VeranstaltungsberichtZukunftskonferenz bäuerliche Landwirtschaft

Seite 4: Workshop 3: Stadt und Land – Hand in Hand

Es ging um die Frage, wie Maßnahmen der Politik aussehen können, um Strukturen bäuerlicher Landwirtschaft nachhaltig in unserer Gesellschaft insbesondere in den Städten zu verankern. Und darum, wie eine Kooperation zwischen städtischen und ländlichen Raum aussehen könnte, um den zu Gunsten industrieller Landwirtschaft voranschreitenden Konzentrationsprozessen wirksam entgegenzutreten.

Nach einer kurzen Begrüßung durch die tierschutz- und verbraucherpolitische Sprecherin der grünen Bundestagsfraktion, Nicole Maisch, erfolgten verschiedene Inputs.

Zunächst wurde in einem ersten Teil ein kurzer Zusammenschnitt des Films „Regional wachsen – Reise durch eine neue Landwirtschaft“ gezeigt. Er wurde produziert von den FilmemacherInnen Lea Schulz und Stefan Czimmek.

Anschließend wurde von Marcel Breidenstein vorgestellt, wie Landwirtschaft in der Stadt funktioniert und mit welchen Problemen man zu kämpfen hat. Marcel Breidenstein ist Student und Hobbylandwirt aus Kassel.

In einem dritten Input stellte Mathias von Mirbach das Konzept der „Solidarischen Landwirtschaft“ und dessen Voraussetzungen genauer dar. Herr von Mirbach ist Bauer auf dem nördlich von Hamburg in Schleswig Holstein gelegenen Kattendorfer Hof.

Im Folgenden tauschten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmern im Rahmen einer moderierten Fishbowl-Diskussion zu drei unterschiedlichen Themen aus. Zunächst wurde diskutiert, welche Rahmenbedingungen die Politik schaffen müsse, um „Urban Gardening“ und „Solidarische Landwirtschaft (CSA)“ zu ermöglichen und zu unterstützen. Die Ergebnisse im Einzelnen:

Marcel Breidenstein: Probleme, gegen die die Politik etwas unternehmen kann:

  • Falsches Flächenmanagement der Stadt (vermulchen)
  • Brachflächenmanagement
    -> urbanes Gärtnern als Nutzung nach der BauNVO
  • EU zahlt Geld für die Mahd aber nicht für das Beweiden
  • es gibt Subventionen für die Fläche, aber nicht für die Tiere
  • Bürokratieabbau für Nebenerwerbsbetriebe
  • Nachfrage: Auf welchen Flächen dürfen Nutztiere gehalten werden – Antwort: Haltung grundsätzlich möglich, also auch im privaten Hausgarten im Wohngebiet (mögliches Problem: Emissionen bei Stallhaltung mit Misthaufen)

Mathias Mirbach: Probleme, gegen die die Politik etwas unternehmen kann:

  • CSA: Unterstützer werden zu Mitbäuerinnen und Mitbauern
  • CSA: hilft die Sortenvielfalt zu bewahren, da alles angebaut werden kann, was Konsumenten fordern
  • Nachfrage auf kommunaler, regionaler und nationaler Ebene
    -> Problem: Ausschreibung öffentlicher Auftragsvergaben
  • Netzwerk Solidarische Landwirtschaft wächst (das ist erfreulich) und braucht Unterstützung bei der Finanzierung des Personals; Netzwerkarbeit, Betreuung und Koordination kann nicht mehr rein ehrenamtlich geleistet werden (Anmerkung: Und die Betriebe, die als Pioniere anfangen, haben auch noch nicht so hohe Gewinne, dass sie so eine Stelle gemeinsam aus der Portokasse finanzieren könnten. Der Aspekt finanzieller Unterstützung der vernetzenden, betreuend-beratender und koordinierenden Tätigkeit in allen angesprochenen Themenblöcken klingt während der Diskussion noch mehrmals an.)

