Endlagersuche

Aus Erfahrungen lernen

Ein Bergmann geht im Erkundungsbergwerk Gorleben (Niedersachsen) durch einen Stollen.

Am 5. und 6. Dezember 2014 kam die Endlagersuchkommission zusammen, um über internationale Erfahrungen in der Endlagersuche und über die Ergebnisse des Arbeitskreis Auswahlverfahren für Endlagerstandorte (AkEnd) zu beraten.

Tag 1: Anhörung „Internationale Erfahrungen“

Die Anhörung „Internationale Erfahrungen“ mit ihren 11 geladenen Sachverständigen aus unterschiedlichen Fachrichtungen spiegelte eine große Bandbreite an Erfahrungen wider und zeigte einmal mehr, dass die Endlagersuche nur in einem interdisziplinären Verfahren umgesetzt werden kann. Die Vorträge der einzelnen Experten befassten sich mit den Fragen der Wirtsgesteine und der rechtlichen Rahmenbedingungen sowie mit der Umsetzung von Bürgerbeteiligung, Kriterien für eine erfolgreiche Endlagersuche und internationale Forschungsprogramme im Bereich Endlagerung. Die Kommission erhielt außerdem einen ersten Einblick in das Endlagersuchverfahren der Schweiz. Es waren sowohl Vertreter des Schweizer Bundesamtes für Energie (BFE) als auch der deutschen Begleitgruppe der Expertengruppe Schweizer Tiefenlager (EschT) anwesend.

Ohne Öffentlichkeitsbeteiligung geht es nicht

In der Anhörung wurde deutlich, dass es sich bei der Suche nach einem Endlager für hoch radioaktive Abfälle um ein hochkomplexes und konfliktbehaftetes Projekt handelt und es noch in keinem Teil der Welt dazu kam, dass ein solches Endlagers tatsächlich in Betrieb genommen wurde. Lange Zeit hatten viele Länder versucht, die Standortauswahl von oben herab zu diktieren - ohne Berücksichtigung der Interessen und Sorgen der Bevölkerung. Dies führte zu einer Reihe an gescheiterten Endlagerprojekten aber auch zu Neuanfängen. Heutzutage gibt es unterschiedliche Herangehensweisen an die Endlagersuche. Es besteht jedoch Einigkeit darüber, dass ein Endlagersuchprozess nur unter Beteiligung der Öffentlichkeit zum Erfolg führen kann und dass die Kosten der Endlagersuche von den Verursachern zu tragen sind. Die skandinavischen Länder Schweden und Finnland setzen auf die Freiwilligkeit der Bevölkerung und planen die Errichtung von Endlagern an Standorten, die schon über ein AKW verfügen. Frankreich versucht durch die Einrichtung einer Pilotbetriebsphase dem öffentlichen Druck in gewissem Maße nachzugeben, in Großbritannien ist das Freiwilligkeitsmodell gescheitert und es wurde eine interdisziplinäre Kommission für die Gestaltung der Planungsphase eingesetzt (Committee on Radioactive Waste Management - CoRWM).

Die Schweiz als Vorbild?

Besonders interessant ist das Schweizer Modell: Während es in Deutschland nie zu der Umsetzung des AkEnd-Berichtes gekommen ist, haben sich die Schweizer stark an dem AkEnd-Konzept orientiert und können schon erste wichtige Erfahrungen im positiven wie im negativen Sinne aus der Praxis beisteuern.

Sicherheit vor Freiwilligkeit

Die Sachverständigen waren sich einig, dass das Konzept der Freiwilligkeit in Deutschland nicht im gleichen Maße wie in Skandinavien angewendet werden kann. In Skandinavien gibt es nur ein potentielles Wirtsgestein (Granit) und die Sicherheitssituation ist in allen Teilen der Region ungefähr gleich, während das Wirtsgesteinsvorkommen in Deutschland weitaus vielseitiger ist. Sicherheit sollte deshalb oberstes Kriterium zur Auswahl eines Standortes sein. Uneinig waren sich die Experten in der Frage, ob die Endlagerproblematik möglichst schnell und abschließend gelöst werden sollte, um nachfolgende Generationen nicht weiter zu belasten, oder ob die Endlagersuche als lang andauernder Prozess auf der Suche nach der besten Lösung gesehen werden sollte, um das Konzept stetig an den Stand von Wissenschaft und Technik anpassen zu können.

Die Kommission wird nun in einem nächsten Schritt entscheiden, welche Endlagersuchprojekte sie genauer vor Ort betrachten möchte und zu welchen Ländern es weitere Anhörungen geben soll.

Tag 2: Anhörung „AkEnd“

Da drei Kommissionmitglieder bereits Teil des Expertenkreises AkEnd waren, übernahmen sie die Vorstellung der Arbeitsweise und der Ergebnisse des AkEnd. Dr. Detlef Appel gab einen Einblick in die geowissenschaftlichen Kriterien und den im Bericht vorgeschlagenen Verfahrensverlauf für eine Endlagersuche. Michael Sailer konzentrierte seinen Vortrag auf die sozialwissenschaftlichen Aspekte des AkEnd-Berichtes. Laut Sailer hatte die Aufgabenstellung des AkEnd zunächst einen rein technisch-naturwissenschaftlichen Fokus. Es habe sich in den Beratungen jedoch schnell herausgestellt, dass es in der Endlagersuche auch sozialwissenschaftlicher Kriterien bedarf (darunter Öffentlichkeitsbeteiligung, Regionale Entwicklung und Raumplanung). Prof. Dr. Bruno Thomauske referierte über die Arbeitsweise des AkEnd sowie den Zeitbedarf Endlagersuche und Inbetriebnahme. Zuletzt gab Hartmut Gaßner als Vorsitzender der AG1 „Öffentlichkeitsbeteiligung“ der Endlagersuchkommission einen Einblick in die Vorschläge für Öffentlichkeitsbeteiligungsinstrumente, die von der Kommission während ihrer Arbeitsphase übernommen werden könnten.

„Man muss das Rad nicht neu erfinden“

In der anschließenden Diskussion wurde deutlich, dass der AkEnd-Bericht eine gute Ausgangsbasis darstellt, auf die die Kommission in ihrer Arbeit aufbauen kann. Da das Konzept jedoch vor mehr als zehn Jahren erstellt wurde, ist es an heutige gesellschaftspolitische und technisch-wissenschaftliche Rahmenbedingungen anzupassen. In Bezug auf den Zeitbedarf für die Endlagersuche und mögliche Beschleunigungsmaßnahmen wurde in der Kommission noch kein abschließender Konsens erzielt. Es wurde aber deutlich, dass eine Beschleunigung des Zeitplans unter keinen Umständen zu einer Einschränkung der Sicherheit führen darf. Sicherheit hat oberste Priorität im Endlagersuchprozess. Wir unterstützen außerdem einen Zeitplan, der eine breite Öffentlichkeitsbeteiligung, Fehlerkorrekturen und Rücksprünge ermöglicht.

Nächste Sitzung im neuen Jahr

Die nächste Kommissionssitzung findet am 19. Januar 2015 statt. Die Kommission wird eine erste Bilanz ihrer Arbeit ziehen und ihr Arbeitsprogramm für das erste Halbjahr 2015 strukturieren. Außerdem wird es eine Aussprache zur Abfallbilanz des Bundesumweltministeriums geben.

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