Infotour ZusammenhaltenBauen gegen Wohnungsnot?

Die grüne Bundestagsfraktion informiert auch vor Ort über ihren Themenschwerpunkt Zusammenhalten: Im Rahmen einer Infotour mit mehreren Etappen diskutieren grüne Abgeordnete das Thema mit Expertinnen und Experten und Interessierten. Am 15. November 2016 startete die Tour in Düsseldorf.

Bauen gegen Wohnungsnot? Zusammenhalten im Quartier und soziale Durchmischung

Wo jemand wohnt, entscheidet heute über Chancen beim Bewerbungsgespräch, bei Kindern über die Kita oder die Schule, in die sie gehen, bei Alten über die Nachbarschaft. Wohnen ist mehr als Mieten. Wohnen bedeutet leben - und ist zu einer der gesellschaftlichen Fragen geworden.

In vielen Städten wird der Wohnraum knapp. Vor allem sozialer Wohnraum müsse jetzt wieder neu und zeitlich unbefristet geschaffen werden, forderte der Berliner Sozialwissenschaftler Andrej Holm. Dem widersprach der Immobilienwirtschaftler Michael Voigtländer. Über Wege aus der Wohnungsnot und mehr sozialen Zusammenhalt in lebendigen Nachbarschaften diskutierten beide mit Katrin Göring-Eckardt, Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen im Bundestag, in Düsseldorf.

Mehr sozialer Wohnraum

Es werde zu wenig neu gebaut, zu viele Sozialwohnungen seien verloren gegangen und würden privatisiert, kritisierte Holm. Ärmere Menschen würden so immer öfter an die Stadtränder verdrängt. Um das zu verhindern, brauche es mehr sozial gebundene Wohnungen, eine Mietpreisbremse, die wirkt und eine neue Wohngemeinnützigkeit.

Ist die neue Wohngemeinnützigkeit zielgenau?

Michael Voigtländer vom Institut der Deutschen Wirtschaft in Köln hingegen kritisierte, dass zu oft Menschen, die nicht bedürftig seien, sozialen Wohnraum erhalten. Eine Förderung müsse gezielter erfolgen. Dafür seien mehr Überprüfungen nötig. Auch die neue Wohngemeinnützigkeit sei zu wenig zielgenau, so Voigtländer. Das Wohngeld aufzustocken, halte er für vorteilhafter.

Soziale Lösung oder indirekte Wirtschaftsförderung?

Holm hielt entgegen, dass bereits fast 17 Milliarden Euro jährlich an öffentlichen Aufwendungen für Kosten der Unterkunft und Wohngeld ausgegeben werden - und trotzdem sozialer Wohnraum verloren gehe. Diese seien vielmehr eine indirekte Wirtschaftsförderung statt einer sozialen Lösung.

Die grüne Position

Um den Druck auf die Wohnungsmärkte zu mildern, sei auch die Nachverdichtung von Quartieren nötig, so Katrin Göring-Eckardt. Dem stünden zu oft rechtliche Hürden im Weg. Um bezahlbaren Wohnraum für alle zu schaffen, brauche es verschiedene Bausteine. Die grüne Bundestagsfraktion hat am 19. Oktober 2016 einen Antrag in den Bundestag eingebracht, der konkrete Maßnahmen nennt. Die neue Wohnungsgemeinnützigkeit ist dabei zentral.

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