InklusionInklusive Gesellschaft gestalten

Schüler einer bayerischen Inklusionsschule helfen sich gegenseitig bei Rechenaufgaben.

Wir möchten eine inklusive Gesellschaft – das sagen nicht nur immer mehr Politikerinnen und Politiker, auch in Meinungsumfragen sprechen sich die Menschen in Deutschland mehrheitlich für Inklusion aus. Menschen mit und ohne Behinderungen möchten gemeinsam lernen, arbeiten und leben. Der Blick auf die bestehenden Strukturen ist allerdings desillusionierend: Die Zahl der Kinder und Jugendlichen, die an Förderschulen lernen, bleibt seit Jahren weitgehend gleich. Immer mehr Menschen arbeiten in Werkstätten für behinderte Menschen (WfbM). Und statt in einer eigenen Wohnung, leben Menschen mit Unterstützungsbedarf immer noch häufiger in einer Wohneinrichtung.

Zur Tagung „Schluss mit Sonderwelten – die inklusive Gesellschaft gestalten“ der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen am 6. Oktober 2014 kamen zahlreiche Expert*innen und Bürger*innen mit und ohne Behinderungen. Sie diskutierten über Wege, gemeinsame Lebenswelten für Menschen mit und ohne Behinderungen in allen gesellschaftlichen Bereichen möglich zu machen. In einem Gespräch mit Pablo Pineda Ferrer, dem ersten Europäer mit Down Syndrom, der einen Universitätsabschluss gemacht hat, öffnete sich abschließend der Blick auf die Situation in anderen Ländern.

Nach einleitenden Worten von Corinna Rüffer und Claudia Roth gaben Prof. Dr. Swantje Köbsell, Rebecca Maskos und Matthias Vernaldi, alle drei seit vielen Jahren in der emanzipatorischen Behindertenbewegung aktiv, Einblicke in die Entwicklung dieser Bewegung. Ein bestimmendes Thema war und ist dabei der Kampf gegen die Ausgrenzung behinderter Menschen, die auch durch die Existenz spezieller Einrichtungen gefestigt wird. Sie machten deutlich, dass der gut gemeinte Ansatz, Menschen mit Behinderungen durch Fachpersonal zu fördern, in der Praxis regelmäßig dazu führt, dass sie aus der Gesellschaft heraus genommen werden.

In drei Diskussionsrunden wurde daraufhin diskutiert, wie Bildungseinrichtungen, Arbeitsmarkt und Freizeit inklusiv gestaltet werden können.

Die Tagung hat gezeigt, dass es bereits viele Konzepte für die Unterstützung von Menschen mit Behinderungen in allen Lebensbereichen auch außerhalb trennender Einrichtungen gibt. Sie werden aber noch zu oft durch Rahmenbedingungen behindert, die auf das seit Jahrzehnten bestehende, von großen Einrichtungen beherrschte System zugeschnitten sind. Die Tagung hat uns wichtige Impulse gegeben, uns für grundlegende Veränderungen einzusetzen.

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