Tagungsbericht 2016Bildung für eine gerechtere Gesellschaft

Seite 3: „Wie kann die Berufliche Bildung fit für die Zukunft gemacht werden und was hat Bildungsgerechtigkeit damit zu tun?“

Fragen rund um das Thema Ausbildung diskutierten die ausbildungspolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion Beate Walter-Rosenheimer, die Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Marlis Tepe und der Ausbildungsberater Halil Cesur im Workshop „Ausbildung auf dem Land und in der Stadt – auch ohne Abitur“. Einig war sich die Runde vor allem darin: Auf die Praxis kommt es an. Niedrigschwellige Berufsberatung und Berufsorientierung können gar nicht früh genug beginnen. Unmittelbare Kontakte mit dem Berufsalltag und Menschen, die aus eigener Erfahrung von Berufs- und Karrierewegen erzählen, sind die besten Maßnahmen gegen geschlechts- und milieuspezifisches Berufswahlverhalten. Auch falschen Vorstellungen über Berufsbilder und späteren Ausbildungsabbrüchen kann so vorgebeugt werden. Gerade Jugendliche mit Migrationshintergrund stehen einer dualen Ausbildung oft skeptisch gegenüber, da in vielen Kulturkreisen nur das Studium als Garant für beruflichen Erfolg gilt. Hier müssten auch die Eltern mitgenommen werden. Viele wüssten gar nicht, dass die Verdienst- und Karrieremöglichkeiten nach einer dualen Ausbildung teilweise sogar besser seien als nach so manchem Studium, berichtete Halil Cesur aus seiner praktischen Arbeit mit Jugendlichen und Betrieben.

Deutlich wurde, dass die duale Ausbildung ein Imageproblem hat. Obwohl auch angesichts des Fachkräftemangels immer wieder die Gleichwertigkeit der Bildungswege betont wird, fristet die duale Ausbildung gegenüber der akademischen Bildung oft noch ein Schattendasein. Um die Berufliche Bildung fit für die Herausforderungen der Zukunft zu machen, ist deshalb noch einiges zu tun: Die vielen Programme und Initiativen sollten systematisiert, Übergänge flexibler gestaltet und vor allem auch die Durchlässigkeit erhöht werden. Bildungsgerechtigkeit und Attraktivitätssteigerung gehen dabei Hand in Hand: Einerseits muss der Einstieg für sozial benachteiligte Jugendliche erleichtert werden, damit niemand zurückgelassen wird. Denn klar ist: In Zeiten des digitalen und demografischen Wandels wird jeder Kopf gebraucht. Gleichzeitig müssen weiterführende Qualifizierungsangebote ausgebaut werden, damit jede und jeder sich auch nach dem ersten Berufsabschluss weiter qualifizieren kann. Die Berufliche Bildung, so das Fazit der Diskussion, hat durchaus das Potenzial, wieder eine breite Leiter zum „Aufstieg durch Bildung“ zu werden. Damit das aber tatsächlich gelingt, müssen alle Beteiligten an einem Strang ziehen und die notwendigen Strukturveränderungen jetzt gemeinsam angehen.

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