PISA 2012Deutschland ist noch nicht spitze

© Carlos Matesanz - Fotolia.com

Die Verbesserungen im deutschen Bildungssystem sind messbar, aber zu langsam. Wie die Ergebnisse von 2012 zeigen, hat das Erkennen der Schwächen seit dem Jahr 2000 tatsächlich Verbesserungen bewirkt. Dennoch hängt Deutschland mit seinen Ergebnissen im Mittelfeld der Staaten fest. Niemand darf sich damit zufrieden geben, dass sich die Abhängigkeit des Bildungserfolgs von der Herkunft nun im Durchschnitt der OECD-Länder bewegt. Wer Bildungsgerechtigkeit und Innovationsfähigkeit will, muss einen Spitzenwert anstreben.

Finnlands oder Kanadas Spitzenergebnisse bleiben für Deutschland außer Reichweite, trotz der 2008 proklamierten „Bildungsrepublik“. Eine erschreckende Erkenntnis für ein Land, das sich seinen Lebensstandard nur durch höchste Innovationsfähigkeit erhalten kann. Die schönen Worte, die die Kanzlerin dazu im Wahlkampf fand, sind nicht Teil der Bildungspolitik der neuen Regierung.

Es profitieren nicht genug Kinder und Jugendliche

Es hilft auch nicht, mit Blick auf den Vergleich zwischen den Bundesländern, einzelne Länder zu loben und damit Parteipolitik zu machen. Die SchülerInnen in Brandenburg, Sachsen und Bayern haben gute Ergebnisse in Mathe erzielt, das ist unumstritten. Aber genauso klar ist, dass auch diese Länder es nicht schaffen, alle Kinder und Jugendlichen entsprechend ihrer Möglichkeiten zu fördern und herkunftsbedingte Nachteile in neun Schuljahren auszugleichen. Es bleibt beschämend, dass Deutschland noch immer unter den Staaten ist, in denen der Bildungserfolg stark von der sozialen Herkunft abhängt. Hier sind alle Länder gefordert, endlich ernst zu machen.

Positiv ist, dass die Gruppe der Lernschwächsten in allen getesteten Bereichen kleiner geworden ist und dass selbst die Lernschwächsten ihre Ergebnisse verbessern konnten. Aber darauf darf sich nun niemand ausruhen.

Was getan werden muss

Seit Jahren machen alle Bildungsstudien klar: nur das Vertrauen in die Potenziale aller Lernenden und eine gemeinsame Anstrengung aller Verantwortlichen kann in der Bildungspolitik zum Erfolg führen.

  • Kinder brauchen individuelle Förderung und langes gemeinsames Lernen statt eines frühen Schulwechsels, den sie als Entwertung und „Abgestempelt-werden“ erfahren.
  • Bund, Länder und Kommunen müssen sich gemeinsam für die Qualität der Bildungsangebote verantwortlich fühlen und dafür, dass an den Übergängen niemand verloren geht. Dazu müssen die Bildungseinrichtungen genauso kooperieren wie Bund und Länder, das Grundgesetz muss das endlich ermöglichen.

Was zeichnet sich bei Schwarz-Rot ab?

Auch diese Bundesregierung tut nicht genug, um den Bildungserfolg eines Kindes endlich unabhängig zu machen von seiner familiären Herkunft:

  • Statt der FDP knirscht nun die SPD mit den Zähnen, wenn zwei Milliarden jährlich für das bildungsfeindliche Betreuungsgeld verpulvert werden, statt in ein gut ausgebautes und gut ausgestattetes Angebot in der frühkindlichen Bildung zu fließen.
  • Das Kooperationsverbot in der Bildung bleibt bestehen. Damit bleibt es allein Aufgabe der Länder, ein flächendeckendes Angebot von Ganztagsschulen einzurichten. Mehr als die Hälfte aller Kinder und Jugendlichen können von individueller Förderung weiterhin nur träumen.
  • Das bürokratische Bildungs- und Teilhabepaket bleibt. Das bedeutet für knapp zwei Millionen Kinder und Jugendliche, dass sie weiterhin über Hürden klettern müssen, damit sie Sportvereine und Musikschulen besuchen oder Nachhilfe nehmen können.
  • Es wird kein neues Ganztagsschulprogramm geben, durch das der Bund die Länder dabei unterstützen kann, flächendeckend Schulen aufzubauen, die mehr Lernzeit, mehr individuelle Förderung und mehr integrierte Teilhabechancen anbieten können.
  • Johanna Wanka, die Noch-Bundesbildungsministerin, will angesichts der PISA-Ergebnisse nun die Zusammenarbeit mit den Ländern vor allem bei der Begabtenförderung voranbringen. Das ist reines Schielen auf die Testergebnisse, keine Übernahme staatlicher Verantwortung. Denn wer mit 15 Jahren in der höchsten Leistungsgruppe ist, findet den Weg an die Hochschule und zum Studienabschluss auch jetzt schon und kann dabei die eigenen Potenziale entwickeln. Gezielte staatliche Unterstützung durch bessere Bildung brauchen diejenigen in den unteren Leistungsgruppen. Dazu viele Jungen beim Lesen und viele Mädchen, die vor allem in Mathematik trotz guter Leistungen am fehlenden Selbstvertrauen scheitern.

Alle gesellschaftlichen Gruppen müssen von besseren Bildungsangeboten profitieren können, unabhängig vom Alter, vom Geschlecht, vom Migrationshintergrund sowie von Vorbildung und finanzieller Lage in den Familien. Herausforderungen wie der demografische Wandel, der Fachkräftemangel und der globaler Innovationswettbewerb sind nur mit mehr guter und lebenslanger Bildung zu bestehen.

Wo bleibt der notwendige Impuls?

Die Ergebnisse von PISA 2012 zeigen, dass sich Schulen weiterentwickelt, Lehrerinnen und Lehrer erfolgreich eingesetzt und die Schülerinnen und Schüler seit 2000 in allen Bereichen verbessert haben. Daraus muss jetzt der Schwung erzeugt werden, die Schulen noch besser machen zu wollen, die Lehrerinnen und Lehrer weiter zu unterstützen sowie den Kindern und Jugendlichen Zuversicht und Selbstvertrauen zu geben: „Wir sind was wert, wir haben die besten Schulen“.

Mehr zum Thema Bildung

Dieser Artikel ist älter als zwei Monate, deshalb werden keine Kommentare mehr angenommen.

4390304