Kleine Anfrage Sonn- und FeiertagsarbeitWem gehören Mutti und Papi am Sonntag?

„Samstags gehört Vati mir!“ Mit diesem Slogan warben die Gewerkschaften in den 50er Jahren für Arbeitszeitverkürzungen. Heute rückt die Arbeit an Sonn- und Feiertagen wieder auf die politische Agenda. Denn laut Statistik arbeiten immer mehr Menschen, wenn andere frei haben.

Die Kleine Anfrage, die wir dazu an die Bundesregierung gestellt haben, ergab: 25,8 Prozent aller abhängig Beschäftigten haben im Jahr 2013 gelegentlich, regelmäßig oder ständig an Sonn- und Feiertagen gearbeitet. Zehn Jahre zuvor waren es noch 22,7, Prozent.

Dennoch findet die Bundesregierung, Sonn- und Feiertagsarbeit sei „nach wie vor eine Ausnahme“. Dabei ist Sonntagsarbeit inzwischen beileibe kein Einzelfall mehr. Wenn ein Viertel aller Beschäftigten zumindest gelegentlich an Sonn- und Feiertagen arbeitet, dann sind sogar noch weitaus mehr Menschen in Deutschland davon betroffen. In vielen Haushalten sind Mutti oder Vati eben nicht jeden Sonntag da.

Dabei ist auch der Bundesregierung klar, und sie zitiert dabei eine Urteilsbegründung des Bundesverfassungsgerichts: Die Sonn- und Feiertagsgarantie „dient der physischen und psychischen Regeneration. Der zeitliche Gleichklang einer für alle Bereiche regelmäßigen Arbeitsruhe ist ein grundlegendes Element für die Wahrnehmung der verschiedenen Formen sozialen Lebens. Das betrifft vor allem die Familien, insbesondere jene, in denen es mehrere Berufstätige gibt.“

Das Arbeitszeitgesetz enthält zu Recht einen grundsätzlichen Schutz der Sonntagsruhe. Vor dem Hintergrund, dass arbeitsbedingte psychische Erkrankungen kontinuierlich ansteigen, ist es besonders deutlich, dass Menschen Zeit mit ihren Familien und Freunden und außerdem ausreichend lange Ruhephasen benötigen, um sich vom steigenden Stress im Arbeitsalltag zu erholen.

Erst im vergangenen November entschied das Bundesverwaltungsgericht, dass die vom Land Hessen erlassenen Ausnahmegenehmigungen zur Sonn- und Feiertagsarbeit nichtig sind, soweit sie die Arbeit in Videotheken und Bibliotheken, in Callcentern und in Lottogesellschaften erlauben. Die Bundesregierung behauptet in ihrer Antwort zwar, sie begrüße das Urteil ausdrücklich, doch Konsequenzen zieht sie daraus nicht. Das ist gerade vor dem Hintergrund der zunehmenden psychischen Erkrankungen allzu bequem. Denn die Sonntagsruhe ist eine der Stellschrauben, wenn es um die psychische Gesundheit der Menschen geht.

Es wäre also höchste Zeit, dass die Regierung das Gerichtsurteil zum Anlass nimmt, die gesetzlichen Ausnahmen, die Sonn- und Feiertagsarbeit ermöglichen, kritisch zu überprüfen. Nur bequem auf die Bundesländer zu verweisen, ist zu wenig.

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