InklusionInklusive Gesellschaft gestalten

Schüler einer bayerischen Inklusionsschule helfen sich gegenseitig bei Rechenaufgaben.

Seite 3: Diskussionsrunde 2: Gemeinsam arbeiten!

„Probier es einfach mal aus“ – wenn Josef Brunner, Geschäftsführer der RO/SE Blechverarbeitung mit anderen Unternehmerinnen und Unternehmern über ihre Sorgen spricht, gezielt Menschen mit Behinderungen zu beschäftigen, ist sein Ratschlag eindeutig. „Es ist mehr möglich, als man vorher vielleicht denkt.“

Mit ihm und zwei weiteren Gästen tauschte sich Corinna Rüffer, Sprecherin für Behindertenpolitik, in der zweiten Gesprächsrunde über die Chancen eines inklusiven Arbeitsmarktes aus. Neben Herrn Brunner erzählte auch Ingo Busch, der aus einer Werkstatt für behinderte Menschen auf den allgemeinen Arbeitsmarkt gewechselt ist, von seinen Erfahrungen. Lisa Pfahl, Professorin für Disability Studies an der Humboldt-Universität zu Berlin ergänzte die Runde aus wissenschaftlicher Sicht.

Bei seinem Wechsel aus der Werkstatt wurde Herr Busch vom begleitenden Dienst der Werkstatt gut unterstützt. Über Praktika konnte er herausfinden, welche Arbeitsstelle seinen Bedürfnissen entspricht. Was ihm fehle, sei allerdings ein Abschluss, der allgemein anerkannt ist. Das scheitere bisher auch daran, dass ihn niemand umfassend dazu berate. Hier knüpfte Professor Pfahl an: Die Frage der Abschlüsse sei tatsächlich sehr relevant, insbesondere beim Übergang von der Schule in den Beruf. Keines der zahlreichen Angebote des Übergangs biete gegenwärtig die Möglichkeit, einen Abschluss zu machen. So brauche es eine Portion Zufall und Glück, um aus diesem System auf den allgemeinen Arbeitsmarkt zu wechseln.

Wer den Arbeitsmarkt inklusiv gestalten möchte, darf nicht nur die Instrumente betrachten, die dazu gedacht sind, Menschen mit Behinderungen in ihrer Teilhabe am Arbeitsleben zu unterstützen – der Arbeitsmarkt und die Arbeitsmarktpolitik müssen insgesamt in den Blick genommen werden, erklärte Prof. Pfahl. Ein wirklich inklusiver Arbeitsmarkt geht weit über die Beteiligung behinderter Menschen hinaus. Vielmehr müssten sie, wie auch Angehörige anderer bisher benachteiligter Gruppen, in allen Berufsfeldern und auf allen Hierarchieebenen vertreten sein. Das ist gegenwärtig ganz offensichtlich nicht der Fall. Sie wies ferner darauf hin, dass immer mehr Menschen in WfbM arbeiten, darunter auch viele, die bis vor einigen Jahren noch auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt beschäftigt worden wären. Diejenigen, für die sie ursprünglich geschaffen wurden, halten dagegen dem Druck in vielen Werkstätten nicht mehr stand und „rutschen“ in den Förderbereich. Diese Aussagen wurden kontrovers diskutiert. Ein Teil der Teilnehmenden vertrat die Auffassung, Werkstätten müssten sich nicht weiter verändern, das Problem bestehe vielmehr in der Stigmatisierung derjenigen, die in einer WfbM arbeiten.

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