VeranstaltungsberichtZukunftskonferenz bäuerliche Landwirtschaft

Der große Saal in der baden-württembergischen Landesvertretung platzte aus allen Nähten. 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmer wollten auf dem Zukunftskongress bäuerliche Landwirtschaft der grünen Bundestagsfraktion mitdiskutieren. Das zeigt, dass wir ein absolut zentrales Thema getroffen haben, das breite Teile der Gesellschaft berührt.

Auf der Konferenz bezeichnete der UN Sonderbotschafter für familienbetriebene Landwirtschaft und ehemalige Präsident des Deutschen Bauernverbandes, Gerd Sonnleitner, die Frage der Eigentumsrechte im globalen Maßstab als besonders wichtig für eine familienbetriebene Landwirtschaft. Doch Familienbesitz kann nicht das wesentliche und schon gar nicht alleinige Kriterium für bäuerliche Landwirtschaft sein. Dann würden auch einschlägige Großunternehmen der Geflügelhaltung mit hunderttausenden von Tieren als bäuerliche Betriebe gelten.

Vielmehr umfasst eine bäuerliche Landwirtschaft eine flächengebundene Tierhaltung, eine standortangepasste Landwirtschaft, die Vermeidung von Umweltbelastungen und den Erhalt einer vielfältigen Agrarstruktur und der kleinen und mittleren Betriebe. Die Frage von Menschenrechten und Armutsreduzierung ist, gerade im globalen Süden, direkt mit der Frage der bäuerlichen Landwirtschaft verbunden. Dieser Zusammenhang wurde insbesondere in dem Beitrag des Fraktionsvorsitzenden Toni Hofreiter hergestellt und betont.

Friedrich Ostendorff, der agrarpolitische Sprecher der Fraktion, betonte, dass der momentane Strukturwandel mit einem Betriebsverlust von mehr als zwei Prozent pro Jahr oder 40 Prozent seit 1999 eine nicht mehr zu akzeptierende Entwicklung ist. Den damit verbundenen Konzentrationsprozessen in der Tierhaltung, der Steigerung von Agrarexporten und dem ruinöse Preiswettbewerb im Fleisch- und Milchsektor muss mit politischen Mittel begegnet werden.

Eine heiße Kontroverse zwischen Publikum und Sonderbotschafter Sonnleitner löste unter anderem das Statement Sonnleitners aus, dass die moderne Landwirtschaft nicht für einen Verlust an Biodiversität in der Agrarlandschaft verantwortlich sei.

Die Diskussion auf dem Podium mit Maria Heubuch (MdEP), Lukas Beckmann (GLS Treuhand) und Mathias Greffrath (Journalist) wurde durch Inputs von Stephanie Strotdrees (Milchbäuerin), Hans-Jürgen Müller (Verband handwerkliche Fleischverarbeitung), Julia Bar-Tal (Bündnis Junge Landwirtschaft) und Mathias von Mirbach (solidarische Landwirtschaft) um weitere fachliche Aspekte und Probleme der bäuerlichen Landwirtschaft in der Praxis bereichert. Sie zeigten gleichzeitig auch verschiedene Möglichkeiten für Lösungen auf, die am Nachmittag in kleineren Gruppen weiter bearbeitet wurden.

Im Anschluss an die Podiumsdiskussion wurden die angesprochenen Themen in fünf Workshops mit intensiver und lebhafter Beteiligung aller Konferenzteilnehmer und den Bundestagsabgeordneten Nicole Maisch und Markus Tressel sowie zahlreichen weiteren Referenten vertieft.

Ein wesentliches Ergebnis der Konferenz war, dass die Bedürfnisse der kleinen und mittleren Betriebe im Fokus einer in die Zukunft gerichteten Landwirtschaftspolitik liegen müssen.

So sollten zum Beispiel ordnungsrechtliche Maßnahmen so ausgelegt sein, dass sie kleine und mittlere Betriebe unterstützen. Fördermaßnahmen sollten sich darauf konzentrieren, Strukturnachteile auszugleichen und die zahlreichen Leistungen zu honorieren, die kleine und mittlere Betriebe für die Gesellschaft erbringen. Zukunftsweisende Betriebsmodelle und Erzeuger-Verbraucher Kooperationen sollen unterstützt werden. Strukturell müssen Instrumente entwickelt werden, Land verfügbar zu halten und so Betriebsneugründungen weiterhin zu ermöglichen.

Workshops

Auf den folgenden Seiten informieren wir Sie über den Diskussionsstand aus den einzelnen Workshops.

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2 Kommentare
Bernd Bendig
Bernd Bendig 01.12.2014

Die Honigbiene muss stets eine besondere Aufmerksamkeit und Unterstützung in der zukunftsorientierten Landwirtschaft erhalten.
Es gilt als erwiesen, dass eine optimal Bestäubung der Blütenvielfalt Düngergaben ersetzen kann und die Bestäuibungsleistungen der Honig- und Wildbienen unbezahlbar sind.

Was sind bäuerliche Betriebe
Martin Primbs 01.12.2014

Bäuerliche Landwirtschaft muß künftig klarer definiert
werden, damit die Politik weiß, wie Sie diese Betriebe
fördern kann: Mein Vorschlag:
Bäuerliche Landwirtschaft ist wenn:
Betriebe in einer regionalen Kreislaufwirtschaft arbeiten (ohne künstlichen Dünger und Futtermittel von weit her), sie CO2-neutral wirtschaften und
zusätzlich die Tierhaltung flächengebunden ist.
Industrielle Landwirtschaft ist das Gegenteil und sollte
nicht mehr gefördert werden.

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