FachgesprächMehr Ökolandbau!

Die Nachfrage nach ökologisch erzeugten Produkten aus der Region war nie so hoch wie heute. Das ist gut für die Umwelt, die Verbraucher und die regionale Wirtschaft. Der Anbau von ökologischen Produkten steigt aber seit Jahren nicht mehr nennenswert. Obgleich der Abstand zu konventionellen Erzeugerpreisen bei Milch und Fleisch derzeit sehr hoch ist, zögern Bäuerinnen und Bauern weiterhin, ihre Landwirtschaft umzustellen. Was die Hinderungsgründe dafür sind und wie politisch weitere Anreize geschaffen werden können, diskutierte die Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen Ende November 2015 mit Praktikern aus der Branche.

Warum wird nicht mehr auf Ökolandbau umgestellt?

Vordergründig sind es vor allem finanzielle Fragen, die die Umstellung auf Ökolandbau verhindern: Laut Eric Brenneke, konventioneller Junglandwirt aus Niedersachsen, sind es die fehlende wirtschaftliche Vorzüglichkeit, erforderliche Stallumbauten seien zu teuer und in bestehenden Ställen logistisch nicht möglich, Pachtpreise seien ohnehin sehr hoch. Durch unstete Umstellungs- und Beibehaltungsförderungen der Länder wird wenig Planungssicherheit geboten.

Es fehlt das Know-How

Auch fehle bei vielen Landwirten das Know-How zum Umstellen, sagten einige der Fachleute, da der Ökolandbau in der landwirtschaftlichen Ausbildung bis jetzt nicht ausreichend berücksichtigt würde - was auch dazu führe, dass immer noch Vorbehalte gegen Ökolandbau bestünden. „Wer eine Fachausbildung absolviert, der muss auch mit Ökolandbau konfrontiert werden – und zwar im positiven Sinne“, sagte Martin Ries vom Landwirtschaftsministerium Baden-Württemberg. Auch andere der geladenen Experten nannten soziale Gründe dafür, dass Ökolandbau immer noch nicht als eine unter mehreren betriebswirtschaftlichen Alternativen gesehen wird.

Dr. Manon Haccius von Alnatura machte allerdings auch deutlich, dass „eine Umstellung für strukturschwache Betriebe nicht zukunftsfähig ist“, sondern dass Ökolandbau langfristig nur mit wirtschaftlich stabilen Betrieben wachsen kann.

Es fehlen Vermarktungsstrukturen

Weiterhin problematisch sind fehlende Vermarktungsstrukturen: So bestände für Milchviehbetriebe in einigen Regionen keine Möglichkeit zur Milchabholung, da keine Bio-Molkerei in der Nähe sei, so Dr. Frank Wetterich von der Gläsernen Molkerei.

Revision der EU Öko-Verordnung ist weitere Hürde

Letztendlich stellt zurzeit auch die anstehende Revision der EU-Öko-Verordnung eine Hürde dar – „Die Revision konnten und können wir nicht mehr verhindern – jetzt müssen wir dafür kämpfen, noch das Beste draus zu machen“, so agrarpolitische Sprecher der Grünen Bundestagsfraktion Friedrich Ostendorff.

Wie kann die Umstellung auf Ökolandbau gelingen?

In der anschließenden Runde wurden einige Felder diskutiert, die die Umstellung befördern würden. Klar ist: Wir brauchen mehr Gelder für Forschung im Ökolandbau und Übertragung in die Praxis, genauso wie eine Intensivierung der Aus- und Fortbildung in Sachen Ökolandbau. Jan Plagge (BÖLW) hob die Bedeutung des Austauschs zwischen konventionellen und ökologischen Erzeugern hervor, um Landwirte für die Umstellung zu gewinnen. Auch wertschöpfungskettenübergreifend brauche es Raum für Austausch und Unterstützung von Strukturaufbau.

Mehrmals wurde genannt, dass für eine gute Weiterentwicklung des ökologischen Landbaus die politische Verlässlichkeit der Förderung ausschlaggebend ist – und auch Vorrangregelungen für den ökologischen Landbau, zum Beispiel um Bauvorhaben zu erleichtern. Genauso brauche es vonseiten des Handels langfristige Lieferverträge.

Fazit:

Klar ist: es braucht Geld, um Qualität anstatt Quantität zu fördern, und den Umbau zu mehr ökologischem Umbau zu schaffen. „Wir haben Geld, wir müssen es nur verschieben“, meinte dazu Martin Kötter-Jürß, Bioland-Berater, der eine Umschichtung von Geldern von der ersten in die zweite Säule der Agrarförderung zur Diskussion stellte. Damit könnten die dringend notwendigen gleichen politischen Wettbewerbsrahmenbedingungen für den Ökolandbau geschaffen werden, ohne die ein Umbau der Landwirtschaft nicht gelingen wird. An dieser Frage und den im Fachgespräch genannten Beispielen werden wir als grüne Bundestagsfraktion weiterarbeiten.

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