Internationale AgrarpolitikHunger auf Veränderung

Die grüne Bundestagsfraktion hat Hunger auf Veränderung. Nur mit einer anderen Landwirtschaft können wir unser Überleben und das unseres Planeten sichern. Mit uns wünschen sich viele Menschen eine Landwirtschaft, die mit der Natur arbeitet und nicht gegen sie. Die Wirklichkeit sieht anders aus: Vom gerodeten Regenwald für Gensoja bis hin zu Menschen, die wegen der Klimaerwärmung fliehen müssen.

Nur zusammen schaffen wir die Veränderung

Mit seiner Keynote sorgte Harald Lesch für den ersten Paukenschlag. Engagiert und eindringlich stellte er da, wie unsere Art zu wirtschaften unsere Lebensgrundlagen zerstört. „Karkassierung der Erde“ nannte Professor Lesch die Ausbeutung des Planeten bis auf die Knochen, und: „Wir sind der soziale Meteoriteneinschlag“. KlimaskeptikerInnen rief er auf, mit LandwirtInnen zu reden, die tagtäglich mit den Auswirkungen des Klimawandels konfrontiert seien. Aufgabe der Konferenz sei es, gemeinschaftlich zum Handeln zu kommen: „Wenn wir es nicht zusammen schaffen, schaffen wir es alle nicht“.

Trog statt Teller: Sojaanbau explodiert

Der Fraktionsvorsitzende Dr. Anton Hofreiter machte deutlich, dass es beim Thema nicht um Lifestyle geht. Es geht um grundlegende Fragen, welche Auswirkungen Agrarpolitik auf unseren Planeten hat. Wie bekommen wir die bald neun Milliarden Menschen satt ohne unsere Lebensgrundlagen zu zerstören? Anton Hofreiter hat seine eigenen Erfahrungen: 1990 war er das erste Mal in Mato Grosso in Brasilien. Der Bundestaat war damals noch weitgehend bewaldet. Das letzte Mal war er in Brasilien im Herbst 2015. Vom Wald war nicht mehr viel zu sehen. Die Gen-Soja als Futtermittel für die weltweite Fleischproduktion wird heute bis zum Horizont angebaut.

Mit fatalen Folgen für die Bevölkerung

Mit derselben Leidenschaft schilderten Inacio Werner, von der Comissão Pastoral da Terra in Brasilien, und Yvonne Takang, von der Association Citoyenne de Défense in Kamerun, die Lage in ihren Ländern. Wegen der weltweit steigenden Nachfrage nach Futtermitteln explodiere der Sojaanbau in Brasilien. Die Folgen für die indigene Bevölkerung sind fatal: Ihnen wird das Land weggenommen, sie werden bedroht, ihr Wasser ist durch den Einsatz von Pestiziden verschmutzt. Der Staat wird die Kleinbauern und –bäuerinnen nach Ansicht von Werner ebenso wenig schützen, wie er die Sklavenarbeit ahnden wird, die auf vielen Plantagen brutale Wirklichkeit ist.

Auch Takang verteidigt vehement die Rechte von Kleinbauern und –bäuerinnen in ihrem Land. Nachdem Kamerun seine Märkte geöffnet hatte, überschwemmten hochsubventionierte Hühnchenteile die Märkte und ruinierten die lokale Produktion, die mit den Preisen nicht mithalten konnte. 110 000 Arbeitsplätze gingen in wenigen Jahren verloren. Nachdem der Staat aber Konsequenzen zog und die Einfuhr europäischer Ware wieder beschränkte, erholte sich die Branche und zeigt seither, dass Kamerun sich gut selbst mit Hühnchen versorgen kann.

In der anschließenden Diskussion mit Anton Hofreiter, Harald Lesch, Inacio Werner und Hanna Gersmann als Moderatorin sprach sich Takang nicht generell gegen Subventionen für Bäuerinnen und Bauern aus, aber: „Subsidies should not kill others.“ Angesichts der Schilderungen Werners, dessen Freunde und Bekannte ermordet wurden, forderte Hofreiter, dass es in Deutschland kein Soja geben dürfe, für das Leute umgebracht werden. Das müsse über Zertifizierungssysteme sichergestellt werden.

In verschiedenen Panels gingen die zahlreich anwesenden Bundestagsabgeordneten und ihre Gäste auf einzelne Aspekte der globalen Landwirtschaft ein.

Mehr zum Thema Agrar

Dieser Artikel ist älter als zwei Monate, deshalb werden keine Kommentare mehr angenommen.

4401525