Teilhabe für Menschen mit hohem Unterstützungs-Bedarf Inklusion kennt keine Grenzen

Eine Frau in einem großen blauen Rollstuhl für schwere Behinderung. Ihre Hände sind verkrümmt. Daneben steht der Rollstuhl eines Mannes mit einem Joystick.

Es gab eine Tagung.
150 Menschen waren bei der Tagung.
Der Titel der Tagung war: Inklusion kennt keine Grenzen

Bei der Tagung ging es um Menschen mit schweren Behinderungen.
Es ging um die Frage: Welche Angebote gibt es für diese Menschen?
Welche Unterstützung brauchen sie?

Allen Menschen war schnell klar:
Diese Unterstützung gibt es bis jetzt noch nicht.
Viele Menschen mit schweren Behinderungen bekommen keine Angebote.
Das klappt noch nicht gut in unserer Gesellschaft.

Wie leben Menschen mit schweren Behinderungen in Deutschland?

Wir wollen viel erreichen in der Zukunft.
Alle Menschen mit Behinderung sollen ein gutes Leben haben.
Sie sollen Teil der Gesellschaft sein.
Aber jetzt ist das noch nicht so.
Vor allem nicht für Menschen mit schweren Behinderungen.
Eine Frau hinter einem Redenpult und spricht.Das hat Professor Doktor Monika Seifert erzählt.
Sie ist die Chefin der Deutschen Heilpädagogischen Gesellschaft.

Nicht alle Menschen mit Behinderung können sprechen.
Sie reagieren anders.
Zum Beispiel:
Sie schreien.
Sie machen Geräusche.
Sie schlagen sich selbst oder andere.
Sie machen Bewegungen mit dem Körper.

Es ist nicht immer leicht, diese Menschen zu verstehen.
Oft erkennt man nicht sofort: Was braucht dieser Mensch?
Es ist eine Herausforderung.

Menschen mit schweren Behinderungen leben oft in einem Wohn-Heim.

Dort bekommen sie Pflege und Unterstützung.
Für Menschen mit schweren Behinderungen ist es schwierig, alleine zu wohnen.
Es gibt nur wenige gute Angebote.

Oft gibt es alle Angebote für Menschen mit schwerer Behinderung in einem Haus:

  • Wohn-Heim
  • Werkstatt
  • Tages-Förderstätte
  • Freizeit-Angebote

Diese Gebäude sind meistens am Stadt-Rand.
Sie sind nicht in der Innen-Stadt.
Und oft sind sie nicht in der Nähe vom Wohn-Ort von Menschen mit Behinderung.
Sie müssen umziehen.

Menschen mit schwerer Behinderung können oft nicht frei über ihr Wohnen entscheiden.
Sie können nicht selbst entscheiden:
In welcher Stadt will ich wohnen?
Oder:
Will ich lieber alleine wohnen oder zusammen mit anderen?
Sie müssen dort wohnen, wo sie Unterstützung und Pflege bekommen.

Inklusion bedeutet:
Alle Menschen sind Teil der Gesellschaft.
Sie können bei allem mit-machen.
Alle Menschen gehen zusammen in eine Schule.
Alle Menschen arbeiten zusammen.
Alle Menschen verbringen ihre Freizeit zusammen.
Auch Menschen mit Behinderung.
Für Menschen mit schweren Behinderungen klappt das oft noch nicht.
Es gibt noch viele Schwierigkeiten.
Es ist schwierig, neue Wege zu finden.

Aber es gibt schon gute Beispiele in manchen Bundes-Ländern.
An manchen Orten gibt es verschiedene Wohn-Angebote für Menschen mit schwerer Behinderung.
Es wird genau geguckt: Wie möchte der Mensch wohnen?

In einem Raum sitzen vier Personen verteilt über Sofa, Sessel und Sitzecke.In einem Wohn-Heim?
In einer Wohn-Gemeinschaft?

Oder in einer Haus-Gemeinschaft?
Und es wird geguckt:
Welche Unterstützung braucht der Mensch?
Und wie kann das bezahlt werden?
 
So können Menschen mit und ohne Behinderung zusammen wohnen.
Das ist Inklusion.

