ArbeitszeitpolitikDamit Arbeit gut ins Leben passt

Die Wünsche der Menschen sind vielfältig. Viele wollen mal durchatmen, wünschen sich neben dem Job mehr Zeit mit den Kindern, wollen sich in Ruhe um die gebrechlichen Eltern kümmern oder ehrenamtlich mit Geflüchteten arbeiten. Gleichzeitig gibt es viele Beschäftigte, vor allem Frauen, die gerne mehr arbeiten möchten, als sie es derzeit tun – sei es, um beruflich (neu) durchzustarten, weil die Kinder aus dem Haus sind, oder weil sie sich mehr Verantwortung und Verdienst wünschen.

Die Zeit ist reif für eine neue Arbeitszeitkultur. Bestehende Arbeitszeitmodelle sind häufig zu starr. Viele Beschäftigte wollen deshalb mehr Zeitsouveränität, um Erwerbsarbeit und Privatleben besser unter einen Hut zu bekommen. Bisher haben vor allem die Arbeitgeber Ansprüche an die Flexibilität ihrer Angestellten gestellt. Doch Flexibilität ist keine Einbahnstraße, sondern ein Geschäft auf Gegenseitigkeit. Statt starrer Arbeitszeitmodelle braucht es mehr Beweglichkeit.

Flexibles Arbeiten ist im besten Falle so ausbalanciert, dass sowohl Beschäftigte als auch Betriebe davon profitieren. Deshalb wollen wir eine größere Mitsprache der Beschäftigten über den Umfang, die Lage und den Ort ihrer Arbeit. Wenn Beschäftigte mitentscheiden können, wieviel sie arbeiten, wann der Arbeitstag beginnt, wann er endet und ob an manchen Tagen Homeoffice besser passt, dann können sie Beruf und Familie besser vereinbaren. Zufriedene Beschäftigte sind produktiver, weniger gestresst, gesünder und enger an ihren Arbeitgeber gebunden. Wenn Arbeit besser ins Leben passt, dann können auch all jene, die mehr arbeiten möchten, ihren Arbeitsumfang ausweiten.

Beweglichere Arbeitszeiten

Um Beschäftigten mehr Mitsprache über den Umfang ihrer Arbeit zu ermöglichen, wollen wir Vollzeit neu definieren und zu einem flexiblen Arbeitszeitkorridor umzugestalten. Mit einer Wahlarbeitszeit zwischen 30 und 40 Wochenstunden kann die Arbeitszeit bedarfsgerecht nach oben oder unten angepasst werden, sofern keine dringenden betrieblichen Gründe dagegensprechen. Gleichzeitig wird der Rechtsanspruch auf Teilzeit endlich um ein Rückkehrrecht auf den vorherigen Stundenumfang ergänzt. Damit wird die Grenze zwischen Teilzeit und Vollzeit durchlässiger und eine partnerschaftliche Aufteilung der Erwerbs- und Familienarbeit einfacher. Neben größeren individuellen Mitspracherechten über das Wieviel, Wann und Wo der Arbeit wollen wir auch die betriebliche Mitbestimmung stärken, um spezifische Lösungen für eine bessere Vereinbarkeit und mehr Zeitsouveränität zu erreichen.

Schutz vor Stress und Entgrenzung der Arbeit

Gleichzeitig gehört zu einer neuen Arbeitszeitkultur auch ein wirksamer Schutz vor Stress und entgrenzter Arbeit. Für viele hat sich das Leben beschleunigt und verdichtet – privat und beruflich. Mobile Kommunikationsmittel lassen die Grenze zwischen Arbeit und Freizeit verschwimmen. Vertrauensarbeitszeit verdrängt die exakte Arbeitszeiterfassung. Viele Beschäftigte arbeiten abends, nachts oder an Wochenenden. Auch Überstunden sind für viele eher die Regel als die Ausnahme. Wir wollen daher, dass Beschäftigte effektiv vor entgrenzter Arbeit geschützt werden. Zeitsouveränität darf nicht zu Überforderung, psychischen Belastungen und unbezahlter Mehrarbeit führen, sondern sollte zu mehr Lebensqualität. Deshalb müssen die Rechte der Betriebs- und Personalräten ausgebaut werden. Sie sollen Werkzeuge an die Hand bekommen, um geeignete und passgenaue betriebliche Lösungen gegen Stress durch ständige Erreichbarkeit und Arbeitsverdichtung zu entwickeln.

