Kleine Anfrage zur Initiative SpätstarterAusbildungsplatzgarantie statt Etikettenschwindel

Straßenschild Bundesministerium für Arbeit und Soziales

Ungefähr anderthalb Millionen junge Menschen sind in Deutschland ohne Ausbildung. Wer keine Ausbildung hat, unterliegt einem erhöhten Risiko arbeitslos zu werden oder eine neue Anstellung zu finden. Auch vor dem Hintergrund des wachsenden Fachkräftebedarfs ist es unverantwortlich, dass circa 16 Prozent aus der Altersgruppe der 25-35 Jährigen ohne Berufsqualifizierung in der Erwerbsphase stehen.

Kampagne „Spätstarter gesucht“

Die Hälfte aller arbeitslosen jungen Menschen zwischen 25 und 35 Jahren hat keine abgeschlossene Berufsausbildung. Deswegen ist die Kampagne „Spätstarter gesucht“ uneingeschränkt zu begrüßen. Sie soll zum Nachholen einer beruflichen Ausbildung motivieren. Allerdings ist die Initiative weit weniger erfolgreich, als es die Bundesregierung weismachen will.

Zum Kampagnenstart hieß es, dass damit innerhalb von drei Jahren bis Ende 2015 100.000 junge Menschen motiviert werden sollen, eine Aus- oder Weiterbildung aufzunehmen und abzuschließen. Auf eine grüne Anfrage hin antwortet die Bundesregierung nun, das Ziel sei „fast zur Hälfte bereits erreicht“ worden.

Tatsächlich haben von Januar 2013 bis August 2014 fast 49.000 junge Menschen eine geförderte Weiterbildung mit Abschluss beziehungsweise eine ungeförderte Ausbildung begonnen. Davon gehören aber lediglich knapp 32.000 Personen zur eigentlichen Zielgruppe der Spätstarter-Initiative, das heißt zu den jungen Leuten mit geringer oder gar keiner beruflichen Qualifikation. Nach etwas mehr als der Halbzeit des Programms wurde also nur rund ein Drittel der angestrebten Zahl erreicht.

Etikettenschwindel statt sauberer Bilanz

Statt das offen zuzugeben, rechnet das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) der Initiative „Spätstarter gesucht“ sämtliche Eintritte in Aus- und Weiterbildung von Arbeitslosen im Alter von 25 bis unter 35 Jahren zu. Und zwar unabhängig davon, ob jemand auf eine bestehende Ausbildung noch einmal draufsattelt oder tatsächlich eine Erstausbildung beginnt. Bildung lohnt immer. Aber jede geförderte Weiterbildung einfach mit dem Label „Spätstarter“ zu versehen, ist Etikettenschwindel mit starker Tendenz zum Täuschungsversuch.

Das Vorgehen der Bundesregierung ist nicht nur politisch unsauber, sondern verschleiert auch den tatsächlichen Problemdruck. Das Ziel der Kampagne „Spätstarter gesucht“ ist richtig. Junge Menschen ohne abgeschlossene Berufsausbildung müssen umfassend dabei unterstützt werden, einen Abschluss nachzuholen. Jede aufgenommene Weiterbildung ist ein Gewinn. Die bisherigen Ergebnisse zeigen aber auch, wie mühselig dieser Prozess ist und wo seine Grenzen liegen. Es ist nicht nur ausgesprochen schwierig, junge Arbeitslose zu einer Weiterbildung mit Abschluss zu motivieren, fast jede vierte Weiterbildung wird auch wieder abgebrochen.

Schönfärberei verhindert Verbesserungen

Die Schönfärberei der Bundesregierung verhindert wichtige Weichenstellungen. Seit geraumer Zeit fordert sowohl die Wissenschaft als auch zum Beispiel der Deutsche Gewerkschaftsbund monatliche Bildungs- und Prüfungsprämien für Arbeitslose, die sich weiterbilden. Dadurch soll mehr Menschen die Aufnahme einer Weiterbildung ermöglicht und die Abbruchquote gesenkt werden. Doch die Bundesregierung prüft diesen Vorschlag seit einer gefühlten Ewigkeit. Konkrete Verbesserungen wie im Koalitionsvertrag versprochen kann sie nicht vorweisen und stellt sie auch nicht in Aussicht.

Die beste aller Lösungen ist aber zu verhindern, dass immer noch Jahr für Jahr so viele junge Menschen ohne Ausbildung in das Erwerbsleben starten, denn fast jeder dritte junge Mensch in Deutschland geht auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz leer aus. Das Gebot der Stunde ist daher eine echte Ausbildungsgarantie, mit der das Recht auf Bildung mit Leben erfüllt wird.

Mehr zum Thema Arbeit

Dieser Artikel ist älter als zwei Monate, deshalb werden keine Kommentare mehr angenommen.

4394527