Auch Menschen mit einer schweren Behinderung haben verschiedene Rollen.
Sie sind zum Beispiel

  • Mieter oder Mieterin in einer Wohnung
  • Kunde oder Kundin im Super-Markt
  • Besucher oder Besucherin im Kino

Ein Mann im Rollstuhl kauft im Supermarkt ein.So begegnen sie anderen Menschen.
Die Behinderung steht dabei nicht im Mittel-Punkt.

 

 

 "Ein Heim ist nicht der richtige Platz für Kevin"

Simone Ahrens hat einen Sohn.
Er heißt Kevin.
Kevin hat eine Behinderung.

Ein Mann sitzt in einem Sessel im Wohnzimmer und trinkt aus einer Tasse.Kevin wohnt in seiner eigenen Wohnung.
Für das Wohnen hat er Assistenz.
Er zeigt, was er will und was er nicht will.
Er hat Kontakt zu seinen Nachbarn und Nachbarinnen.
Er gehört dazu in seiner Nachbarschaft.

Das war ein langer Weg.
Es war nicht immer leicht.
Kevin und seine Familie mussten dafür kämpfen.
Davon hat Simone Ahrens erzählt.

Zuerst hat das Sozial-Amt gesagt:
Kevin soll in einem Wohn-Heim wohnen.
Aber Kevin wollte das nicht.

Zwei Geldscheine und ein paar MünzenEs gibt das Persönliche Budget.
Budget ist ein anderes Wort für Geld.

Man kann also auch Persönliches Geld dazu sagen.

Menschen mit Behinderung können persönliches Geld bekommen.
Wenn sie Unterstützung brauchen.
Mit dem persönlichen Geld können Menschen mit Behinderung ihre Hilfen und Unterstützung selbst bezahlen.

Eine Person zeigt einer anderen etwas auf dem Computerbildschirm.Mit dem Geld kann zum Beispiel eine Assistenz bezahlt werden.
Eine Person bekommt Geld vom Staat.
Von diesem Geld kann sie dann selbst die Assistenz bezahlen.
Oder Unterstützung fürs Betreute Wohnen.
Alle Menschen mit Behinderung können das Persönliche Geld bekommen.
Auch Kinder und Jugendliche können das Persönliche Geld bekommen.
Ein Vertrag mit zwei Unterschriften.Die Eltern müssen dann den Antrag schreiben.

Das Persönliche Geld bekommt man einmal im Monat.
Wie viel Geld man bekommt, ist für jeden Mensch unterschiedlich.

Kevin und seine Familie wussten nicht Bescheid über das Persönliche Geld.
Sie haben keine Informationen darüber bekommen.

Familie Ahrens hatte Unterstützung von einem Verein.
In diesem Verein geht es um die Rechte von Menschen mit Behinderung.
Ohne diese Unterstützung hätte Familie Ahrens es nicht geschafft.

Es ist schwer, einen guten Wohn-Ort für Menschen mit einer schweren Behinderung zu finden.
Sie Familien müssen oft lange kämpfen.
Sie bekommen oft nicht zu wenig Unterstützung.
Sie bekommen oft keine gute Beratung.
Sie wissen oft nicht: Welche Möglichkeiten gibt es?
Darum gehen nur wenige Familien diesen Weg.

Welche Unterstützung passt zu welchem Menschen?

Im 2. Teil der Tagung gab es ein Gespräch auf der Bühne.

Es ging darum:
Wie können Menschen mit Behinderung gut wohnen?
Und wie finden Menschen mit Behinderung eine gute Arbeits-Stelle?

Auch in diesem Gespräch ging es um das persönliche Geld.

Das persönliche Geld ist eine Chance für viele Menschen mit Behinderung.
Mit dem persönlichen Geld können sie gute Unterstützung bekommen.
Sie bekommen die Unterstützung, die sie brauchen.

Es ist nicht immer leicht, das Persönliche Geld zu bekommen.
Vor allem für Menschen mit einer schweren Behinderung.
Man muss einen Antrag stellen.
Man muss viele Gespräche führen.
Manchmal muss man sich streiten.

Norbert Müller-Fehling ist der Chef vom Bundesverband körper- und mehrfachbehinderter Menschen.
Er hat gesagt:
Viele Menschen mit schweren Behinderungen leben in Wohn-Heimen.
Diese Wohn-Heime sind oft weit weg von den Familien der Menschen mit Behinderung.
Es gibt viele Wohn-Heime.
Es gibt zu wenig andere Wohn-Möglichkeiten für Menschen mit Behinderung.

