Grenznahe AKWVorsicht, AKW in der Nachbarschaft!

Atomkraftwerk Grafenrheinfeld in der Nähe von Schweinfurt (Bayern, Unterfranken)

Viele europäische Atomkraftwerke sind deutlich schlechter, als durch den sogenannten AKW-Stresstest der EU suggeriert wurde. Das ist der Ergebnis einer Anfrage der Bundestagsfraktion B90/Grüne. Die Antworten der Bundesregierung werfen ein Schlaglicht auf ein paar für die (Un-)Sicherheit relevante Aspekte ausländischer AKW, die vom Stresstest ausgeklammert wurden.

Die Bundesregierung hat diverse Schwächen benannt. Insbesondere müssen in vielen AKW von den Systemen zur Störfallbeherrschung anders als hierzulande nicht zwei in Reserve vorgehalten werden, sondern nur eins. Dort gibt es also nur halb so viele Sicherheitsreserven. Das Risiko, dass es beim Sicherheitssystem-Ausfall zum Unfall kommt ist deutlich größer.

Beispiele länderspezifischer Schwachstellen

Belgien

  • Zur Beherrschung bestimmter Störfälle sind in den AKW Doel-1 und -2 und Tihange-1 kurzfristig (in den ersten 30 Minuten) Eingriffe der Betriebsmannschaft erforderlich => zusätzlicher Risikofaktor.

Frankreich

  • In allen französischen AKW ist nur ein Sicherheitssystem in Reserve vorhanden.
  • Zur Beherrschung bestimmter Störfälle sind kurzfristig (in den ersten 30 Minuten) Eingriffe der Betriebsmannschaft erforderlich => zusätzlicher Risikofaktor.
  • So gut wie kein Schutz gegen Flugzeugabstürze.

Niederlande

  • Das einzige niederländische AKW, Borssele, ist ein deutscher Druckwasserreaktor der gleichen Baulinie wie Biblis, Neckarwestheim 1 oder Unterweser. Also die Baulinie, die hierzulande nach Fukushima aus gutem Grund sofort stillgelegt wurde.

Schweiz

  • In drei der vier schweizer AKW, nämlich Beznau, Leibstadt und Mühleberg, ist nur ein Sicherheitssystem in Reserve (redundant) vorhanden.
  • Schutz gegen Flugzeugabstürze bei Beznau, Leibstadt und Mühleberg fraglich.

Tschechien

  • Keine gefilterte Druckentlastung, also auch nicht im grenznahen AKW Temelin 1 und 2.

Grüne Forderungen

Aus gutem Grund wurden nach Fukushima die 8 anfälligsten AKW in Deutschland sofort stillgelegt. Einige AKW in Europa, gerade auch grenznahe zu uns, sind in einem ähnlich schlechten Zustand. Die Bundesregierung muss sich stärker für die umgehende Abschaltung der grenznahen Risiko-AKW einsetzen.

Die Bundesregierung muss sich generell endlich konsequent für den Schutz der deutschen Bevölkerung vor den Gefahren ausländischer, AKW engagieren, anstatt weiter aus diplomatischer Hasenfüßigkeit die Augen vor den gravierenden Schwachstellen dieser AKW zu verschließen. Das gilt insbesondere für grenznahe AKWs. Die Bundesregierung muss dafür die bestehenden bilateralen Kommissionen zu Nuklearsicherheit engagierter nutzen. Mit Belgien gibt es unerklärlicherweise noch gar kein Nuklearsicherheitsabkommen, hier muss als erstes eines abgeschlossen werden.

Energiekommissar Günter Oettinger, der immer noch vom AKW-Neubau in Europa träumt und von Brüssel aus die deutsche Energiewende schlecht redet, ist eine Fehlbesetzung. Es darf kein Atom-Fan mehr der zuständige Kommissar für die Atom-Sicherheit in der EU sein.

Außerdem muss die Bundesregierung verhindern, dass die Novelle der EU-AKW-Sicherheitsrichtlinie verwässert wird. Bei den AKW-Sicherheitsstandards der EU darf es keine Abstriche geben!

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