TierhaltungKeine Entwarnung beim Antibiotikaeinsatz

Blick in eine Legehennenhalle einer Geflügelfarm in Sachsen.

Zum zweiten Mal hat das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) die Gesamtmenge der an die Tiermedizin abgegebenen Antibiotika veröffentlicht. Im Vergleich zu den 1.706 Tonnen im Jahr 2011 konnte 2012 ein leichter Rückgang auf 1.619 Tonnen verzeichnet werden. Doch dieser Trippelschritt in die richtige Richtung ist noch lange kein Grund zur Entwarnung.

Europaweit gehört Deutschland nach wie vor zu den Spitzenreitern beim Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung. So setzt Deutschland 211 Gramm Antibiotika pro erzeugter Tonne Fleisch ein, während andere Fleischerzeugungsländer wie die Niederlande (114 g/to) oder Dänemark (43 g/to) deutlich weniger verwenden.

Nach einer Studie des Bundesamts für Risikobewertung (BfR) werden Masthähnchen am häufigsten mit Antibiotika behandelt. In ihrem 39 Tage dauernden Leben bekommen sie an durchschnittlich zehn Tagen Antibiotika. Bei Tieren in Gruppenhaltung werden laut BfR meist sowohl kranke als auch gesunde Tiere behandelt, um die Ausbreitung von Krankheiten auf die gesunden Artgenossen zu verhindern.

Die grüne Bundestagsfraktion fordert darum, dass die bisherigen gesetzlichen Vereinbarungen zur Reduzierung des Antibiotikaeinsatzes in der Nutztierhaltung nachgebessert und klare Vorgaben für die Bestandsbehandlung sowie rechtsverbindliche Antibiotikaleitlinien verankert werden müssen.

Reserveantibiotika aus Ställen verbannen

Alarmierend an den neuen Zahlen des BVL ist, dass die Menge der in der Tierhaltung eingesetzten Reserveantibiotika deutlich angestiegen ist. So wurden 2012 25 Prozent mehr Fluorchinolone abgegeben als 2011. Reserveantibiotika müssen aus den Tierställen verbannt werden, da sie bei der Behandlung bedrohlicher Infektionen beim Menschen unentbehrlich sind. Wer etwaige Resistenzen riskiert, handelt grob fahrlässig.

Die grüne Bundestagsfraktion fordert die künftige Bundesregierung auf, endlich Konsequenzen zu ziehen und den Einsatz von Reserveantibiotika in der Tierhaltung zu verbieten.

Mehr zum Thema Agrar

Dieser Artikel ist älter als zwei Monate, deshalb werden keine Kommentare mehr angenommen.

4390173