Synthetische BiologieTechnikfolgenabschätzung zu neuen Gentechnologien

Gentechnisch veränderter Mais
Nicht nur das Erbgut von Pflanzen, auch das von Tieren, Mikroorganismen und versuchsweise auch sogar von Menschen wird mit immer effizienteren und präziseren Methoden zielgerichtet verändert und „optimiert“.

„Synthetische Biologie – die nächste Stufe der Bio- und Gentechnologie“: So betitelt das Büro für Technikfolgenabschätzung (TAB) beim Deutschen Bundestag seinen aktuellen Bericht. Dieser wird am 29. September 2016 im Rahmen eines öffentlichen Fachgesprächs im Ausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung des Bundestags vorgestellt und mit geladenen Gästen diskutiert.

Gentechnik überall und für alle

Die Titelwahl macht deutlich, worum es geht: Es geht um Gentechnik, auch wenn Begriffe wie Synthetische Biologie und Genome Editing den Anschein erwecken, es ginge hier um etwas anderes. Tatsächlich wird das Erbgut von Pflanzen, Tieren, Mikroorganismen und versuchsweise auch bereits von Menschen mit immer effizienteren und präziseren Methoden zielgerichtet verändert und „optimiert“.

Aus Sicht des TAB-Büros werden daran in Zukunft nicht nur öffentlich finanzierte und kommerzielle Forschungslabore beteiligt sein, sondern auch private „Do it yourself-Biologen“ in Garagenlaboren. Der Bericht wirft dabei die Frage auf, inwieweit eine Kontrolle dieser Aktivitäten notwendig und möglich ist. Offen ist auch, wie die Sicherheitsbewertung der entstehenden neuartigen Organismen erfolgen soll, die immer weniger mit herkömmlichen „Gegenstücken“ vergleichbar sind. Eine adäquate Sicherheits- bzw. Risikobewertung wird als Grundvoraussetzung für eine gesellschaftlich akzeptable Entscheidungsfindung über die (Nicht-)Nutzung dieser meist fortpflanzungsfähigen Organismen gesehen. Entsprechende Konzepte, die über das Modell der „substantiellen Äquivalenz“ hinausführen, wurden allerdings bisher nicht formuliert.

Biosicherheitsforschung 2.0

Die neue Biosicherheitsforschung solle „von vorneherein auch sozial- und geisteswissenschaftlich ausgerichtet sein, langfristig und ressortübergreifend konzipiert werden und dabei echte Beteiligungsmöglichkeiten für die Kompetenz und Interessen aller relevanten gesellschaftlichen Akteure bieten“ – auch für NGOs und Bio-Hacker. Doch ob dieser Ansatz tatsächlich geeignet sein wird, die berechtigten Vorbehalte der Menschen gegen eine Nutzung solcher Organismen im Freiland und in der Lebensmittelkette zu überwinden, bleibt fraglich.

Mit Hilfe neuer Gentechnik hergestellte Produkte und Verfahren müssen mindestens so gründlich auf ihre Toxizität, Allergenität, ihr Ausbreitungsverhalten und ihre Überlebensfähigkeit überprüft werden wie mit „traditioneller“ Gentechnik hergestellte Organismen. Dabei benennt der Bericht eine Regelungslücke im deutschen Gentechnik-Gesetz: Dieses beziehe sich nicht auf den Menschen – und damit auch nicht auf Eingriffe ins menschliche Mikrobiom, also die im Menschen lebenden Mikroorganismen. Insbesondere eine gezielte Beeinflussung der Darmflora werde aber in letzter Zeit vermehrt als Therapieansatz erforscht.

Wem gehören die neuen Gene?

Dürfen neu konstruierte Gene patentiert werden – oder gar schon Sequenzen, die lediglich entziffert, aber noch nicht verändert wurden? Wie lässt sich der enorme Wissenszuwachs in diesem Bereich gerecht „verteilen“ und gesellschaftlich nutzen? Sollte die Vergabe von Forschungsgeldern an die Verpflichtung gekoppelt werden, die Ergebnisse der Allgemeinheit vollständig zugänglich zu machen?

Diese und weitere Fragen rund um Schutz und Nutzung geistigen Eigentums sind von hoher gesellschaftlicher, ethischer und ökonomischer Brisanz. Denn letztlich geht es um die Frage, ob (künstliches) Leben patentierbar ist.

Live Stream

Das Fachgespräch wird am 29. September 2016 von 14 bis 16:30 Uhr im Internet übertragen:

www.bundestag.de

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