PestizideWissenschaftler gegen Glyphosat-Verharmlosung

In Deutschland werden jährlich 6.000 Tonnen Glyphosat versprüht.

Fast hundert renommierte internationale Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler kritisieren in einem Offenen Brief den verantwortungslosen und unqualifizierten Umgang der Behörden mit den Gefahren des allgegenwärtigen Pflanzengifts Glyphosat. Vor Kurzem hat die zuständige EU-Lebensmittelbehörde EFSA empfohlen, das Pflanzengift Glyphosat für weitere zehn Jahre in der EU neu zuzulassen. Dabei übernahm die Behörde in Parma unhinterfragt den mangelhaften Risikobericht des deutschen Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR).

Nur allzu oft wird in der Glyphosat-Debatte den Kritikern des Pflanzengifts mangelnde „Wissenschaftlichkeit“ unterstellt. Der Offene Brief der WissenschaftlerInnen zeigt, dass genau das Gegenteil der Fall ist: Die Prüfbehörden sind es, die munter wissenschaftliche Standards ignorieren und jede Transparenz verweigern, um zum gewünschten Glyphosat-Freispruch zu kommen.

Agrarminister darf starkes Signal gegen Glyphosat-Zulassung nicht ignorieren

Dieses ungewöhnliche und starke Signal aus der Wissenschaft kann auch der deutsche Agrarminister Christian Schmidt nicht mehr übersehen. Der Minister versucht bislang krampfhaft, in der Glyphosat-Debatte keine Position zu beziehen, weil das allein Sache „der Wissenschaft“ sei. „Jetzt kann auch Schmidt nicht länger ignorieren, wie sehr gerade aus der Wissenschaft selbst das verantwortungslose und unqualifizierte Vorgehen der Behörden kritisiert wird. Jetzt muss Minister Schmidt endlich handeln. Er muss die mangelhafte Risikobewertung seines Bundesinstituts einkassieren und dafür sorgen, dass die Glyphosat-Bewertung noch einmal komplett neugestartet wird“ fordert Harald Ebner MdB, Sprecher für Gentechnik- und Bioökonomiepolitik.

Am 10. Und 11. Dezember 2015 tagt der auch für Pestizide zuständige Ausschuss der EU-Kommission für Pflanzen, Tiere, Lebens- und Futtermittel mit Regierungsvertretern aller EU-Staaten. Auf der Tagesordnung steht die EFSA-Empfehlung für Glyphosat. Wir fordern die Bundesregierung auf, sich dafür einzusetzen, die untaugliche EFSA-Empfehlung nach Parma zurückzugeben und neu aufzurollen.

Kritischer Offener Brief zur Glyphosat-Bewertung von EFSA und BfR

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2 Kommentare
Glyphosat und Zusätze
Dr. Anita Schwaier 07.12.2015

Seit 10 Jahren ist dem BfR bekannt, dass die Zusatzstoffe, die den Handelsprodukten zugemischt werden, damit Glyphosat in die Pflanzen aufgenommen wird, die Toxizität um bis zum 100-fachen erhöht. Obwohl das BfR auch für die Bewertung der Fertigprodukte in Bezug auf Gesundheit von Mensch und Tier zuständig ist, werden die Zusatzstoffe für sich allein geprüft. Wenn ihre Toxizität geringer ist als die von Glyphosat, gelten sie als unbedenklich. Sie sind immer präsent, ebenso langlebig und wirken als Türöffner für tierische Zellen und Zellstrukturen.

Bauern und Bahnanlagen
Jürgen Meyer 23.12.2015

Betreiber von Weihnachtsbaumplantagen und Bahnanlagen, um nur einige Anwender zu nennen, werden bei einem Verbot Alternativen suchen und finden - nach meiner Kenntnis allerdings ausschließlich weitaus giftigere Mittel. Schafherden wären den Flächengrößen nicht gewachsen bzw. für Bahnanlagen nicht geeignet. Kartoffelanbauer könnten allerdings sofort darauf verzichten, das Kartoffelkraut kurz vor der Ernte wegzuspritzen. Auch private Hofflächen bedürfen keiner Glyhosatkeule. Fazit: In der Übergangszeit zu besseren Lösungen müssen wir uns wohl leider aufs Maßhalten beschränken.

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