Tagungsbericht 2016Bildung für eine gerechtere Gesellschaft

Seite 6: „Schwindelfrei hoch hinaus – Studierende der ersten Generation“

Das war der Titel des Workshops mit Kai Gehring, hochschulpolitischer Sprecher der Bundestagsfraktion und Suat Yilmaz, stellvertretender Leiter des NRW-Zentrums für Talentförderung. Heraus kam eine anregende und informative Runde, wie mehr junge Leute aus nichtakademischen Elternhäusern zum Studieren ermuntert werden können. Hochschulen müssen lernen, Vielfalt als Exzellenzkriterium zu sehen und zu behandeln. Dafür müssen sowohl Diversity-Konzepte als auch die aktive Talentsuche und –förderung an Hochschulen und auch schon an den Schulen verankert werden. Dazu gehört, dass die Hochschule schon bei der Einschreibung mehr über die Fähigkeiten der Erstsemester weiß, um ihnen mit zielgenauen Angeboten den Studienstart zu erleichtern. Zu Bildungsgerechtigkeit gehört, Leistung im Zusammenhang mit den Umständen zu betrachten, in der sie erbracht wurde. Initiativen wie das Talentscouting helfen, schon in der Schule die Talente von Kindern aus bildungsfernen Haushalten zur Entfaltung zu bringen. Auch Lehrkräfte können wichtige WegbegleiterInnen und MutmacherInnen auf dem Weg von der Grundschule zur Uni oder Ausbildung sein. Es fehlt nicht an guten Beispielen von erfolgreichen Erstakademikerinnen und Erstakademikern – leider werden diese nur zu wenig wahrgenommen. Daher sei es wichtig, das Talentscouting zu einem „Gewinnerthema“ zu machen, so Yilmaz. „Integration hat eine Schwester – und die heißt Investition“. Schließlich bringe die Talentförderung den Hochschulen nicht nur Studierende, sondern auch die wichtigen Drittmittel. Am Ende bringt es Kai Gehring, selbst Arbeiterkind, auf den Punkt: „Wir brauchen Menschen, die Wege aufzeigen, die Mut machen! Wir können nicht akzeptieren, dass es vom Glück oder Zufall abhängt, ob ein junger Mensch ohne akademischen Hintergrund studiert oder nicht! Erst wenn wir das erreicht haben, können wir von Bildungsgerechtigkeit sprechen!“

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