HöfesterbenLandwirtschaft braucht flächendeckende Milchviehhaltung

Die aktuelle Situation auf dem Milchmarkt stellt eine enorme Bedrohung vor allem für kleine und mittlere bäuerliche Milchviehbetriebe dar. Seit Beginn des Jahres 2014 hat sich der Weltmarktpreis für Milch fast halbiert. Das ist ein Ergebnis einer starke Angebotssteigerung durch zahlreiche Stallneubauten und der Anlieferungsmenge in der EU und besonders in Deutschland. Massive Preissenkungen in den letzten Monaten sind die Folge dieser Entwicklungen.

Bundesregierung verantwortlich für das Höfesterben

Die Bundesregierung hat sich auf europäischer Ebene in der Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) 2011 bis 2014 massiv gegen die Einführung vorbeugender Kriseninstrumente gewehrt, wie sie zum Beispiel vom Europäischen Parlament vorgeschlagen worden sind. Daher trägt die Bundesregierung für die aktuelle Marktsituation eine wesentliche Verantwortung.

Es ist absehbar, dass mit Auslaufen der Milchquote am 1.4.2015 der Milchmarkt aus dem Ruder läuft und sich der Druck auf die bäuerlichen Erzeuger weiter erhöht. Die versprochene "weiche Landung" wird nicht eintreten. Eine katastrophale "Marktbereinigung" mit Verlust weiterer Milchbetriebe ist absehbar.

Die Leidtragenden sind wieder die kleinen und mittleren Milcherzeuger. Eine weitere Konzentration in wenigen Betrieben und einzelnen Regionen ist nicht im Sinne der Bauern und Bäuerinnen. Leidtragende sind auch die Tiere und die Umwelt. Die Konzentration auf immer industrialisierte Produktion läuft auf die Abschaffung der Weidehaltung hinaus, was einer konsequent am Tierwohl orientierten Haltung ebenso widerspricht wie den Naturschutzzielen der offiziellen deutschen Biodiversitätsstrategie.

Die Bundesregierung kennt für Agrarbetriebe nur eine Empfehlung: "Wachsen oder Weichen". Die Politik muss aber die Rahmenbedingungen so gestalten, dass bäuerliche Milchviehhaltung weiterhin eine gute Option für die Landwirtschaft bleibt. Dazu gehören kostendeckende Preise auf dem Markt und Entwicklungsmöglichkeiten für eine umweltorientierte, tiergerechte und flächengebundene Milchviehhaltung.

Auf EU-Ebene ist das Sicherheitsnetz zu stärken und durch Maßnahmen zur freiwilligen Mengenrücknahme und der Angebotsrücknahme in Krisenzeiten zu ergänzen. Auf nationaler Ebene muss die schwache Verhandlungsposition der Milcherzeuger gegenüber den Molkereien und gegenüber dem Handel gestärkt und die von den Verbraucherinnen und Verbrauchern gewünschte Milcherzeugung mit Weidehaltung der Kühe unterstützt werden.

Bäuerliche Milcherzeuger stärken - Milchpreise stabilisieren

Wir fordern deshalb in unserem Antrag:

  • Erhalt und Förderung der bäuerlichen-ökologischen Milchviehhaltung durch artgerechte Weidehaltung und flächengebundene Milchviehhaltung zum Wohl von Tieren und Umwelt
  • Faire Preise für Milchbauern - die Preise müssen die Kosten decken durch Einführung eines Sicherheitsnetzes und von Kriseninstrumenten
  • Stärkung bäuerlicher Interessen gegenüber der Industrie durch bessere Vertragsgestaltung gegenüber Molkereien und Unterstützung von Erzeugerzusammenschlüssen
  • Regelungen zur transparenten Verwendung der Bezeichnung "Weidemilch" und "Heumilch" zu schaffen, um Verbraucherinnen und Verbraucher vor Täuschung zu schützen und ihnen eine Entscheidungsgrundlage beim Einkauf zu geben
  • Förderprogramme zur Unterstützung des Aufbaues von Kleinmolkereien für die direkte und regionale Vermarktung zu entwickeln
  • Ausbau der Milchmarktbeobachtungsstelle zu einem voll funktionsfähigem Instrument für die Marktanalyse und zur Krisenintervention

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2 Kommentare
Agrarsubvention zur Umweltzerstörung
EBM 29.03.2015

Bei Überproduktion und Kampf um Flächen, um noch mehr Überproduktion und mehr Exportsubventionen zu bekommen, verstehe ich eigentlich diesen Subventionswahnsinn in der EU überhaupt nicht mehr. Die Landwirtschaft ist mittlerweile Umweltzerstörer Nr.1 in der gesamten EU. Drastische Grundwasserabsenkung in Spanien und Frankreich. In DK und Deutschland gibt's Probleme mit Gülle aus der Massentierhaltung und den Resten aus Biogasanlagen. Stoppt endlich diese Subventionen!

Bayrische Guantanamohaltung von Kühen
Manfred Gegner 01.04.2015

Kleine, damit gute LW Betriebe (nach Meinung der Grünen Partei) unter 40 Kühen (700.000 = ~ 90%) brauchen die Tierschutzgesetzte der BRD nicht einhalten. Sie werden damit in der schlimmsten Form für ein Herdentier, in der ganztägigen Anbindhaltung gehalten. 1/2 Schritt vor und zurück. Also mit den Grünen vorwärts zum Ausbau der Tierquälerei! In Brandenburg gibt es nicht einen derartigen Haltungsplatz! Falls es der Partei um das Tierwohl gehe müsste erst einmal dagegen protestiert werden.

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