FachgesprächWohnen und Integration im Quartier

Seite 3: Nachhaltiger Wohnungsbau

Hannsjörg Pohlmeyer vom Holzbaucluster Rheinland-Pfalz erläuterte, Massenunterkünfte seien nicht alternativlos. Die Diakonie empfehle, nicht mehr als 50 Personen pro Standort unterzubringen. Im Buch „Refugees Welcome“ von Prof. Friedrich liefere der Herausgeber mit seinen Studenten, darunter Migranten und Flüchtlinge, gute Ideen. Flüchtlinge könnten nahe an der Bildungsstätte, auf dem Hochschulcampus wohnen, und gleichzeitig mit ihrem Know-How und ihrer Tatkraft in den Bauprozess eingebunden werden. Ausbauhäuser und Gärten förderten die Integration. Modulares Bauen in 3D sei hoch anspruchsvoll. In Rheinland-Pfalz hätten daher Städte- und Gemeindebund und Finanzministerium eine Planung mit Finanzierungstool für Holz-Modulbauweise entwickelt, die ein normaler Holzbaubetrieb zugunsten regionaler Wertschöpfung umsetzen könne. Sie steht allen Kommunen zur Verfügung. Am Flughafen Hahn sei die Unterkunft im September erst geplant, im Dezember schon fertiggestellt worden, und zwar nicht als Wegwerfarchitektur sondern mit dauerhafter Folgenutzung. Die Landesbauordnung werde erneuert, um komplexe Standards bei gleicher Qualität zu vereinfachen.

Christian Schöningh, Architekt aus Berlin, kritisierte die übermäßige Größe (fünfhundert Personen) und ungleiche Verteilung der modularen Flüchtlingsbauten, die überwiegend am Berliner Stadtrand entstehen. Integration könne auch im Kiez gelingen. Es brauche dafür mehr bezahlbaren Wohnungsbau. Außerdem sollten Fördergelder nur für solche Investoren, die sich am Gemeinwohl orientieren, und zwar langfristig, nämlich Kommunale Wohnungsunternehmen und Genossenschaften, zur Verfügung stehen. Berlin hat 30 Millionen Euro für experimentelles Bauen ausgeschrieben. Schöningh realisiert in diesem Rahmen Projekte für Genossenschaften mit kleinen individuellen Wohnbereichen und größeren gemeinschaftlichen Räumen („Optionsräume“), zum Beispiel für Wohnküche, Spielzimmer, oder Co-Working-Space. Anders als in Kleinstwohnungen könne sich mit dieser neuen Aufteilung von privatem und öffentlichem Raum Nachbarschaft zum Miteinander wandeln. Es gelte, solche neuen Konzepte massentauglich zu machen. Auch leere Bürogebäude könnten genutzt werden: die Initiative Haus der Statistik in Berlin schlägt in dem ehemaligen Bürogebäude ein Zentrum für Geflüchtete zusammen mit sozialen und kreativen Nutzungen vor.

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