Berufsbildungsbericht 2014Große Koalition bietet nur kleine Ideen

In der Ausbildung zum Tischler erklärt eine Berufsschullehrerin Auszubildenen eine Fräsmaschine.

Die Erkenntnisse sind nicht neu: Obwohl es immer weniger SchulabgängerInnen gibt und gleichzeitig die Wirtschaft Fachkräfte sucht, bleiben Zehntausende junge Menschen ohne Ausbildungsplatz. Die Bundesregierung gibt die Probleme zwar zu, bleibt bei den Lösungsvorschlägen aber wage. Für die Schulabgängerinnen und Schulabgänger des Jahres 2014 bedeutet das: Die große Koalition lässt wieder ein Jahr vergehen, in dem ein Viertel von ihnen trotz erfolgreichem Schulabschluss und eifriger Suche keinen Ausbildungsplatz, sondern nur ein Trostangebot finden wird . Das ist beschämend für die jungen Menschen, kostet Lebenszeit und Optimismus, die Gesellschaft viele Perspektiven und die Wirtschaft dringend benötigte Fachkräfte.

Die grüne Bundestagsfraktion hat einen Reformvorschlag vorgelegt: „Berufliche Bildung sichern – jungen Menschen Zukunftschancen bieten“ (BT-Drs. 18/1456). Wir wollen das duale System der Berufsausbildung so ergänzen, dass tatsächlich Jede und Jeder eine zuverlässige Perspektive für eine Ausbildung erhält. Dazu muss der Übergangsbereich so umgestaltet werden, dass er endlich seine Aufgabe erfüllt: Wer dort beginnt, geht unmittelbar in eine duale Ausbildung über. Sie oder er landet nicht nach einem Jahr wieder vor der Tür dieses bunten Qualifizierungsbereichs, sondern lernt dort zielgerichtet mit Blick auf eine Ausbildung, so dass diese Zeit und das Gelernte auch für die Ausbildung anerkannt werden. Hierzu sollen die überbetrieblichen Ausbildungsstätten gestärkt und ausgebaut werden, um Betriebe und Schulen zu unterstützen.

Die Regierungsfraktionen haben einen Antrag vorgelegt, dem jede Substanz fehlt. Im Koalitionsvertrag haben CDU, SPD und CSU vereinbart, mit den Sozialpartnern eine Allianz für Aus- und Weiterbildung einzugehen. Darüber wird derzeit verhandelt. Die notwendigen Reformen müssen warten. Aber schlimmer noch: Statt die Stärken der dualen Ausbildung zu festigen und den Übergang von der Schule in Betriebe und berufliche Schule zu erleichtern, üben sich einige Unionsabgeordnete darin, das Studieren schlecht zu reden.

Der bildungspolitische Sprecher, Albert Rupprecht (CSU), wiederholte in der Debatte seine destruktive Skepsis, dass zu viele junge Menschen an die Hochschulen gingen. Auf Nachfrage von Kai Gehring konnte er allerdings keine Belege dafür liefern, außer einer reinen Zahl: Zweidrittel eines Jahrgangs sind für ihn schlicht ein zu hoher Studierendenanteil. Rupprecht konnte oder wollte auch nicht beschreiben, was er gegen diese von ihm so genannte „Über-Akademisierung“ tun will. Es bleibt also offen, ob die CSU eine „Studierenden-Planwirtschaft“ oder schlicht noch höhere flächendeckende Zugangsbeschränkungen will. Aber die Skepsis bleibt nicht auf Bayern beschränkt. Auch CDU-Abgeordneter Feist warf die Frage auf, ob die staatlichen Mittel für die Ausbildung ausreichend sei, da sie nur ein Viertel der Studienplatzkosten betragen. Wohin soll solch eine Debatte führen? Feist möchte zwar die Gleichbehandlung durch Gebührenfreiheit für Meister wie Studierende. Aber eine Koalition, die derzeit nicht mal die Verhandlungen mit den Ländern zur Aufstockung des BAföG hinbekommt, wird an der Aufgabe scheitern.

Es war beruhigend, dass mit SPD-Sprecher Rossmann wenigstens ein Koalitionsabgeordneter eine klare Vorstellung beschrieb: Nur wenn die berufliche Weiterbildung gestärkt wird, wird auch die Erstausbildung für viele Schulabgängerinnen und Schulabgänger eine Lebensperspektive bieten können. Leider hat die große Koalition unseren Haushaltsantrag zu Schaffung eines Weiterbildungs-BAföG am 21. Mai in den Ausschüssen abgelehnt. Damit haben sie die Chance vertan, wirklich etwas für die Weiterbildung zu tun. Den zweiten positiven Akzent setzte die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Aydan Özoguz. Sie will die berufliche Bildung als Schwerpunkt bearbeiten und im Herbst 2014 einen Integrationsgipfel zu diesem Thema durchführen. Wenn der allerdings nicht durch ernsthafte Reformvorschläge der Koalition vorbereitet wird, werden selbst die Schulabgängerinnen und -abgänger des Jahres 2015 noch in die Röhre schauen.

Mehr zum Thema Bildung

Dieser Artikel ist älter als zwei Monate, deshalb werden keine Kommentare mehr angenommen.

4391848