Geförderte BeschäftigungLangzeitarbeitslose brauchen Perspektiven

Ein Mann auf einer Treppe

Was auf den ersten Blick verständlich scheint, ist beim genaueren Hinsehen manchmal regelrecht fahrlässig. In Deutschland gibt es seit Jahren eine große Zahl an Langzeitarbeitslosen - Menschen, die länger als ein Jahr arbeitssuchend sind. Derzeit liegt diese Zahl bei über einer Million. Anders als die wirtschaftliche Entwicklung vermuten lässt, ist dieser Wert über Jahre ziemlich stabil.

400.000 ohne Perspektive

Für bis zu 400.000 Langzeitarbeitslose besteht in absehbarer Zeit keine realistische Perspektive auf dem regulären Arbeitsmarkt. Um ihnen trotzdem gesellschaftliche Teilhabe und Beschäftigung zu ermöglichen, gibt es Instrumente der öffentlich geförderten Beschäftigung. Doch diese wurden durch die Bundesregierung in den letzten Jahren massiv zusammengekürzt. Zum Vergleich: Seit 2010 sank die Zahl der Langzeitarbeitslosen um sieben Prozent, die öffentlich geförderten Beschäftigungsverhältnisse dagegen wurden um 56 Prozent zurückgefahren.

Dass das so weitergeht, ergab unsere kleine Anfrage an die Bundesregierung. Bis September enden 93 Prozent aller Ein-Euro-Jobs und 58 Prozent der Förderung von Arbeitsverhältnissen. Die sogenannte Bürgerarbeit läuft bis Ende des Jahres komplett aus. Dank einer schwarz-gelben Gesetzesänderung dürfen diese Arbeitsverhältnisse über 2 Jahre hinaus nicht verlängert werden. Viele der bisher Geförderten landen damit wieder in der Arbeitslosigkeit ohne absehbare Perspektive.

Was tut die Bundesregierung gegen diesen selbstverschuldeten Missstand? Sie startet ein neues ESF-Strohfeuer. Wenn sie für das geplante Programm 30.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer prognostiziert, ist das nicht mehr als Wunschdenken angesichts der überaus erfolglosen Instrumente, die dem Programm zugrunde liegen sollen.

Die Kürzungen am Arbeitsmarkt gehen zulasten der Schwächsten am Arbeitsmarkt.

Damit wird sich mit dieser Bundesregierung nichts ändern. Was sie plant, ist nicht mehr als ein Feigenblatt. Ein neues befristetes Sonderprogramm wird niemandem eine langfristige Teilhabe am Arbeitsmarkt eröffnen. Stattdessen fordern wir einen dauerhaft ausfinanzierten Sozialen Arbeitsmarkt für diejenigen, die perspektivisch keine Chance auf reguläre Jobs haben. Während die SPD solches noch im Wahlkampf versprochen hat, zeigt sich nun, dass die Arbeitslosen leider auch bei Schwarz-Rot keine Lobby haben.

Mehr zum Thema Arbeit

Dieser Artikel ist älter als zwei Monate, deshalb werden keine Kommentare mehr angenommen.

4391358