Kleine AnfrageTeilzeit: zu häufig, zu klein, oft unfreiwillig

Eine Reinigungskraft schiebt einen Putzwagen über einen Flur.

Die Teilzeitbeschäftigung ist in Deutschland auf dem Vormarsch. Aber in vielen Fällen entspricht das nicht den Wünschen der Beschäftigten. Mehr als die Hälfte der Minijobber und über 40 Prozent der regulär Teilzeitbeschäftigten wollen mehr arbeiten. Die Ausweitung der Arbeitszeit, die sich auch finanziell lohnt, bleibt jedoch für die meisten von ihnen ein unerfüllter Wunschtraum. Angesichts von mindestens elf Millionen Teilzeitbeschäftigten in Deutschland liegen daher erhebliche Potenziale zur Sicherung des Fachkräftebedarfs brach. Trotzdem unternimmt Arbeitsministerin Nahles nichts, damit Beschäftigte ihre Arbeitszeitwünsche besser realisieren können.

Betroffen sind sowohl Männer als auch Frauen. Allerdings sitzen mehr Frauen in der Teilzeitfalle, denn insbesondere für sie sorgt das Zusammenspiel von Minijobs, Ehegattensplitting und fehlender Zeitsouveränität von Beschäftigten für große Hürden beim Übergang von geringfügiger in sozialversicherungspflichtige Beschäftigung.

Entwicklung von Teilzeit in Deutschland

Das „deutsche Jobwunder“ ist ein Teilzeiteffekt - vor allem für Frauen. Während die Zahl der beschäftigten Frauen seit 1991 um 21 Prozent stieg, wuchs gleichzeitig das von ihnen geleisteten Arbeitsvolumen nur um vier Prozent. Es teilen sich also immer mehr Frauen ein nahezu gleich gebliebenes Arbeitsvolumen

Die kleine Teilzeit, also Beschäftigungsverhältnisse mit weniger als 15 Wochenstunden, ist in Deutschland sehr stark vertreten. Fast ein Drittel aller Teilzeitbeschäftigungsverhältnisse gehörten 2013 zur kleinen Teilzeit. Dabei dürfte es sich meist um Minijobs handeln, die zu zirka zwei Dritteln von Frauen ausgeübt werden.

Teilzeit - Wunsch und Wirklichkeit

Teilzeitbeschäftigung ist nicht per se schlecht. Teilzeit kann helfen, berufliche und familiäre Verpflichtungen miteinander zu vereinbaren oder bei gesundheitlichen Einschränkungen weiter im Erwerbsleben aktiv zu bleiben. Problematisch ist aber, dass viele Beschäftigte nicht freiwillig so wenig arbeiten. Dies wird besonders deutlich bei den Minijobbern. Mehr als die Hälfte dieser geringfügig Beschäftigten wünscht sich eine deutlich höhere Wochenarbeitszeit. Im Durchschnitt beträgt die Diskrepanz zwischen gewünschter und vereinbarter Arbeitszeit sechs Stunden pro Woche bei Frauen und sieben Stunden bei Männern. Auf der anderen Seite wünschen sich rund 20 Prozent der vollzeitbeschäftigten Menschen eine Reduzierung ihrer Arbeitszeit.

Arbeitsministerin ohne Ehrgeiz

Trotz dieser eindeutigen Befunde zeigt Arbeitsministerin Nahles keinen Ehrgeiz, etwas an der Situation zu ändern. Zwar hat sie es bei der Vorstellung des „Fortschrittsberichts 2014 zum Fachkräftekonzept“ noch als zentrale Herausforderung bezeichnet, „Frauen, die ihre Arbeitszeit ausweiten wollen, mit bedarfsgerechten Angeboten an Betreuungsplätzen und flexiblen Arbeitszeiten zu unterstützen“. Aber selbst die Weiterentwicklung des Teilzeitrechts – eines der wenigen konkreten Projekte dazu im schwarz-roten Koalitionsvertrag – verfolgt Nahles nicht mit Nachdruck. „Die Bundesregierung wird die im Koalitionsvertrag vereinbarten Maßnahmen in dieser Wahlperiode umsetzen“, heißt es lapidar als Antwort auf die grüne Frage, wann damit zu rechnen sei. Engagiert klingt anders. Neue Impulse, durch die Beschäftigte mehr Einfluss auf ihre Arbeitszeit und -gestaltung gewinnen können, sind von dieser Bundesregierung nicht zu erwarten.

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