Zeitsouveränität auch für Beschäftigte mit besonders starren oder wenig geregelten Arbeitszeiten

Notwendig ist es im Rahmen einer neuen Arbeitszeitkultur aber auch, Arbeitsformen in den Blick zu nehmen, die bislang den Beschäftigten besonders wenig Freiheiten ermöglichen – also Schichtarbeit und Arbeit auf Abruf. Auch diese Beschäftigten sollen mehr Zeitsouveränität erhalten.

Es ist an der Zeit, Beschäftigten endlich mehr Einfluss auf ihre Arbeitszeit zu geben. Passgenaue Arbeitszeitarrangements verbessern die Lebensqualität und sorgen dafür, dass Arbeit gut ins Leben passt. Denn Arbeitszweit ist Lebenszeit.

Grüner Antrag

Die grüne Bundestagsfraktion hat am 27. April 2016 den Antrag Mehr Zeitsouveränität, damit Arbeit gut ins Leben passt in den Deutschen Bundestag eingebracht.

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3 Kommentare
realitätsferne Träumereien-2
h.g. 01.05.2016

Was den obigen Artikel anbelangt, so ist dies ein wirres Traumgebilde, dass eigentlich nur jemand geschrieben haben kann, der nach Schule und Studium in die Parteiarbeit gegangen ist. Hier haben wohl mal wieder ideologische Fantasien über die Vernunft gesiegt. Vergessen wird, dass nicht jeder
Mitarbeiter gleichwertig einzusetzen ist, so dass es hier schon zu Problemen kommt, wenn eine sinnvolle Mischung der Fähigkeiten nicht gegeben ist. Durch über 50 Jahre Berufserfahrung, sowie noch mit 70 berufstätig (kein 450€ Job) wage ich zu behaupten, dass die Forderungen im obigen Artikel zumindest mit Blick auf Handwerks-, o.ä. Betriebe unrealistisch sind.

realitätsferne Träumereien-3
h.g. 01.05.2016

Verfolgt man das Video mit der Bundestagsabgeordneten Pothmer vom 28.04.2016 über die
Arbeitszeit, so kann man über deren Rede, sowie deren naiven Schlussfolgerungen nur den Kopf schütteln. Betrachtet man ihre Vita, so dürfte sich hieraus ihre Ahnungslosigkeit über den Berufsalltag erklären. Da in ihrer Rede, sowie in dem obigen Artikel vom 26.04.2016 u.a. von Homeoffice die Rede ist, darf wohl angenommen werden, dass handwerksgeprägte Betriebe ohne Homeoffice-Möglichkeit bei den Grünen kaum eine Rolle spielen, da die Abgeordneten aufgrund ihres Werdegangs nur selten, bzw. keinen Bezug hierzu haben, aber hierzu Entscheidungen darüber treffen wollen.

Gelogen
123 02.05.2016

Die Grünen waren mit dabei, als mit Hartz IV das Lohnniveau in Deutschland gesenkt wurde. Darum glaube ich keinem Grünen, wenn er mir erzählt, dass er Arbeitsbedingungen verbessern will. Für ein "sozialeres Deutschland" hat die SPD 1998 gestritten. Wir haben das Gegenteil bekommen. Der Atomausstieg wurde verzögert und Rot-Grün führte einen völkerrechts - und verfassungswidrigen Krieg. Seitther ist die grüne Partei eine Zombie-Partei, eine sinnentleerte Hülle, die nur noch Macht und Pöstchen giert.

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