Wohnkonferenz 2016Gutes Wohnen für alle – sozial, lebenswert, ökologisch

Seite 4: Lab 3: „Mit ökologischen Baustoffen – Bauen neu denken“

Der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Oliver Krischer leitete das Lab mit den Experten Hannsjoerg Pohlmeyer vom Holzbaucluster Rheinland-Pfalz und Professor Ludger Dederich von der Hochschule für Forstwirtschaft in Rottenburg. Er wies darauf hin, dass 20 bis 25 Prozent des Energieverbrauchs eines Gebäudes in seiner Lebensdauer allein für seine Herstellung gebraucht wird. Daher ist es auch wichtig, womit gebaut wird, denn die Produkte sind unterschiedlich klimafreundlich. Welche Instrumente brauchen wir, um aus Nische rauszukommen und welche Hemmnisse gibt es, damit ökologische Baustoffe Innovationstreiber sein können?

Nicht nur die Materialien selbst, sondern auch die Koordination und Bauintelligenz machten den Quadratmeterpreis aus. Die vorhandene Bausubstanz zu nutzen ist am ökologischsten. Es würde helfen, den Primärenergiefaktor für Holz zu erhöhen, um Gebäude mit Pelletheizung nicht künstlich grün zu rechnen, sondern das Holz dafür stärker für den Bau einzusetzen.

Das Bauordnungsrecht ist Ländersache. Es sollte evaluiert werden und nachwachsende Rohstoffe mitdenken. Eine Musterbauordnung des Bundes ist freiwillig, kann aber koordinierende Wirkung haben. Im Brandverhalten besteht kein Unterschied zwischen nachwachsenden Baustoffen wie Holz und mineralischen Materialien. Schon im Mittelalter wurden die besten baulichen Lösungen mit einem Mix von Materialien umgesetzt, zum Beispiel im Fachwerk. Der Holzbau hat auch keinen grundlegenden Zielkonflikt mit Gründächern. Es gibt noch zu viele Vorurteile.

Mit einer sehr guten Planung und auch seriellem Bauen kann man Kosten und Zeitrahmen massiv reduzieren. Allerdings braucht es mehr Kompetenz in der öffentlichen Verwaltung und in den Bauberufen bezüglich Holzbau, Lehmbau und anderen ökologischen Materialien und Bauweisen. Um nachwachsende Rohstoffe zu stärken, müssten sie gezielt gefördert werden, über die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) Programme (Natur Plus, oder Einsparung Grauer Energie) belohnen oder die Energieeinsparverordnung (EnEV). Auch Ausschreibungen und Vergaben, die Nachhaltigkeit und geringe graue Energie belohnen sind vorteilhaft. In England gibt es dazu die erfolgreiche Steuer auf CO2, die Carbon Tax.

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