VeranstaltungsberichtZukunftskonferenz bäuerliche Landwirtschaft

Seite 5: Workshop 4: Artgerechte Tierhaltung

Als nach der Mittagspause das Programm fortgesetzt wurde, füllte sich der Raum, in dem der Workshop zur artgerechten Tierhaltung stattfinden sollte, sehr schnell. Über 20 Teilnehmer wollten gemeinsam mit Stephanie Strotdrees (Bioland-Hof Strotdrees), Jochen Dettmer (Neuland e. V.) und Friedrich Ostendorff MdB unter Leitung von Julia Lesmeister (Fördergemeinschaft Ökologischer Landbau Berlin-Brandenburg e. V.) diskutieren. Dabei wurden folgende Fragestellungen erörtert:

  • Wie sind die aktuellen Bedingungen der Tierhalter im Spannungsfeld zwischen Tierschutzanforderungen und Kostendruck?
  • Wie können politische Prozesse von außen positiv beeinflusst werden?
  • Wie sind die aktuellen Initiativen der Bundesregierung und der Lebensmittelwirtschaft zu bewerten?
  • Was kann die Politik tun? Welche Stellschrauben können kurz-/ mittel- und langfristig gedreht werden um die Situation der Nutztiere in Deutschland zu verbessern?

Zur regen Diskussion im Workshop trug maßgeblich bei, dass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus ganz unterschiedlichen Bereichen kamen und so den Tierschutz in unterschiedlicher Art unterstützen und wahrnehmen: Verbraucherinnen und Verbraucher, die sich der Nutztierhaltung von moralischer, ethischer und religiöser Ebene näherten, praktizierende Bäuerinnen und Bauern, die aus ihrem Alltag Probleme, aber auch Lösungen aufzeigten. Stark vertreten waren auch die Tierschutzverbände, die Initiativen und Kampagnen aus ihrer Sicht erläutern konnten.

Schnell wurde klar, dass ein ganz wesentliches Instrument zur Verbesserung des Tierschutzstandards in der Nutztierhaltung die Kommunikation mit den Verbraucherinnen und Verbrauchern und die Transparenz der aktuellen Bedingungen für konventionell gehaltene Tiere in der Landwirtschaft darstellt. Als ganz konkrete Anregung wurde die Notwendigkeit einer Fleischkennzeichnung deutlich, die - vergleichbar zur Eikennzeichnung - einfach und transparent darstellt, unter welchen Bedingungen das Tier gelebt hat. Auch wurde der Wunsch deutlich, dass die Produktion heimischer Futtermittel gestärkt und der Import von Eiweiß-Lieferanten aus Drittländern reduziert. Gegebenenfalls sollte durch Besteuerung die Wettbewerbsverzerrung gegenüber einheimischen Futtermitteln ausgeglichen werden. Und ebenso klar wurde, dass die Bundesregierung mit freiwilligen Selbstverpflichtungen nicht in notwendigem Maße eine Verbesserung für die Tiere erstreiten wird.

Wir sind sehr dankbar über den wertvollen Input und werden die Machbarkeit der verschiedenen Anregungen prüfen und wenn möglich realisieren.

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