Immobilienspekulation beendenKeine Steuerbegünstigung für Share Deals

Das Geschäft mit Immobilien und Land boomt. Seit 2009 ist das Transaktionsvolumen von 13,4 Milliarden Euro auf 79 Milliarden Euro in 2015 in die Höhe geschossen. Die Kaufpreise steigen in den gefragten Lagen immer mehr an. Um die ausufernde Spekulation zu beenden, haben wir einen Antrag in den Deutschen Bundestag eingebracht. Wir wollen die Steuerbefreiung großer Immobilienverkäufe in Form von Share Deals beenden.

Vor allem Bestandsimmobilien zirkulieren zunehmend zwischen wenigen großen Marktteilnehmern, ohne dass dabei Investitionen in den Erhalt oder die Modernisierung von Gebäuden garantiert wären. Die damit verbundenen spekulativen Preissteigerungen schlagen sich mehr und mehr in den Kauf- und Mietpreisen nieder.

Was sind Share Deals?

Immobilientransaktionen unterliegen eigentlich der Grunderwerbsteuer. Ausgenommen von der Grunderwerbssteuer sind jedoch Verkäufe von Anteile an Unternehmen (Shares), in denen die Grundstücke enthalten sind, sofern weniger als 95 Prozent der Unternehmensanteile erworben werden (Share Deal).

Davon profitieren insbesondere große Marktteilnehmer, die gerade um Grunderwerbsteuer zu vermeiden solche Share Deals durchführen, und mit maximal 94,9 Prozent gekauften Anteilen gerade unter der Grenze der Steuerpflicht bleiben. Das Ergebnis ist, dass gerade große Unternehmen bei solchen Geschäften keine Steuern zahlen.

Würden auch die Share Deals der Grunderwerbssteuer unterliegen, würden sich der Handel mit großen Immobilienbeständen und die Fusion großer Wohnungsunternehmen weniger lohnen. Die aus Verbrauchersicht hoch problematische Konzentration von Wohnungsbeständen in immer größeren Immobilienunternehmen würde eingeschränkt.

Steuervermeidung und Ungerechtigkeit

Durch Share Deals entgehen dem Staat Einnahmen in Millionenhöhe. Je nach Bundesland werden beim Verkauf von Flächen und Grundstücken zwischen 3,5 und 6,5 Prozent Grunderwerbssteuer fällig. Allein beim Verkauf des 150 Meter hohen Frankfurter Eurotowers, dem ehemaligen Sitz der Europäischen Zentralbank und jetzigem Sitz der Europäischen Bankenaufsicht, entgingen dem Land Hessen 29 Millionen Euro an Grunderwerbssteuern durch einen Share Deal. Gleichzeitig zahlt eine Familie, die in Frankfurt ein Haus für 300.000 Euro kauft, 18.000 Euro Grunderwerbssteuer. Die Zeche zahlen also Einzelpersonen, die keine aufwendigen Geschäftskonstruktionen wählen können.

Auf dem Land wirken bei Bodenverkäufen dieselben Marktmechanismen wie in der Stadt. Die Verkaufspreise sind in den letzten Jahren massiv gestiegen; die nutzbaren Flächen konzentrieren sich zunehmend bei wenigen großen Unternehmen und durch Share Deal-Konstruktionen werden diese Konzentrationsprozesse oftmals abgewickelt, ohne dass Grunderwerbssteuer fällig wird.

Antrag Spekulation mit Immobilien und Land beenden – Keine Steuerbegünstigung für Übernahmen durch Share Deals

Mehr zum Thema Bauen Wohnen Stadtentwicklung

Dieser Artikel ist älter als zwei Monate, deshalb werden keine Kommentare mehr angenommen.

4400615