Beginn des AusbildungsjahresFachkräftemangel? Ausbildung stärken!

In der Ausbildung zum Tischler erklärt eine Berufsschullehrerin Auszubildenen eine Fräsmaschine.
Das neue Ausbildungsjahr startet mit einer lauten Debatte um den Mangel an Fachkräften. Deutschland, so die düstere Prognose, drohe schon bald der Nachwuchs auszugehen. Daran ist die Bundesregierung nicht ganz unschuldig, sie hat sich zu lange auf der stabilen Konjunktur ausgeruht. Die grüne Bundestagsfraktion fordert eine Ausbildungsgarantie. Im Rahmen unserer Bildungsoffensive fordern wir einen Berufsschulpakt mit über 2,5 Milliarden Euro für die nächsten fünf Jahre.

Das neue Ausbildungsjahr startet mit einer lauten Debatte um den Fachkräftemangel. Deutschland, so die düstere Prognose, drohe schon bald der Nachwuchs auszugehen. Die neuesten Zahlen zum Ausbildungsmarkt geben da kaum Entwarnung: Die Zahl der Ausbildungsverträge ist mit knapp 510.000 auf einem historischen Tiefststand, viele Unternehmen bilden gar nicht mehr aus. Noch immer stecken hunderttausende junge Menschen in einer Maßnahme am Übergang Schule-Beruf, anstatt an Schul- und Werkbank für den Abschluss zu lernen. Und während Betriebe im Süden und Osten der Republik händeringend nach Fachkräften suchen, gehen viele Jugendliche im Norden und Westen der Republik bei ihrer Lehrstellensuche komplett leer aus. Der Exportschlager berufliche Bildung, so scheint es, steckt hierzulande tief in der Krise.

Zusammenbringen: Was zusammen gehört

Daran ist die Bundesregierung nicht ganz unschuldig. Denn was Bildungsministerin Johanna Wanka als „Passungsprobleme“ kleinredet, ist in Wahrheit die tragische Konsequenz aus vier Jahren bildungspolitischem Blindflug. Azubi-Mangel und Betriebe mit Nachwuchssorgen sind Folgen der Versäumnisse einer großen Koalition, die sich zu lange auf einer stabilen Konjunktur ausgeruht hat. Es gibt keine Ausbildungsgarantie, obwohl die Potenziale aller jungen Menschen so dringend gebraucht werden. Die beruflichen Schulen werden bei der Digitalisierung im Stich gelassen und für schulische Ausbildungen muss noch immer Schulgeldbezahlt werden, obwohl gerade der Pflege- und Gesundheitsbereich am meisten unter Nachwuchssorgen leidet.

In berufliche Bildung investieren

Expertinnen und Experten fordern zu Recht mehr Investitionen in die berufliche Bildung. Im Bildungsetat der Bundesregierung suchen wir diese aber vergeblich. Dabei ist klar: Eine moderne Berufsbildung ist im digitalen Zeitalter nicht mehr mit Schreibmaschine und Rechenschieber zu machen. Der Bund muss endlich kräftig in WLAN, Whiteboards und Weiterbildung investieren. Auch die vielen jungen Geflüchteten werden nicht von alleine zu den Facharbeitern von morgen. Wir Grüne im Bundestag fordern deshalb - im Rahmen der grünen Bildungsoffensive - ein Berufsschulpakt über 2,5 Milliarden Euro für die nächsten fünf Jahre. Denn wir wollen, dass die beruflichen Schulen fit für den digitalen Wandel werden und die Integration von Flüchtlingen erfolgreich meistern.

Ausbildungsgarantie: Ein Schritt zu mehr Chancengleichheit

Wir möchten, dass alle jungen Menschen mit dem Gefühl gebraucht zu werden, in ihre berufliche Zukunft starten und jede und jeder die Chance auf eine gute berufliche Zukunft hat. Eine echte Ausbildungsgarantie ist deshalb ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu mehr Chancengerechtigkeit und kann nebenbei auch noch dazu beitragen, dass der Wirtschaft nicht schon morgen die Fachkräfte ausgehen.

Alle Jugendlichen sollen direkt nach der Schule eine anerkannte Berufsausbildung beginnen können, anstatt ziellos von Maßnahme zu Maßnahme geschoben zu werden. Gelingt der Wechsel in einen Betrieb nicht, findet die betriebsnahe Ausbildung in überbetrieblichen Ausbildungsstätten (ÜBS) statt und führt auf diesem Weg zu einem anerkannten Berufsabschluss mit Kammerprüfung.

Dazu kommt: Der moderne Arbeitsmarkt erfordert Mobilität. Das betrifft natürlich auch Azubis. In Zukunft soll kein Ausbildungsvertrag an den Grenzen der Bundesländer scheitern. Ausbildungsinteressierte aus anderen Regionen müssen attraktive Angebote bekommen, die sie davon überzeugen, dass auch eine Ausbildung in einer anderen Region gute Zukunftschancen bietet. Wir wollen junge Menschen dabei unterstützen, dass sie von A nach B kommen und fordern deshalb kostengünstige Azubis-Tickets für den ÖPNV. Auch die Suche nach passendem Wohnraum muss gerade in teuren Ballungszentren endlich einfacher werden. Deshalb machen wir uns für eine gezielte Förderung von Azubi-Wohnheimen stark.

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1 Kommentar
Werneck
Manfred Hampp 01.09.2017

Wieso laßt ihr mich jetzt hier kommentieren?

Auf Wunsch, evtl. gern, wird aber 'ne harte Nuß werden.
Denn ich habe da ganz andere - persönliche - Bedürfnisse, auch rückblickend.
Ich hätte nie gedacht, daß ich nie werde arbeiten dürfen, vor allem mich einbringen, und so eines Tages wieder 'zurückgeschickt' werde.
Eigentlich war ich damit nie in diese Gesellschaft wirklich integriert.

Mal schauen.

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