dem anschließend eine Suppe für die „Wir haben es satt“ Demonstration am Samstag gekocht wurde.

Wie hat die Suppe geschmeckt?

Anton Hofreiter: Ich konnte die Suppe leider nicht probieren, weil ich gleich nach der Demo eine Konferenz zur Zukunft der Landwirtschaft eröffnet habe. Aber den Zutaten nach zu urteilen war sie wahrscheinlich richtig lecker. Es ist natürlich auch ein bisschen Gemeinschaftsgefühl dabei. Wenn man mit 50.000 Menschen für eine Agrarwende demonstriert, hat man das Gefühl, etwas bewegen zu können. Und die Suppe schmeckt dann noch besser.

Auf der Konferenz ging es um Agrarexporte – Fleisch für die Welt. Was ist daran falsch?

Immer mehr auf Exporte von Billigfleisch zu setzen, ist eine Sackgasse. Obwohl die Menschen hier in Deutschland weniger Fleisch essen als noch vor ein paar Jahren, werden immer mehr Massentierhaltungsanlagen aus dem Boden gestampft. Das ist schlimm für die Tiere, die Menschen stört es und die Bauern haben auch nichts davon. Von immer mehr Export profitiert nämlich vor allem die Agrarindustrie. Etwas, das mich persönlich besonders trifft, sind die menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen in vielen Mega-Schlachthöfen. Da werden Menschen systematisch ausgebeutet.

Am Sonntag warst du auf der Messe unter anderem auch in der Bauernhalle. Während Demo und Konferenz ein Heimspiel für dich waren, ist die Bauernhalle sicherlich eher so etwas wie ein Auswärtsspiel im Hexenkessel. Warum denken die Bauern, dass wir gegen sie sind?

Seit Jahren erleben wir, dass immer mehr Bauern aufgeben müssen. In den letzten 15 Jahren haben 40 Prozent der Bauern ihre Jobs verloren. Wir Grünen sind die einzige Partei, die diesen Trend umkehren will. Von der verfehlten Agrarpolitik der Union profitieren nur die größten Betriebe, während die kleinen auf der Strecke bleiben. Das ist ungerecht, das wollen wir ändern. An der Demo am Samstag nahmen auch sehr viele Bauern teil, die eine Agrarwende wollen.

Du warst auch in der Biotec-Halle. Hast du dort etwas Interessantes entdeckt?

Ja, es gibt immer auch Innovatives zu entdecken, zum Beispiel Häuserdämmung mit Strohballen. Ich habe einen Stand besucht, wo kompostierbare Plastiktüten präsentiert wurden. Es gibt viele kleine Unternehmen und Start-Ups, die mit neuen Innovationen für eine bessere Umwelt kämpfen. Besonders interessant fand ich ein Fahrrad aus Holz und Recyclingmaterialien.

In der Bayernhalle wurdest du von Alphornbläsern begrüßt. Wie stehst du zu deiner doch eher konservativen zünftigen Heimat?

Ich bin gerne in Bayern. Viele tolle grüne Unternehmen sind in Bayern zu Hause und eine ganze Menge Produkte aus Bayern sind vorbildlich: Bio-Bier, gutes Bäckerhandwerk und Biohöfe mit guten Produkten. Ich habe mir fürs Kochen zuhause einen besonderen Apfelessig gekauft. Aber gute Produkte gibt es natürlich nicht nur in Bayern, sondern überall in Deutschland. Diese Vielfalt wollen wir erhalten und fördern.

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