Bundesagentur für ArbeitVermittlung Arbeitsloser in Leiharbeit bleibt zu hoch

Ein Mann verlässt eine Filiale der Bundesagentur für Arbeit

Nach wie vor müssen sich über ein Drittel aller Arbeitslosen, die von Arbeitsagenturen und Jobcentern vermittelt werden, mit einer Leiharbeitsbeschäftigung zufrieden geben. Das hat die Antwort der Bundesregierung auf eine grüne Anfrage ergeben. Von einer echten Trendwende bei der Arbeitsvermittlung kann keine Rede sein. Zwar sank der Anteil der Vermittlungen in Leiharbeit in den letzten Jahren leicht. Seit 2013 stagniert er aber wieder auf hohem Niveau. Betroffen sind Arbeitslosengeld I und II-Bezieher.

Weniger Leiharbeit, mehr Vermittlung in Jobs mit Perspektive müsste das Ziel von Bundesregierung und Bundesagentur sein. Doch davon ist bisher nichts zu sehen. Wenn über 30 Prozent der Arbeitslosen in einen Wirtschaftszweig vermittelt werden, in dem lediglich 2,5 Prozent der abhängig Beschäftigten arbeiten, dann zeugt das von einem eklatanten Missverhältnis. Dies gilt insbesondere, wenn man berücksichtigt, dass Arbeitsverhältnisse in der Leiharbeit oft nur von kurzer Dauer und zudem Niedriglöhne in der Branche verbreitet sind. Außerdem gelingt vormals Arbeitslosen der Übergang von Leiharbeit in eine reguläre und dauerhafte Beschäftigung viel zu selten.

Drehtür zurück in die Arbeitslosigkeit

Besonders deutlich wird dies im Bereich der Grundsicherung. Nach sechs Monaten sind bereits 40 Prozent der Vermittelten nicht mehr sozialversicherungspflichtig beschäftigt und zum großen Teil wieder arbeitslos. Vor Ablauf eines Jahres sind es sogar 54 Prozent. Sie sind dann sofort oder nach kurzer Zeit wieder im Arbeitslosengeld-II-Bezug, weil die Zeit der Beschäftigung nicht ausreichte, um einen Anspruch auf die Versicherungsleistung Arbeitslosengeld aufzubauen. Leiharbeit ist für sie keine Brücke in dauerhafte Beschäftigung, sondern eine Drehtür zurück in Arbeitslosigkeit.

Alarmierend ist darüber hinaus, dass der Anteil derjenigen, die nach einem Jahr noch in sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung sind, um fast 10 Prozent gesunken ist. Leiharbeit ist also alles andere als nachhaltig.

Mit einer nachhaltigen Arbeitsintegration hat der hohe Vermittlungsanteil in Leiharbeit also nichts zu tun. Hier hat die Bundesagentur für Arbeit ihr selbstgestecktes Ziel noch lange nicht erreicht. Der Ansatz „Hauptsache Arbeit“ darf mindestens bei den Arbeitslosen, die für eine stabile Beschäftigung eine Qualifizierung benötigen, keinen Vorrang mehr haben.

Die Arbeitsagenturen und Jobcenter müssen mehr in Arbeitslose investieren und mit einer besseren Begleitung dafür sorgen, dass Arbeitslose auf Dauer in den Arbeitsmarkt integriert werden und nicht wie bisher nach kurzen Leiharbeitsphasen wieder arbeitslos werden. Die bisherige Art von „on-/off-Beschäftigung“ muss endlich ein Ende haben.

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