Jobs für FlüchtlingeAsylsuchende auf ihrem Weg in Arbeit unterstützen

Noch nie wurden in Deutschland so viele Asylsuchende erwartet wie in diesem Jahr – mindestens 400.000. Viele von ihnen werden auf absehbare Zeit hier bleiben, manche vermutlich für immer. Darauf muss auch die Arbeitsmarktpolitik reagieren.

Die Hürden zum deutschen Arbeitsmarkt sind für Asylbewerber nach wie vor viel zu hoch. Zwar haben Asylsuchende inzwischen das Recht, nach drei Monaten zu arbeiten. Doch dieser Anspruch läuft ins Leere, weil die notwendigen Voraussetzungen fehlen. Die Bundesregierung zeigt bisher keinen Ehrgeiz das zu ändern und setzt so die Integrationschancen der Asylsuchenden aufs Spiel.

Arbeitsministerin Nahles fordert zwar in den Medien ein Sonderprogramm für Flüchtlinge. Als Teil der Regierung wäre es aber ihre Aufgabe, gute Voraussetzungen zu schaffen statt Forderungen an sich selbst zu stellen.

Deutschland ist EU-weit Schlusslicht bei der Bearbeitungszeit von Asylanträgen

Der akute Verbesserungsbedarf liegt auf der Hand. Eine Studie der Bertelsmann Stiftung belegt, dass Deutschland EU-weit Schlusslicht bei der Bearbeitungszeit von Asylanträgen ist. Diese langen Wartezeiten verursachen nicht nur enorme Kosten. Asylsuchende werden zur Untätigkeit gezwungen, obwohl sie lieber arbeiten, sich in der Gesellschaft einbringen und ihr eigenes Geld verdienen würden.

Das Asylrecht ist nicht dazu da, den Fachkräftebedarf zu sichern, sondern Menschen vor Verfolgung, Krieg und Elend zu schützen. Aber unter den Flüchtlingen befinden sich viele Fachkräfte, die in Deutschland nachgefragte Qualifikationen mitbringen. Laut Bundesagentur für Arbeit (BA) verfügt rund die Hälfte der Flüchtlinge über eine akademische oder berufliche Ausbildung. Mit der richtigen Unterstützung haben diese Menschen gute Chancen, selbständig in Deutschland leben zu können und auch finanziell auf eigenen Füßen zu stehen. Gleichzeitig sollten aber auch andere Asylsuchende auf ihrem Weg in Arbeit unterstützt werden.

Grüne Qualifizierungsoffensive für Flüchtlinge, Asylsuchende und Geduldete

Um den Arbeitsmarktzugang für Flüchtlinge mit Leben zu erfüllen, sind eine Reihe von Voraussetzungen zu erfüllen.

Das Erlernen der deutschen Sprache ist sofort zu ermöglichen. Asylsuchende sollen direkt nach ihrer Ankunft Deutsch lernen können. Dafür müssen sie einen Anspruch auf Teilnahme an Integrationskursen bekommen, noch während ihr Antrag bearbeitet wird. Die Möglichkeit sich zu verständigen ist Grundvoraussetzung für die erfolgreiche Integration in Gesellschaft und Arbeitsmarkt.

Potenziale sollen so früh wie möglich erfasst werden. Je länger die Wartezeiten sind, desto höher ist die Gefahr der Dequalifizierung. Qualifikationen und Kompetenzen der Asylsuchenden müssen deshalb so früh wie möglich von speziell geschulten Mitarbeiterinnen oder Mitarbeitern der BA aufgenommen werden, um sie passgenau vermitteln oder fördern zu können.

Qualifikationen sind schnell und unbürokratisch anzuerkennen. Um einen Arbeitsplatz zu finden, der den tatsächlichen Qualifikationen entspricht, müssen im Ausland erworbene Berufsabschlüsse bei uns unbürokratisch anerkannt werden. Wenn bestimmte Teilqualifikationen dafür fehlen, dann sollten diese schnell und unkompliziert nachgeholt werden können.

Beratung und Förderung in Arbeitsagenturen und Jobcentern ist zu gewährleisten. Asylsuchende und Flüchtlinge haben einen Beratungsanspruch in Jobcentern und Arbeitsagenturen wie andere Arbeitsuchende auch. Damit sie davon tatsächlich etwas haben, muss es dort ausreichend qualifiziertes Personal und Dolmetscher geben.

Jungen Asylsuchenden und Geduldeten wollen wir eine Ausbildung ermöglichen. Viele Unternehmen würden Asylsuchenden gerne einen Ausbildungsplatz geben. Aber derzeit müssen Betriebe fürchten, dass ihre Azubis während der Ausbildung abgeschoben werden. So bleiben hochmotivierte junge Menschen faktisch von der Berufsausbildung ausgeschlossen. Darum muss sichergestellt werden, dass Asylsuchende während der gesamten Ausbildung in Deutschland bleiben und im Anschluss daran arbeiten können.

Aufenthaltsrechtlicher Statuswechsel soll ermöglicht werden: Flüchtlinge müssen die Möglichkeit bekommen, ihren aufenthaltsrechtlichen Status zu wechseln. Ihren unsicheren Status als Asylbewerber sollen sie bei Erfüllung der Kriterien gegen eine dauerhafte Bleibeperspektive, etwa als Fachkraft in einem Mangelberuf, eintauschen können.

Nur mit diesem Bündel an Maßnahmen bekommen Flüchtlinge echte Chancen auf dem Arbeitsmarkt.

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