1. Diskussionblock: Urban Gardening und CSA

  • Kleine und mittlere Betriebe über eine Umstellung der Agrarsubventionen stärker unterstützen;
    -> Diese Möglichkeiten sind in der GAP durchaus schon angelegt;
  • Kleine und mittlere Betriebe können flexibler auf (regionale) Konsumentenwünsche reagieren;
  • „Urban Agriculture“ als Begriffsänderung angeregt, damit schon begrifflich festgelegt ist, dass es sich um eine ernst zu nehmende landwirtschaftliche Alternative handelt. „Gardening“ drückt dies nicht adäquat aus und ist außerhalb von Deutschland auch kein Begriff;
  • Reclaim the commons
    -> Flächen müssen von der öffentlichen Hand zurückerworben werden, um eine regionale/ „Urban agriculture“-Versorgung zu gewährleisten (Elisabeth Meyer-Renschhausen von Allmende-Kontor)
    -> kommunale Flächenbevorratung ist wichtig;
  • Urban Gardening als Kommunikationspunkt: Hier treffen sich Leute, die gleichgelagerte Interessen haben und zum Beispiel auch CSA-Aktive sind.
    -> Politik muss mehr auf die Preise einwirken: Wie kann eine Karotte nur ein paar Cent kosten, wenn man berücksichtigt, wie lange diese braucht, um zu wachsen;
    -> Subventionen für Biofleischproduzenten, damit es sich für diese lohnt, zu produzieren;
    -> faire Preise über Transparenz erreichen;
    -> Externe Kosten müssen über Besteuerung oder Abgaben in den Preisen wieder zu finden sein. Nur so ist ein fairer Preis zu erreichen;
    -> Hier ist eine ökologische Steuerreform sinnvoll, welche jedoch nur über einen breiten Konsens in der Gesellschaft getragen werden kann;
  • Slow-food Deutschland: Initiative „Städter und Bauern“, Genussscheinsystem (Verzehrrechte + Dividende);
    -> www.genussgemeinschaft.de; CSA ist auf alle Arten von Ökonomien anwendbar;
    -> crowdfunding: Kleinanlegerschutzgesetz als Problem „grauer Kapitalmarkt“
    -> Hier darf nicht überreguliert werden und der Verbraucherschutz ist zu beachten, um möglicherweise das Bild eines sozialen Kapitalmarktes zu zeichnen;
    -> Hier ist im Gesetz zwischen großen und kleinen Projekten zu unterscheiden;
  • Urban Agriculture: soziale Komponente und auch Bildungsfunktion, aber möglicherweise ist es nicht der Weisheit letzter Schluss und ihr wird möglicherweise zu viel zugemutet;
  • CSA schafft nachhaltige Strukturen in der bäuerliche Landwirtschaft, wie man am Beispiel des Kattendorfer Hofs sehen kann;
  • Privatisierung öffentlichen Eigentums muss gestoppt und ein gegenläufiger Prozess angestoßen werden (Flächenbevorratung);
    -> möglicherweise über Vorkaufsrechte;
  • Öffentliche Einrichtungen müssen Ausschreibungen so gestalten, dass bäuerliche Landwirtschaft gefördert wird;
  • In Stadt und Land muss es gemeinsame Planungsinstitutionen geben und geeignete kommunale Flächen müssen auch der Nutzung für bäuerliche Landwirtschaft zur Verfügung stehen;
    -> Öffentliche Grünflächen können jedoch nur sinnvoll durch eine Reform des Bundeskleingartengesetzes einer Umnutzung zugeführt werden.

2. Diskussionsblock: Ernährungsbildung

  • Über staatlich geförderte Programme soll es Schülerinnen und Schülern ermöglicht werden, Einblicke in die landwirtschaftliche Produktion und handwerkliche Lebensmittelverarbeitung zu erhalten, um ein Verständnis für Nahrungsmittel zu entwickeln.
    -> Hier sind sinnvolle Konzepte zu entwickeln;
    -> Dies hat Einfluss auf die Essgewohnheiten der Kinder und damit auch auf die der Eltern;
  • Schulbauernhöfe (auch Schullandheime für längeren Aufenthalt) mit steuerlichen Mitteln finanzieren;
    -> ständige Zusammenarbeit zwischen Schulen und Bauernhöfen, um Schülerinnen und Schülern die ständige Möglichkeit von regionaler/biologischer Ernährung zu ermöglichen (wie zum Beispiel auf dem Kattendorfer Hof bereits der Fall);
  • GAK-Mittel umschichten und regional die Strukturen bäuerlicher Landwirtschaft fördern;
  • Das Thema Ernährung und Landwirtschaft muss unter anderem von Bildungspolitikern als Querschnittsthema begriffen werden;
  • Schulunterricht für das Thema Ernährungsbildung aufstocken und nach Möglichkeit Infrastruktur zum Pflanzen und Kochen zur Verfügung stellen und entsprechende Hygienevorgaben realistisch anpassen;
  • ganzheitliche, auch praktisch-konkrete Bildung statt nur verkopfter Beschulung;
  • Förderprogramme für Schülerinnen und Schüler auflegen, die sich ein Besuch auf dem Bauernhof nicht leisten können;
    -> Schulbudget auch um die Kosten für den ÖPNV zu decken
  • über Verbraucherinformation insbesondere auf den Produktverpackungen lässt sich Ernährungsbildung betreiben. Es muss auch möglich sein, Bilder der tatsächlichen Tierhaltung auf den Produkten abzubilden. Insbesondere soll es möglich sein, dass man sich schnell und unkompliziert über die Wertschöpfungskette informieren kann;
  • Projekt Schulschwein;
  • Positivbeispiel Projekt BioBrotBox;
  • In den Schulen soll das Schulessen als Aushängeschild einfach einzusehen sein;
  • Das Thema Schulernährung muss in der Gesetzgebung der Länder verankert werden;
  • kulinarisches Wissen als Schulfach für alle (auch zukünftige Akademiker);
  • Demonstrationsbetriebe für Ernährungsbildung (wie Demobetriebe Ökolandbau);
  • gutes Schulessen für alle Kinder;
  • Bundesprogramm Ernährungsbildung;

3. Diskussionsblock: Bio für Alle

  • gutes Bio-Schulessen für alle Kinder;
  • Hartz IV-Satz anheben;
  • Preise müssen die Wahrheit sagen – Internalisierung externer Kosten konventioneller Produkte (verringert Preisabstand zu bio);
  • Solidarische Landwirtschaft kann, muss aber nicht solidarische Elemente zwischen den Prosumenten – also VerbraucherInnen, die gleichzeitig KonsumentInnen sind - enthalten;
  • Ungleiches Einkommen ist ein schwieriges Thema in Deutschland, man redet nicht gern drüber;
  • Saisonale Ernährung ist ein Ansatz, mit weniger Geld trotzdem bio zu essen, besonders im Rahmen von CSA;
  • die gesamte Wertschöpfungskette darstellen;
  • Bio ist für Alle möglich bei veränderten Ernährungsweisen.

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