BildungsberichteGute Bildung für alle?

DGB-Vizechefin Elke Hannack auf der Rentenkonferenz der grünen Bundestagsfraktion am 14. Oktober 2016.
Elke Hannack (Archivaufnahme) vom DGB betont in ihrer Stellungnahme die Bedeutung des Bildungssystems für den sozialen Zusammenhalt: "Unser Bildungssystem mit seinen Kitas, Schulen, Hochschulen und Weiterbildungseinrichtungen ist einer der wenigen Orte, an denen sich die unterschiedlichen Schichten und Milieus unserer Gesellschaft begegnen können."

Uneinigkeit zwischen den Fraktionen in ihren Auslegungen mancher Ergebnisse, viel Einigkeit bei den Sachverständigen, was erwiesen ist und was nicht. So lässt sich der Verlauf des Fachgesprächs „Bildung in Deutschland“ im Bildungsausschuss zusammenfassen. Widerlegt wurden vor allem zwei Behauptungen aus der Unionsfraktion. In Deutschland könne jede und jeder den Bildungsaufstieg schaffen, wenn er oder sie nur wolle, und integrierte Schulformen gingen zu Lasten besonders leistungsstarker Kinder und Jugendlicher. Das Fachgespräch hat sich also allein gelohnt, um diese beiden „Wiedergänger“ der ideologischen Bildungsdebatten des 20. Jahrhunderts zu widerlegen.

Die Stellungnahme von Elke Hannack war sehr pointiert: „Wer die Spaltung unserer Gesellschaft bekämpfen und sozialen Zusammenhalt sichern will, muss die Polarisierung in unserem Bildungssystem überwinden.“ Es lasse sich eine Abgrenzung nach unten beobachten, die dazu führe, dass unterschiedliche Milieus eher übereinander anstatt miteinander sprechen, so die DGB-Vizechefin. Für diese Einschätzung brachte sie klare Belege. Und diese einzelnen Belege haben die geladenen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler alle bestätigt. Bund, Länder und Gemeinden müssen in gemeinsamer Anstrengung vor allem Folgendes angehen:

  • in der frühkindlichen Bildung hat sich viel getan, aber jetzt muss die Qualität massiv verbessert werden;

  • das Lernen im Lebensverlauf muss staatlich und betrieblich erleichtert werden;

  • Lehrerinnen und Lehrer als zentrale Akteure im Klassenzimmer müssen bessere Arbeitsbedingungen und bessere Aus-, Fort- und Weiterbildung erhalten;

  • das Ganztagsschulangebot muss ausgebaut und für fachliche und vor allem sprachliche Bildung besser genutzt werden.

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben sehr deutlich gemacht, dass dies nur einige der anstehenden Schritte sind und dass es auf ein Gesamtkonzept ankommt. Wenn Politik, egal auf welcher staatlichen Ebene, sich nur auf eine punktuelle Verbesserung konzentriert, entsteht keine tragfähige Lösung. Zwei klare Prioritäten bleiben aus diesem Fachgespräch: Kita, Schule, Aus- und Weiterbildung müssen unterstützt werden, damit sie ihre Qualität verbessern können; das individuelle Fördern muss selbstverständlich werden, auch als Einsatz gegen die soziale Spaltung der Gesellschaft. Wir setzen uns als grüne Bundestagsfraktion schon lange dafür ein, die Bildungsinstitutionen zukunftsfest zu machen für eine gerechte und soziale Gesellschaft. Und wir bleiben auch dabei, dass es dafür notwendig ist, dass Bund, Länder und Gemeinden gemeinsam Verantwortung übernehmen, denken und handeln. Das Kooperationsverbot muss aus dem Grundgesetz gestrichen werden.

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