Veranstaltungsreihe Grüne Stadt der ZukunftNürnberg: Bezahlbar wohnen in lebenswerten Nachbarschaften

Immer mehr Menschen zieht es in die Städte und Ballungszentren. Es gilt, Wohnen und Zusammenleben sozial gerecht und klimaschonend zu organisieren, um unsere Zukunft zu sichern. Der Wohnungsmarkt hält mit dieser Entwicklung nicht Schritt und vielerorts steigen die Mieten stark an, auch in der Metropolregion Nürnberg. Hier haben in den vergangenen Monaten zudem rund 9.000 Flüchtlinge Zuflucht gefunden. Nicht nur Flüchtlinge, auch junge Familien, Studierende und Geringverdienende sind dringend auf bezahlbaren Wohnraum angewiesen. Die Wohnungsmärkte in den Ballungsräumen sind seit Jahren chronisch überlastet.

In der Villa Leon in Nürnberg haben Anton Hofreiter und Chris Kühn mit Fachleuten und interessierten Bürgerinnen und Bürgern diskutiert: Wie kann Integration im Quartier gelingen? Wie wird Wohnraum bezahlbar? Und wie können wir trotz Wohnungsneubau grüne Freiflächen erhalten und lebenswerte öffentliche Räume schaffen?

Der Fraktionsvorsitzende thematisierte in seiner Begrüßung vor allem die geschichtliche Entwicklung, das heißt die heutigen Auswirkungen der Abschaffung der Gemeinnützigkeit im Wohnungswesen vor gut 25 Jahren, die Änderung der Siedlungsstrukturen mit einem verstärkten Zuzug in die Städte, und dem zunehmenden Druck auf den Wohnungsmarkt.

Die anschließende Diskussionsrunde, die von der Nürnberger Stadträtin Britta Walthelm moderiert wurde, eröffnete der Baureferent der Stadt Nürnberg, Daniel Ulrich, mit den Worten „ Die Lage ist ernst aber nicht hoffnungslos“ anhand aktueller Zahlen aus Nürnberg.

Andreas Eisele, Präsident des Landesverbandes Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen Bayern, vertrat die Ansicht, dass mit Abschreibungsmodellen und Mobilisierung von privatem Kapital viel für den Wohnungsbau getan werden könne. Letztlich, so Eisele, würde der Markt dann die nötigen Wohnungen bereitstellen.

Dem widersprach Chris Kühn, Sprecher für Bau- und Wohnungspolitik der Grünen im Bundestag. Denn solch eine steuerliche Sonderabschreibung ziele nicht auf günstige Wohnungen und erzeuge starke Mitnahmeeffekte. Er plädierte für ein anderes Modell, den grünen Vorschlag für eine „Neue Wohnungsgemeinnützigkeit“. Öffentliches Geld solle für öffentliche Güter bereitgestellt werden, nämlich Wohnungen mit dauerhafter Sozialbindung. Denn jedes Jahr verlieren derzeit 60.000 Wohnungen ihre Sozialbindung. So könne etwas für den günstigen Mietsektor in gemischten Quartieren getan werden, zugunsten finanziell Schwächerer, Familien, Geflüchteter, Studierender und älterer Menschen.
Anton Hofreiter verdeutlichte, viele neue Luxuswohnungen in den Metropolen würden nicht bewohnt, sondern seien Zweit- oder Drittwohnungen für Superreiche. Eine Förderung des günstigen Wohnungsmarktes, auf dem immerhin 50 Prozent der Bevölkerung sich um 10 Prozent des Marktes „streiten“, sei viel wichtiger als den Baumarkt allgemein anzukurbeln.

Alle Teilnehmer betonten die Wichtigkeit neuer Mobilität in der Stadt. Viel Potenzial liege in einer städtischen Radverkehrsstrategie, in Kombination mit Fahrradschnellwegen in die Peripherie. Auch der Bau kleiner Wohnungen könnte ein Lösungsbeitrag sein, was kontrovers diskutiert wurde.

Anton Hofreiter schlussfolgerte, ein „weiter so“ sei nicht angebracht. Die engagierte Debatte über die wohnungspolitischen Herausforderungen durch Klimakrise, Mangel an bezahlbarem Wohnraum und den Zuzug in die Städte sei eine Chance für unsere lebendige Demokratie.

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