Das soll sich in Zukunft ändern.
Viele Menschen sitzen um einen Tisch. Einige heben den Arm zur Abstimmung.Dafür müssen viele Menschen zusammen-arbeiten.
Zum Beispiel Menschen bei der Stadt.
Und die Familien von Menschen mit Behinderung.
Und Politiker und Politikerinnen.

Es muss mehr Orte geben für Menschen mit Behinderung.
Orte für alle Menschen.
Orte, an denen die Menschen sich gut fühlen.
Nur dann kann es weiter-gehen mit der Inklusion in Deutschland.

Man muss immer auch gucken:
Wie kann das bezahlt werden.
Das ist nicht immer leicht.
Dafür muss man neue Lösungen finden.

Barbara Jesse hat eine Tochter.
Ihre Tochter hat eine Behinderung.
Die Tochter von Barbara Jesse braucht viel Unterstützung in ihrem Alltag.

Barbara Jesse sagt:
Oft entscheiden andere Menschen über das Leben von ihrer Tochter.
Ihre Tochter will aber selbst über ihr Leben bestimmen.
Sie sagt: Man muss mit den Menschen mit Behinderung reden.
Nicht über sie.

Man muss neue Lösungen finden.
Dafür muss man mit vielen Menschen reden:

  • mit Menschen mit Behinderung
  • mit den Familien von Menschen mit Behinderung
  • mit Menschen vom Amt
  • mit Leuten, die Menschen mit Behinderung unterstützen

Diese Gespräche müssen auf Augen-Höhe sein.
Das heißt:
Jeder Mensch ist gleich viel wert in diesem Gespräch.
Alle hören sich zu.
Und alle versuchen, zusammen eine Lösung zu finden.

Links im Bild ist Publikum, das den drei Rednerinnen rechts im Bild zuhört.Auch Menschen aus dem Publikum haben in dem Gespräch mit-geredet.
Sie haben aus ihrem Leben erzählt.

Alle Menschen bei der Tagung waren sich einig:
Man muss gut zuhören.
Und man muss genau gucken:
Welche Unterstützung braucht ein Mensch mit Behinderung?
Nur wenn diese Gespräche gut sind, kann auch die Unterstützung gut sein.

Alle Menschen wollen selbst über ihr Leben entscheiden.
Egal, ob sie dafür Unterstützung brauchen oder nicht.
Und alle Menschen haben ein Recht dazu.

Dr. Benjamin Bell hat von seiner Arbeit erzählt.
Er arbeitet für die Firma "Leben lernen".
Auch bei dieser Firma geht es um das Thema Arbeit.
Es geht um eine Arbeit für Menschen, die nicht in der Werkstatt oder einer Tages-Förder-Stätte arbeiten können.


Viele Menschen glauben:
Menschen mit einer schweren Behinderung können nicht arbeiten.
Oder sie glauben:
Menschen mit einer schweren Behinderung wollen nicht arbeiten.
Das stimmt nicht.


Auch Menschen mit einer schweren Behinderung wollen arbeiten.
Man muss nur genau gucken:
Welche Arbeit können diese Menschen machen?
Und:
Welche Arbeit wollen diese Menschen machen?
Man muss für jeden einzelnen Menschen eine gute Lösung finden.

Wir wissen was wir machen müssen - aber wir müssen es auch machen

Bei dieser Tagung wurde über viele Themen geredet.

Viele Themen sind nicht neu.
Menschen mit Behinderung sagen schon lange ihre Meinung.
Sie sagen:
Was brauche ich für ein gutes Leben?
Sie reden darüber.
Sie sagen es Politikern und Politikerinnen.
Sie sagen es Menschen, die beim Amt arbeiten.
Sie sagen es bei Tagungen.
Trotzdem verändern sich viele Dinge nicht.

Das soll in Zukunft anders werden.
Wir von der Partei die Grünen im Bundestag finden:
Es muss weiter-gehen mit der Inklusion in Deutschland.
Hoffentlich hilft das neue Bundes-Teilhabe-Gesetz dabei.

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